16. April 2016 Landestheater Coburg – zum ersten Mal ein Teil der (wenigen) Musik aufgeführt, die Johann Strauss tatsächlich für sein unvollendetes (unbeendetes!) Ballett „Aschenbrödel“, einen vom Libretto bestimmten Abschnitt, komponierte und hinterließ“


Die Einstellung des staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens in Köln (Coburg, Kiel) wegen Hehlerei im Dezember 2010 [infolge meiner Anzeige vom 15. Juni 2010] veranlasste mich, mich inhaltlich mit den mir 2008 von einem promovierten deutschen Musikwissenschfaftler für die „Deutsche Johann Strauss Gesellschaft” – deren Leiter ich damals war – zum Kauf angebotenen aus der „Wienbibliothek im Rathaus“ veruntreuten nicht inventarisierten „Aschenbrödel”-Autographen zu beschäftigen.

Dies führte zu meinen Forschungsergebnissen und zur dadurch ermöglichten Coburger „Aschenbrödel Ur-Aufführung“ am 16. April 2016.

FONO FORUM 12. April 2016: „Premiere dank Staatsanwalt“


Kronen-Zeitung“ Wien über die sehr erfolgreiche Coburger „Aschenbrödel“-Premiere: „Tosender Applaus für die >Aschenbrödel<-Uraufführung im deutschen Coburg!"

Krone Aschenbrödel 18 April 2016 1


Die ab 2007 wieder aufgetauchten mutmaßlich von einem früheren leitenden „Mitarbeiter“ der Bibliothek veruntreuten und die weiteren wohl auch von diesem in ihr „verlegten“ und dort laut Wienbibliotheksmitarbeiter Prof. Norbert Rubey wohl erst 2009 wiedergefundenen autographen „Aschenbrödel“-Skizzen aus der ursprünglich 611 Seiten umfassenden „Aschenbrödel“-Mappe der 1939 in Wien öffentlich abgenötigten jüdischen „Sammlung Strauss-Meyszner“ beweisen, dass die seit 1899 bis heute geltende Überlieferung zu diesem von Strauss unvollendet hinterlassenen Ballett unrichtig ist.

Dies mag vielleicht der Hauptgrund – neben einem finanziellen Aspekt – für den in Sachen Johann Strauss und Musikautographen sehr kundigen mutmaßlichen Veruntreuenden gewesen sein, sehr gezielt gerade diese Autographen aus der dann auch noch in der Bibliothek versteckten „Aschenbrödel“-Mappe zu entnehmen.


Noch bis heute gelten weltweit die unrichtigen Ansichten zu von Strauss hinterlassenen fertig komponierten „Aschenbrödel“-Teilen.


Prof. Michael Rot, Alleinherausgeber der wissenschaftlichen „Neuen Johann Strauss Gesamtausgabe“, schreibt im Vorwort seiner 2002 erschienenen Rekonstruktion einer „Urfassung Aschenbrödel“, die es allerdings nicht gab:

Am 8. Juni (also nur 5 Tage nach Strauss’ Ableben) meldete das >Illustrierte Wiener Extrablatt<:

>Der Meister hatte bereits die Musik für 1½ Acte componirt, als ihn der Tod ereilte. Bei Durchsicht der Composition zeigte es sich, daß der große Tonkünstler auch manche Stellen des dritten Actes anticipirt hatte.<

Es spricht also vieles dafür, daß Strauss zumindest den ersten Akt noch vollendet hatte.

Ferner könnte man die dem Gesamtwerk vorausgenommene Uraufführung des >Vorspiel zum dritten Akt< am 21.1.1900 im Wiener Musikverein als Indiz dafür nennen, daß auch dieser - und vielleicht einige weitere Teile des dritten Aktes schon fertiggestellt waren.


So schrieb auch Strauss-Forscher Prof. Franz Mailer, von 1979 bis 2008 Konsulent der „Wiener Philharmoniker“ für die Prorammgestaltung bei ihren „Neujahrskonzerten“ (Nachruf der „Wiener Philharmoniker“), zum angeblich vom „Walzerkönig selbst“ [!] komponierten „Vorspiel zum dritten Akt“:

Zu den noch vom >Walzerkönig< selbst komponierten Teilen gehört das >Vorspiel zum dritten Akt<. Es enthält eine der letzten Walzermelodien, die Johann Strauss geschrieben hat. Sie schmeichelt sich - von leiser Wehmut überschattet - ins Ohr des Hörers ein als letzter Beweis für das Strauss’sche Genie." (Franz Mailer „Johann Strauss Kommentiertes Werkverzeichnis“, Pichler, Wien, 1999, S. 24)


Wie die wieder aufgetauchten „Aschenbrödel“-Autographen nun beweisen, hat Strauss auch das Vorspiel nicht [!] „selbst komponiert“.


Dieses vom „Aschenbrödel“-Vollender Josef Bayer aus relativ kurzen nicht zusammenhängenden Strauss’schen Entwürfen zusammengestückelte „Vorspiel“ wurde am 21. Januar 1900 im „Zweiten ausserordentlichen Gesellschafts-Concert“ des Wiener Musikverein „Zur Erinnerung an Johann Strauss“ erstmals aufgeführt, in diesem herrlichen „Goldenen Saal“, in dem seit Silvester [!] 1939 das jährliche Johann Strauss-Konzert der „Wiener Philharmoniker“ stattfindet, welches seit 1946 den Namen „Neujahrskonzert“ trägt.

In der am 29. Dezember 1899 in der „Neuen Freien Presse“ und „Neuen Wiener Journal“ veröffentlichten Ankündigung dieses Konzerts stand das „Vorspiel“ zum 3. Akt „Aschenbrödel“ allerdings noch nicht auf dem Programm:




Das „Vorspiel“ wurde kurzfristig noch ins Programm aufgenommen, wohl um die ablehnde Haltung Gustav Mahlers, die Uraufführung des Ende 1899 von Josef Bayer vollendeten „Aschenbrödels“, wie von Mahler ein Jahr vor Strauss‘ Tod versprochen, an der Wiener Hofoper unter seiner Leitung zu veranstalten, doch noch hin zu einer Akzeptanz zu bewegen.

Die Besprechung dieses Konzerts in der „Neuen Freien Presse“ lobte das „Vorspiel“, kritiserte aber das „recht statutenwidrige Programm“ , die „äußerliche Form“ und „Ankündigung“ des „Erinnerungskonzerts“:

Neue Freie Presse“ 22. Januar 1900


Das Concert war in seiner äußerlichen Form und Ankündigung ein Mißgriff. … Was würde wohl das Publicum des Theaters an der Wien sagen, wenn ihm gelegentlich als Zwischenactsmusik >zur Erinnerung an Johannes Brahms< eines Symphonie dieses Meisters aufgetischt würde[?] Alles zur richtigen Zeit und am richtigen Ort!"


zum „Vorspiel“


Das „Neue Wiener Journal“ kritisierte die „Süßigkeit“ der Musik, „zählte“ aber das Vorspiel den „feinsten Empfindungen des verewigten Walzerkönigs bei“:



Johann Strauss-Biograph und -Freund Ignatz Schnitzer (Librettist des „Zigeunerbaron“) beschrieb 1920 in seiner zweibändigen Biographie „Meister Johann“ die der Öffentlichkeit bis dahin nicht bekannten Gründe Mahlers für dessen Ablehung.

Die wieder aufgetauchten „Aschenbrödel“-Autographe beweisen, dass Mahler mit seinem Eindruck – „das alles sei gar nicht von Strauß!!“ – weitgehend richtig lag:



Am 13. Februar 1900 meldete die „Neue Freie Presse“ die endgültige Ablehnung der Hofoper und Operndirektor Mahlers:



Bereits zwei Tage später telegraphierte Geheimrat Georg Henry Pierson, Direktor in der Intendanz der „Königlichen Schauspiele Berlin“, an Adele Strauss in Wien. Das Telegramm ist Teil des 1990 von der „Landesbibliothek Coburg“ angekauften umfangreichen Teilnachlass Adele/Johann Strauss (Inventarnr. MS 425):

Frau Johann Strauß

Würden Sie verehrte gnädige Frau eine Persönlichkeit hierher entsenden, welche die Musik von Aschenbrödel dem Herrn Generalintendanten vorspielte? Alsdenn könnten eventuell die Verhandlungen wegen Aufführung im Königlichen Opernhause eingeleitet werden.

Hochachtungsvoll Pierson“


Schnitzer schildert die Berliner Entwicklung in „Meister Johann“ leicht abweichend:


Es wurden nicht „einige Musiknummern umgestellt“. Ein Verdienst von Prof. Rot ist seine detaillierte Analyse von Bayers komplizierter Umarbeitung der 1. zur 2. Fassung. So konnte man erst seit Erscheinen dieser Partitur (2002) Genaues über die Umarbeitung erfahren:

Bayer sah sich zu einer völligen Neugestaltung des musikalischen Ablaufes gezwungen. Er zerlegte die Urfassung in 95 Teile und setzte sie wie ein Mosaik neu zusammen. Für die 2. Fassung verwendete er dabei nur 63 dieser Mosaikteilchen, einige notwendig gewordene Überleitungstakte ergänzte er – nur einen einzigen Teil im Schluß des 3. Aktes gestaltete er – vor allem instrumentatorisch – völlig neu. So blieben mehr als 400 Takte der Urfassung in der 2. Fassung unbenützt.”


Die Öffentlichkeit erfuhr 1900 nichts von der musikalischen Umarbeitung:

Das Buch zu diesem Ballet ist inzwischen im Einvernehmen mit Frau Adele Strauß von H. Regel einer vollständigen Umarbeitung unterzogen worden, bei welcher nur die Grundidee des Originals beibehalten wurde. Die Strauß’sche Musik ist natürlich von dieser Umarbeitung unberührt geblieben.”

Neues Wiener Journal“ 7. Oktober 1900


Wikipedia berichtet:

Bis zu seinem Tode hatte Johann Strauß den ersten Akt sowie die Hälfte des dritten Aktes orchestriert. Das Werk zu vollenden, fiel Josef Bayer unter der vertraglichen Bestimmung zu, nur die Musik von Johann Strauss (>mit Ausnahme der technisch nötigen Überleitungen<) zu verwenden".


Strauss vertonte, wie die wieder aufgetauchten Autographe beweisen, tatsächlich viel viel weniger vom „Aschenbrödel“-Libretto, als bis heute behauptet/vermutet wird – nur ca. 15 Minuten der musikalisch hiervon auch noch teilweise abweichenden 100 Minuten währenden im Dezember 1899 fertiggestellten (ersten) Vollendungsfassung Josef Bayers.

Diese (so) bisher unbekannte von Johann Strauss (Sohn) komponierte [!] zusammenhängende Musik – und nicht die zum weit überwiegenden Teil der von Bayer aus Strauss’schen Motiven und Melodie- bzw. Partituskizzen zusammengestückelte und „komponierte“ noch nie aufgeführte Vollendung von 1899 – wurde nun erstmals seit ihrer Komposition am „Landestheater Coburg“ vorgestellt. (Uraufführung)


Die einzige erhaltene Quelle zur Vollendung Bayers von 1899 ist der in der „Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek“ verwahrte am 26. Oktober bzw. 6. Dezember 1899 fertiggestellte handschriftliche Klavierauszug dieser Fassung (Sign. Mus.Hs.36361). Falls der Auszug beim Anklicken nicht erscheint, bitte „Bayer”, „Strauss” und „Aschenbrödel” in die Suchleitse eingeben und anklicken. Durch Anklicken des dann erscheinenden Scans des Auszuges gelangt man zum digitalisierten KA.

Bayer datierte den Anfang der von ihm extrem schnell geschaffenen Vollendung – 3 Akte in 4 [!] Wochen – und zeichnete jeweils nach Fertigstellung der einzelnen Akte mit Unterschrift und Datum, außerdem auf dem Titelblatt.

In Anbetracht meiner durch die wieder aufgetauchten Autographe gewonnenen Erkenntnisse lässt sich dies als Anspruch Bayers auf seinen weit überwiegenden Anteil an der Vollendung deuten:

Durch die von Bayer in diesen Klavierauszug eingetragenen zahlreichen genauen Hinweise auf das von ihm verwendete autographe Material von Strauss – zweibuchstabige Teilkonvolut-Kennzeichnungen mit jeweiliger Seitenzahl – dokumentierte Bayer seinen bei weitem überwiegenden eigenen Kompositionsanteil an seiner Vollendung. Dieser wird im Vergleich der von ihm im Auszug genannten Strauss’schen Skizzen mit seiner Vollendung belegt.

Zur Nur-Dokumentation seiner „Vollendung“ hätte die reine Musikabfolge – ohne die genauen Hinweise auf das herangezogene autographe Material – genügt. Dann wäre Bayers Eigenkompositions-Anteil (aber) nicht zu belegen gewesen. Das kann Bayer nicht entgangen sein! Demnach wird er die Beweisbarkeit seines sehr großen Ghostwriter-Anteils gewollt haben.


Ein Beispiel – das von Bayer zusammengestückelte „Vorspiel“ zum dritten Akt und der von Bayer zusammengestückelte und auch teilweise instrumentierte „Aschenbrödel“-Walzer:

Die aus wenigen Takten bestehende einstimmige Strauss’sche Melodieskizze „Aschenbrödel“-Teilkonvolut „BS“ mit Paginierung „9″ (unten rechts auf der folgenden Skizze in roter Tinte von unbekannter Hand) wurde von Bayer – außer am Schluss des ebenfalls von ihm zusammen gestückelten Vorspiels zum 3. Akt – auch verwendet für den Anfang des von ihm zum großen Teil zusammengestellten „Aschenbrödel“-Walzers. Hier ein Video dieses von Bayer aus Strauss’schen Melodien zusammengestellten den Titel des Balletts tragenden Walzers.

5. und 6. Liniensystem Überschrift „Ballet“:

bs-9

Klavierauszug 2. Akt Seite „7″ recte „Walzer B.S.9. Großer Zusammentanz.“

bayer-55-aus-bs-9

Aus den auf „BS 9″ von Strauss notierten 12 [!] einstimmigen [!] Melodie-Takten entwickelte [!] und instrumentierte [!] Bayer 32 [!] Walzertakte für Teil I dieses Walzers – hier im Auszug nur für Klavier – Hörbeispiel zu Bayers Komposition und Instrumentierung dieses Walzerteiles s. obiges Video:

bayer-55-bs-9

Das folgende Tonbeispiel vom Schluss des Vorspiels zum 3. Akt „Walzer“ beginnt mit der auf Partiturskizze „IK 8″ („Aschenbrödel“-Mappe Seite „89″) notierten Musik. Dem folgt nach einem von Bayer rot durchgestrichen Sprung von 70 Takten – das Vorspiel abschließend – der Anfangsteil von Walzer I des „Aschenbrödel“-Walzers.

Tonbeispiel: Schluss des Vorspiels/Zwischenbild zum 3. Akt.

aschenbroedel-bayer-74

Nach dem Sprung: der das Vorspiel abschließende Walzer (Teil A von Walzer I des von Bayer zusammengestellten „Aschenbrödel“-Walzers)

aschenbroedel-bayer-76

Das „Zwischenspiel“ (Vorspiel) zum 3. Akt beginnt mit der auf der am 25. März 2007 in der Landesbibliothek Coburg eingetroffenen veruntreuten Partiturskizze notierten Musik „DS 1 Liebes Duett (1 u 2 Akt)“.

ds-1

Beginn „Zwischenspiel zum 3. Akt“ Bayer-Klavierauszug Vollendung Seite „2″ recte.

aschenbroedel-bayer-ka-anfang-zwischenspiel-3-akt

Dem folgt mit „Andantino“2. Akt Blatt e von 1-32″ die bereits im 2. Akt verwendete – laut Bayers Eintragung – ab Skizze „PQ 13″Aschenbrödel“-Mappe Seite „142″ notierte Musik, s. folgende Abbildung Bayer-Klavierauszug 2. Akt „6″ recte.

aschenbroedel-bayer-2-akt-53-pq-13

Tonbeispiel: Anfang bis Mittelteil des Vorspiels

Klavierauszug Mittelteil ab Takt „Moder“Aschenbrödel“-Teilkonvolut“IK 2″ („Aschenbrödel“-Mappe „83″)

Tonbeispiel: Mittelteil bis zum Schlussabschnitt

aschenbroedel-bayer-72


Datierungen und Signaturen:

Angefangen 30./9. 99. >Aschenbrödel<"

angefangen-aschenbroedel-1-akt-26-10-1899

Beendet am 9./10.99 Josef Bayer“

bayer-beendet-akt-9-10-1899

Ende des 2. Akts Wien, 19.10.99 Josef Bayer“

beendet-9-10-1899

Vollendet 26.10.99 Josef Bayer Spieldauer samt Zwischenakte 100 Minuten”

beendet-3-26-10-1899

Im gesamten Auszug scheint der Name von Johann Strauss als Autor nicht auf.

Auch auf den Umschlägen der einzelnen Akte zeichnete Bayer wie hier beim 1. Akt:

1. Act >Aschenbrödel< Manuscript Josef Bayer”

aschnbroedel-bayer-1899-1

Nur am Schluss des nachträglich am 6. Dezember 1899 fertiggestellten „Zwischenspiel“ zum 2. Akt „Semering“ ist der Name „Joh. Strauss“ genannt:

Bei diesem Accord steht das Bild JOH.STRAUSS. Ende des Bildes. Josef Bayer 6.12.99.”

beendet-zwischenspiel-mit-strauss



Infolge des Fehlens der Strauss’schen Autographen war ein Vergleich dieser Autographen mit Bayers Vollendung auch um das Jahr 2000 nicht möglich und führte 2002 zu unrichtigen Zuordnungen vom Alleinherausgeber der „Strauss Edition Wien“ , Prof. Michael Rot, in seiner wissenschaftlichen „Aschenbrödel“-Partitur.

Noch im Februar 2015 [!] schreibt Prof. Rot:

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unserer Aschenbrödel Partitur [2002] war das später aufgetauchte autographe Material zu Aschenbrödel laut Auskunft aller relevanten Bibliotheken – auch der damaligen Wiener Stadt und Landesbibliothek – verschollen.

Unsere Partitur trägt ein Erscheinungsdatum, und zu diesem Zeitpunkt waren alle darin von mir genannten Fakten und Schlüsse richtig und nachvollziehbar.”


Auf Seite 511 seiner 2002 erschienenen „Aschenbrödel“-Partitur schreibt Rot im „Revisionsbericht“ zur „Quellenlage“ bezüglich „(K1) Klavierauszug/Urfassung“:

Zahlreiche Eintragungen und Kürzel Bayers, von denen mehrere entschlüsselt werden konnten, geben deutliche Hinweise auf das von Strauss hinterlassene Material (siehe >Johann Strauss’ Nachlaß zu Aschenbrödel<):

Es gab ein >gebundenes Buch<, das in (K1) insgesamt 35mal erwähnt wird, und zwar als >geb. Buch<, >geb B.S.< und >B.S.< [Buch Seite]. Dieses Konvolut bestand aus zumindest 102 Seiten, die Bayer zur Verfügung standen.”


Hätte dieses nicht [!] verschollene, sondern seit 1942 [!] in der „Wienbibliothek“ verwahrte „gebundene Buch“ Prof. Rot zur Verfügung gestanden, hätte er natürlich nicht die im „Vorwort“ und „Revisionsbericht“ seiner Partitur genannten unrichtigen „Schlüsse“ gezogen, denn er hätte zum Beispiel 30 der angeblich 35 Bayerschen Erwähnungen des „gebundenen Buch“ in diesem nicht gefunden, denn:


Bei diesem laut Prof. Rot verschollenen „gebundenen Buch“ handelt es sich um das zwar 1942 in die „Wiener Stadtbibliothek“ aus der 1939 beschlagnahmten jüdischen „Sammlung Strauss-Simon“ eingegangene aber erst 1967 inventarisierte Strauss-Skizzenbuch 1896-1899 MH 12236 („Göttin der Vernunft“ „Aschenbrödel“).

Es trägt – wie der Innenseite des Buchdeckels zu entnehmen – die „Aschenbrödel“-Teilkonvolut-Bezeichnung „R.S.“.


skizzenbuch-1896-1899


In der „Aschenbrödel“-Mappe befindet sich das aus den Seiten „RS 31″ bis RS 99″ („Aschenbrödel“-Mappe „154″ bis „197″) bestehende Teilkonvout „RS“.


Bemerkenswert ist, dass dieses Skizzenbuch MH 12236 und die „Aschenbrödel“-Skizzen des ursprünglich zusammengehörenden „Aschenbrödel“-Teilkonvoluts „DW“ pag. 1-4 (Wienbibliothek MH 16150/c) und „DW“ pag. 5-12 (Wienbibliothek MH 15514/c) im Katalog der großen Wiener Johann Strauss-Ausstellung 1999 (100. Wiederkehr des Todestages) in Abteilung V des „Ausstellungsverzeichnis“ zum 1867 uraufgeführten Walzer „AN DER SCHÖNEN BLAUEN DONAU“ DER ERSTE „SCHLAGER“ DER WELT“ aufgeführt sind:

Der untere Teil dieser „Aschenbrödel“-Partiturskizze „DW 9″ aus MH 15514/c ist im Katalog allerdings unrichtigerweise sogar als „An der schönen blauen Donau op. 314, Melodie-Zitat in Skizzen“ beschrieben.

komplette Seite „DW 9″


katalog-strauss-ausstellung-1999-titel

Die einzigen Autographen zum „Donauwalzer“ – doppelseitig beschriebenes Blatt Chorstimme Walzer 5 und zwei doppelseitig beschriebene Blätter Chor-Begleitungs-Klavierstimme (beide im Besitz des „Wiener Männergesangverein“) – sind im Katalog unter „Donauwalzer“ hingegen nicht genannt.

Katalog „AN DER SCHÖNEN BLAUEN DONAU“ DER ERSTE „SCHLAGER“ DER WELT“ V/3 Skizzen ca. 1899 ff („Göttin der Vernunft“, „Aschenbrödel“, „An der schönen blauen Donau“) Johann Strauß Autograph:

katalog-strauss-ausstellung-1999-quellen-donauwalzer


Der in Österreich ab Sommer 2010 größere Aufregung verursachende „Aschenbrödel“-Diebstahlsfall war durch die Coburger „Neue Presse“ am 10. Juni 2010 an die deutsche und österreichische Öffentlichkeit gelangt und wird – nach Einstellung der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in Köln und Wien Ende 2010 – nun durch die Coburger „Aschenbrödel“-Produktion 2016 und die vom ORF am 9. Januar 2015 angekündigte CD„Weltersteinspielung“ der angeblichen „Aschenbrödel-Urfassung“ [!] durch das „ORF Radio-Symphonieorchester Wien“ unter dem österreichischen Dirigenten und laut ORF „Strauss-Spezialisten“ Ernst Theis wiederum thematisiert.

So erfährt der ungelöste „Kriminalfall im Dreivierteltakt“ wohl stattdessen zumindest eine musikalische Aufklärung.

Ernst Theis kündigt das Erscheinen auf seiner Website (unter „Neues vom Tonträgermarkt – >Der unbekannte Johann Strauss<") für 2016 an (Label CPO).

Der ORF schreibt auch über die veruntreuten und in der Wienbibliothek verlegten „Aschenbrödel“-Autographe.

Die Musik zum abendfüllenden Ballett >Aschenbrödel< ist so etwas wie der Schwanengesang des Johann Strauß. Er konnte die Partitur selbst nur zum Teil vollenden. Aus dem umfangreichen Skizzenmaterial hatte der versierte Ballettkomponist Josef Bayer eine aufführbare Fassung erstellt. Mittlerweile ist viel neues Quellenmaterial aufgetaucht. Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien hat unter Berücksichtigung aller Quellen dieses Werk eingespielt."

Berücksichtigt“ wurden die „aufgetauchten“ Autographen bei dieser Einspielung allerdings nicht, sondern die 2002 im Rahmen der wissenschaftskritischen „Neuen Johann Strauss Gesamtausgabe“ erschienene – in der Zwischenzeit nicht noch einmal überarbeitete – „Aschenbrödel-Urfassungs“-Partitur eingespielt.

Die „Aschenbrödel“-Schallplatten-Weltersteinspielung durch das „National Philharmonia Orchestra“ (London) unter dem australischen Dirigenten Richard Bonynge erschien 1980 bei Decca. Es handelte sich hierbei – im Unterschied zur ORF-Aufnahme von 2014 – um die von Josef Bayer erstellte Uraufführungsfassung (2. Mai 1901 Königliches Opernhaus Berlin).


aschenbroedel-decca


Die „Wiener Staatsoper“ brachte die Uraufführungsfassung in der Choreographie von Renato Zanella im Strauss-Jubiläumsjahr (100. Wiederkehr des Todestages) am 22. Dezember 1999 heraus. Der DVD-Mitschnitt dieser Produktion (Ausschnitte youtube) erschien 2007 bei Euroarts. Wenige Tage danach erhielt die „Landesbibliothek Coburg“ per Post die ersten veruntreuten übrigens nicht inventarisierten [!] Autographe.


Neue Presse“ Coburg 10. Juni 2010 „Kriminalfall im Dreivierteltakt“

Kriminalfall im Dreivierteltakt aus Titel und großer Text


2016 – nach sechs Jahren – erfolgreiche Aufführung (inklusive) dieses einzigen [!] tatsächlich von Strauss für einen vom Libretto bestimmten Abschnitt komponierten Aschenbrödel-Fragments im Unterschied zum ORF 2014 nun tatsächlich unter Berücksichtigung der wieder aufgetauchten Autographe:

23. April 2016 auch die Veruntreuung nennender fünfminütiger „Aschenbrödel“-Werbefilm von nectv MEDIA Neustadt eingestellt bei REGIONCOBURG.TV:

Märchenhaftes Tanztheater – Das Landestheater erweckt das einzige, nur fragmentarisch hinterlassene Märchenballett des [Coburger Bürgers] Johann Strauß wieder zum Leben. Das Coburger >Aschenbrödel< tanzt zu wundervoller Musik.“

Ab Min. 1:34 und dann wieder ab Min. 3:00 dieses Werbefilms allerdings unkorrekter Bericht über das Auftauchen der vor 1994 aus der „Wiener Stadt- und Landesbibliothek“ (2006 umbenannt in „Wienbibliothek im Rathaus“) veruntreuten Autographe in Coburg.


Mein Artikel im Coburger Programmheft – zum Vergrößern auf die Bilder klicken:

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Landestheater Coburg Programmheft „Aschenbrödel


Die von der Wiener Stadtbibliothek nicht inventarisierte [!]Aschenbrödel“-Mappe der 1939 beschlagnahmten/öffentlich abgenötigten „Sammlung Strauss-Meyszner“, in welcher sich die in Coburg aufgetauchten Skizzen in der Wiener Stadtbibliothek seit 1939 befunden hatten, umfasste laut der im November 1948 von der Wiener Stadtbibliothek erstellten Bestandsliste der „Sammlung Strauss-Meyszner“ 611 Seiten Skizzen zu „Aschenbrödel“.

Strauss notierte seine Entwürfe also nicht nur, wie im „Aschenbrödel“-Werbefilm behauptet, auf den in Coburg aufgetauchten 101 Seiten.

2007 wurden der „Landesbibliothek Coburg“ nicht 40 Seiten angeboten“ [!], sondern diese postalisch letztlich anonym [!] unentgeltlich [!] zur weiteren Verfügung überlassen. Durch die im Begleitschreiben aufgeworfene Frage, ob es sich tatsächlich um Strauss-Autographe handle, war dadurch vom Absender vorbestimmt, dass sich die Landesbibliothek Coburg, an der man – was der mutmaßliche Veruntreuer wusste – die Strauss-Autographenfrage nicht klären/beantworten kann, an die „Wienbibliothek im Rathaus“ mit ihren Strauss-Spezialisten wenden würde.

So geschah es dann auch.

Hierdurch wurde die Wienbibliothek aus heiterem Himmel mit ihrer Vertuschung der Veruntreuung und des Fehlbestands der 2001 an die Erben nach Alice Meyszner restitutierten 1939 abgenötigten jüdischen Sammlung konfrontiert.

Die laut der Replik von Wienbibliotheks-Direktorin Dr. Sylvia Mattl-Wurm zum im Juli 2010 in der „Österreichischen Musikzeitschrift“ erschienenen Artikel des inzwischen verantwortlichen ÖMZ-Herausgebers Frieder Reininghaus: „Johann Strauss aus Irrfahrt Bestände aus dem Tresor der Wienbibliothek in Köln aufgetaucht“ bereits 1994 [!] mit 480 Seiten gezählte „Aschenbrödel“-Mappe der Sammlung Strauss-Meyszner ist im am 21. November 2001 vom Wiener Gemeinderat einstimmig angenommenen und 2002 im Druck erschienenen Wiener Restitutionsbericht 1999-2001 in der auf den Seiten 143-146 abgedruckten – mit den jeweiligen Inventarnummern versehenen – Liste der am 9. Mai 2001 von der Wiener Stadt- und Landesbibliothek an die Erben nach Alice Meyszner restituierten Strauss-Musik-Autographe nicht [!] aufgeführt.

Warum?

Am 6. Januar 2010 [!] erzählte mir Strauss-Familiensprecher Dr. Eduard Strauss im Anschluss an das von ihm moderierte „Coburger Neujahrskonzert“ beim gemeinsamen Mittagessen der „Deutschen Johann Strauss Gesellschaft“, dass man laut Wienbibliotheksmitarbeiter Prof. Norbert Rubey die in der Wienbibliothek verlegte „Aschenbrödel“-Mappe inzwischen wiedergefunden habe.

Auf meine Frage, wie die Wienbibliothek in der Diebstahlsangenheit nun weiter vorgehen wolle, da man dort ja inzwischen den Dateninhalt der mir 2008 angebotenen veruntreuten Autographe durch die der Bibliothek von mir Anfang Dezember 2009 geschickten mir Ende November aus Klagenfurt per Post übermittelten Fotokopien sämtlicher angebotener Handschriften erhalten habe, antwortete mir Dr. Strauss, dass Musiksammlungsleiter Dr. Thomas Aigner und Rubey vorhätten, zum ihnen aus Wien – vom Internationalen Franz Schubert-Institut Wien (IFSI) – bekannten in Norddeutschland lebenden Anbieter zu reisen, an dessen Haustür zu klingeln und ihn mit der Angelegenheit zu konfrontieren. Hierauf und speziell auf Dr. Aigner nahm auch die Überschrift des am 17. Juli 2010 im österreichischen Magazin „Profil“ erschienener Artikel „Mister Marple: Aus der Wienbibliothek sind wertvolle, in der NS-Zeit den Besitzern abgepresste Strauss-Handschriften verschwunden und jetzt am Markt aufgetaucht. Anzeige wurde nie erstattet“ Bezug und nannte die geplante Reise nach Norddeutschland.

Am Abend des Coburger Konzerttages (6. Januar 2010) übergab ich Dr. Strauss für Norbert Rubey einen kompletten Satz Fotokopien der Autographe, da bei den von mir Anfang Dezember nach Wien geschickten Kopien angeblich einige Seiten gefehlt hätten und andere dafür doppelt gewesen wären.


Im Frühsommer 2007 hatte mich der 2011 kurz vor seinem 93. Geburtstag verstorbene Coburg/Neustadter Lehrer, jahrzehntelange Coburger Musikkritiker, Musikhistoriker und Orchesterleiter Rudolf Potyra angerufen. Potyra betreute auch die bedeutenden Musikalien der Landesbibliothek. 1995 war der von ihm herausgegebene zweibändige Katalog der in der LB Coburg verwahrten Coburger Theatermusikalien bei Henle erschienen.

Potyra:

„Herr Braun,

Ich brauche Ihre Hilfe. Es ist etwas ganz Merkwürdiges geschehen. Die Landesbibliothek hat eine Sendung mit handgeschriebenen Notenblättern von einem >Prof. Müller< erhalten. Auf dem beiliegenden Schreiben teilt >Prof. Müller< mit, dass er diese Notenschriften auf einem Flohmarkt in einem deutschen Badeort, in dem er sich zur Kur aufhielt, erworben habe. Da auf mehreren dieser Blätter der Stempel >Nachlass Johann Strauss< angebracht sei, könne es sein, dass es sich tatsächlich um Strauss-Handschriften handle. Prof. Müller sei an Musik nicht interessiert und habe daher überlegt, wo diese Blätter am besten verwahrt wären. Wegen der historischen Verbindung von Strauss mit Coburg, sei er zu der Ansicht gelangt, dass die Landesbibliothek der richtige Ort sei. Er würde daher die Handschriften der Bibliothek überlassen. >Prof. Müller< habe in seinem Schreiben keine Kontaktmöglichkeit angegeben."

Ich fragte Herrn Potyra nach besonderen Merkmalen der Blätter. Er nannte mir Textzeilen – wohl für Operetten. Auf meine Frage nach Rollennamen nannte er Grete. Darauf antwortete ich, dass es sich eigentlich nur um Aschenbrödel oder den zum 25-jährigen Jubiläum der Errichtung des Gebäudes der Gesellschaft der Musikfreunde Wien komponierten Walzer Klug Gretelein op. 462 handeln könne.

Wir verabredeten einen Termin in der Landesbibliothek. Dort zeigte mir Potyra in Gegenwart des stellevertretenden Bibliotheksleiters Rudi Mechthold die Hanschriften. Da die Landesbibliothek die unter der Patronanz der Wiener Philharmoniker seit 1995 entstehende wissenschaftliche Neue Johann Strauss Gesamtausgabe subskribiert hat, ist die Bibliothek auch im Besitz der 2002 in diesem Rahmen erschienenen wissenschaftskritischen „Aschenbrödel“-Partitur. Anhand mehrerer Abbildungen in dieser konnte ich die Blätter als autographe Skizzen zu „Aschenbrödel“ identifizieren.

Überrascht war ich, als ich im Revisionsbericht der Partitur las:

„Der Strauss’sche Nachlaß zu >Aschenbrödel< muß als verschollen gelten. Erhalten sind lediglich eine Seite (A1) in Ablichtung …“.

Ich ging daraufhin davon aus, dass Adele Strauss die ihr von ihrem Mann hinterlassenen autographen „Aschenbrödel“-Skizzen nach der Vollendung des Balletts durch Josef Bayer von diesem nicht zurückerhalten hatte und Teile dieser Autographe jetzt wieder aufgtaucht seien.

Ich bat Herrn Potyra um einen Satz Kopien, um im Vergleich mit der 2002er Partitur abzuklären, ob sich eine Überarbeitung dieser empfehlen würde. Herr Mechthold berichtete, dass die Bibliothek einen „Prof. Heinrich Müller“ nicht habe ausfindig machen können und dieser auch keinerlei Fragen bezüglich Echtheit und Preis im Falle eines Ankaufs in seinem Schreiben aufgeworfen habe. Herr Potyra übergab mir kurz darauf die erbetenen Kopien.


Coburg Aschenbrödel Schwestern


Coburger Tageblatt“ 18. April 2016:

CT Skizzen uraufgeführt


Der Beweis, dass Strauss nur so wenig Musik für einen vom Libretto bestimmten Abschnitt komponiert hatte – erbracht durch den 2010 vom Kölner Auktionshaus „Venator & Hanstein“ angebotenen „Partiturentwurf zum 1. Akt des Balletts Aschenbrödel mit Paginierung 67 – 100, welcher dem damaligen Leiter des Coburger Kulturbüros, Albrecht Tauer, und mir – als damaligem Leiter der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft – bereits 2008 vom Einlieferer angeboten worden war, ohne dass der Anbieter den Werktitel nannte:

Aschenbrödel“ – „An der schönen blauen Donau“ für Drehorgel [!] und Orchester


27. Februar 2008:

Mail Bodendorff an Tauer aus ohne Namen ohne Jahr


Der im Herausgeben wissenschaftlicher Notenausgaben (Franz Schubert) und daher auch im Umgang mit Musikautographen erfahrene Anbieter/Musikwissenschaftler hätte erkennen können, dass das auf den von Johann Strauss handschriftlich mit 69″ bis „77″ paginierten von ihm auf diesen „in einer Partitur großzügig angelegten Thema des Donauwalzers in eine andere Komposition einfließen sollte“ und es sich nicht „um eine Frühfassung des Donauwalzers“ (1867) handelt, da sich die Seiten 69″ bis „77″ in die von Strauss mit 67″ bis „100“ paginierten Seiten lückenlos einreihen. Einer der ersten Schritte beim Erarbeiten der Ausgabe einer Komposition ist das Erstellen der Seitenabfolge der Autographe, möglichst anhand einer vom Komponisten an diesen angebrachten Paginierung. Demnach hätte sich diese Frage dieses Musikwissenschaftlers für ihn nicht stellen dürfen. Dass Strauss erwogen haben könnte, bereits [!] für den 1867 uraufgeführten Walzer An der schönen blauen Donau eine Drehorgel einzusetzen – wie auf jeder der Seiten „69″ bis „77″ notiert -, kann ausgeschlossen werden.


Strauss pag. 72″ – eine der mir 2008 von diesem deutschen Musikwissenschaftler und engstem wissenschaftlichen Mitarbeiter des mutmaßlichen Veruntreuers angebotenen Partiturskizzen der mit diesem Angebot erstmals öffentlich aufgetauchten und am 16. April 2016 am Landestheater Coburg uraufgeführten Strauss’schen Donauwalzer-Bearbeitung für Aschenbrödel:


72


Kunstmarkt“:Losnummer 968: Strauss, Johann (Sohn), … Sammlung von e. Musikmanuskripten mit Entwürfen für Orchesterwerke und Operetten. … 61 mit Bleistift beschriebene Seiten auf 32 Bl.

Das Kölner Auktionshaus „Venator & Hanstein“ widersprach sich innerhalb seiner eigenen [?] Objektbeschreibung:

Bis zu seinem Tod hatte er den ersten und die Hälfte des dritten Akts orchestriert.“


Auf den im Auktionskatalog als „Partiturentwurf zum ersten Akt des Balletts Aschenbrödel“ beschriebenen autographen Seiten 67″ bis „100″ scheint weder der Werktitel „Aschenbrödel“ noch der Name „Johann Strauss“ auf.

Die auf diesen Seiten notierte Musik ist mit Ausnahme des Beginns des Anfangs von Walzer I des „Donauwalzers“ unbekannt und niemals gedruckt worden.


Die „Kronen-Zeitung“ berichtete am 3. Februar 2011 über die Präsentation der Anfang 2011 aus dem Kölner Auktionshaus nach Wien zurückgeholten angeblich „33 [!] Seiten“ Aschenbrödel-Skizzen durch den Leiter der Musiksammlung der Wienbibliothek, Dr. Thomas Aigner:


Stolz präsentiert Thomas Aigner, Leiter der Musiksammlung Wien, jene 33 handgeschriebenen Seiten, die jüngst für so großes Aufsehen sorgten.“


Die „Krone“-Redakteurin Brigitte Blabsreiter wird die vorgestellten zurückgeholten Autographe nicht abgezählt haben. Vielmehr wird wohl Dr. Aigner die Zahl 33 genannt haben.


Da es sich bei den aus Köln zurückgeholten Seiten aber nicht nur um einen Teil – „33 Seiten“ – handelte, darf angenommen werden, dass die Krone (Frau Blabsreiter) nicht Seiten [!] sondern Blätter [!] gemeint hatte.

33 überträfe [!] aber die von „Venator & Hanstein“ angebotene Anzahl der Blätter: 32


Die wahrscheinlich zutreffende Erklärung bezüglich einer Vemehrung der von Venator & Hanstein an die Stadt Wien ausgehändigten 32 Blätter – auf 33 [!]:

Das zweiseitig beschriebene Blatt 1 [erkennbar an den gemeinsamen Risslinien] des „Aschenbrödel“-Teilkonvolut mit der zweibuchstabigen Kennung „FC“ (Seite „FC [rote Tinte] 1″ und „FC [rote Tinte] 2″) und den von Strauss angebrachten Paginierungen 65″ [wohl beschnitten s. rechts oben] und 66 a“ war der Landesbibliothek Coburg 2007 überlassen worden.


65 geraade r

66 Kopie


Die mir angebotenen von Strauss mit 67″ bis „100″ paginierten Seiten tragen ebenfalls die Teilkonvolutkennung „FC“ und auf dieses bezogene zweite Paginierungen (von unbekannter Hand in roter Tinte ) „FC [rote Tinte] 3“ bis „FC [rote Tinte] 28″.


„FC 3″ [rote Tinte] Strauss „67″

67 gerade r


Venator & Hanstein“ hatte im Katalog die Seiten „68″ „FC [rote Tinte] 4″ und „69″ „FC [rote Tinte] 5″ abgebildet und nannte beide Paginierungen:

Enthält einen Partiturentwurf zum 1. Akt des Balletts Aschenbrödel. Mit Paginierung 67-100. … Von fremder Hand in roter Tinte die Paginierung 3-28.“


Mir wurden 2008 und 2009 die 2010 bei „Venator & Hanstein“ beschlagnahmten von Strauss beschriebenen 61 [!] Seiten auf 32 [!] Blättern und nicht 66 [!] Seiten [!] auf x [33 ?] Blättern angeboten.


Mail 19. November 2009 – inzwischen wusste der bezüglich Johann Strauss unkundige Anbieter und Musikwissenschaftler, dass Strauss den „Donauwalzer“ mit „Drehorgel in einem Ballett verwendete“. Angeblich habe Strauss das „bekannte Thema in diesem Ballett nochmals in den Mittelpunkt stellen“ wollen. Den Titel des Werkes nannte der Musikwissenschaftler – eineinhalb Monate bevor er die Autographe in Köln bei „Venator & Hanstein“ einreichte – nicht. Außerdem sollte es sich um die „letzten handschriftlichen Äußerungen von Strauss“ handeln.

Eineinhalb Stunden nach Erhalt des ersten Mails (16:10) traf um 17:48 ein zweites mit deutlicher Preiserhöhung ein:

16:10:

Aschenbrödel Seiten Blätter Angebot 2009


17:48: Preis wird um 7000,- Euro erhöht:

Ein leidiges Übermittlungs- und Verständigungsproblem aus Österreich hat den Preis zu sehr in die Tiefe gezogen.“

Bodendorff Übermittlungsproblem Tiefe


Wienbiblitoheks-Direktorin Dr. Mattl-Wurm nennt in ihrer Replik zu „Johann Strauss auf Irrfahrt“ – unrichtigerweise – mir angebotene 66 [!] Seiten und schreibt unzutreffenderweise von einem fehlenden [!] inneren Zusammenhang“ des 2007 in der LB Coburg eingetroffenen und mir 2008 angebotenen „Materials“. Es handelte sich in beiden Fällen aber um „Aschenbrödel“-Autographe.


66 [!] beschriebene Seiten geteilt durch 2 würde 33 [!] Blätter machen.


Dr. Mattl-Wurm:

„2007 [23. März] wurden der Landesbibliothek Coburg von einer Person mit dem offenbar fingierten Namen >Prof. Heinrich Müller< Strauss-Skizzen im Umfang von 42 Seiten ohne Auflagen zur weiteren Verfügung zugesandt. Die Wienbibliothek, von den Coburger Kollegen informiert, konnte den Nachweis erbringen [am 30. Juni 2009], dass es sich um Material aus ihrem Besitz handelt, und erhielt die Blätter ausgefolgt. 2008 wurde Ralph Braun, dem Vorsitzenden der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft, ein anderes, 66 Seiten umfassendes Konvolut von Strauss-Skizzen angeboten. Auch er informierte die Wienbibliothek, die wiederum unverzüglich zu ermitteln begann, ob bei besagten Manuskripten ein Eigentumsanspruch besteht. Die Nachforschungen, die sich wegen des fehlenden inneren Zusammenhang des Materials außerordentlich zeitaufwendig gestalteten, waren so gut wie abgeschlossen, als als der Verkäufer die Noten plötzlich zur Auktion in Köln einbrachte und sich Polizei und Denkmalamt einschalteten."


Am 17. April 2016 geht die Krone (Frau Blabsreiter/inzwischen Quint und Matthias Lassnig) unrichtigerweise immer noch von 33 [!] handgeschriebenen Seiten“ [!] und nicht von 61 [!]beschriebenen Seiten [!] auf 32 [!] Blättern [!] aus:

Krone Aschenbrödel 18 April 2016 2


Die Coburger „Aschenbrödel“-Produktion beginnt mit dem so von Strauss nicht komponierten – in Bayers Vollendung von 1899 und seiner Uraufführungsfassung 1901 überlieferten – Vorspiel. Dem folgt die von Strauss für einen vom Libretto bestimmten Abschnitt komponierte in der von ihm autorisierten „unvollständigen Partiturreinschrift von unbekannter Hand mit Bleistifteintragungen von Johann Strauss“ MHc 21347 nachgewiesene Musik – Anfang 1. Akt bis Marsch (498 Takte) – und dann der musikalisch daran anschließende größte Rest der Uraufführungsfassung.

Das Publikum erlebt so die originale „Aschenbrödel“-Ballettmusik und kann darüber hinaus auch den größten Teil von Bayers Uraufführungsfassung erleben, ohne die Strauss’ begonnenes „Aschenbrödel“ nicht auf die Bühne gekommen wäre.


Coburger Tageblatt“ 18. April 2016:

CT Aschenbrödel 1 oben


MHc 21347 Seite 1 unvollständige „Aschenbrödel“-Partiturreinschrift von unbekannter Hand mit Bleistifteintragungen von Strauss – am unteren Seitenrand Johann Strauss: Nähmaschinen arbeiten“

Aschenbrödel Reinschrift 1 aus


Die auf den Seiten 31″ bis „94″ dieser 94-seitigen Reinschrift von unbekannter Hand notierte Musik ist durch die in der Aschenbrödel-Mappe vorhandenen hiermit übereinstimmenden von Strauss handschriftlich mit 22a“ bis 61″ („Aschenbrödel“-Mappe „400″ bis „443″) paginierten Partiturskizzen als Strauss komponiert belegt.

In Takt 6 – der folgenden Seite „31″ der Partiturreinschrfift – über der Stimme der 1. Violine handschriftliche Bleistift-Korrektur des Melodieverlaufs wohl durch Bayer, da diese veränderte Tonfolge dann im Bayerschen Klavierauszug und 2002 in der „Rekonstruktion der Urfassung Aschenbrödel 1899″ von Prof. Rot aufscheint.

In der Coburger Aufführung erklingt die originale Tonfolge.


Seite 31 aus


Siehe zum Vergleich auch den originalen Takt 6 der autographen Partiturskizze „22 a“

Strauss Aschenbrödel 22a

Die handschriftlichen Librettoeintragungen von Strauss auf den Seiten 1″ bis „21″ der unvollständigen Partiturreinschrift von unbekannter Hand belegen, dass Strauss diese zu Lebzeiten vorgelegen hat.

Diese Partiturreinschrift kann daher als von Strauss autorisiert angesehen werden.

Letzte Seite der „Unvollständigen Partiturreinschrift“: „94″

Reinschrift 94 letzte Seite

Diese stimmt musikalisch überein mit den letzten vier Takten der von Strauss mit 61″ paginierten Partiturskizze („Aschenbrödel“-Mappe „443″)

Skizze Strauss Aschenbrödel 61


Der mit den letzten vier Takten auf Seite 94″ der Partiturreinschfrift identischen von Strauss mit „61“ paginierten Partiturskizze schließen sich die in Coburg 2007 und 2008 aufgetauchten Partiturskizzen von Strauss mit 65″ bis „100″ paginierten Seiten an.

Die auf diesen Seiten von Strauss notierte Musik ist – bis auf den Anfangsteil von Walzer 1 des „Donauwalzers“ (von Strauss notiert auf den von ihm paginierten Seiten „69“ bis „77″) – unbekannt und scheint in der Bayerschen Vollendung 1899 nicht auf.

Nur bis Takt 91 der „Unvollständigen Partiturreinschrift von unbekannter Hand mit handschriftlichen Eintragungen von Johann Strauss“ MHc 21347 – Anfang des 1. Akts – ist diese identisch mit der Vollendung Bayers und mit der 2002 erschienenen von Prof. Michael Rot für die wissenschaftliche „Strauss Edition Wien“ erarbeiteten Rekonstruktion der Urfassung Aschenbrödel 1899″.

Ab Takt 92 dieser „Partiturreinschrift“ weicht diese von Bayers Vollendung und Prof. Rots „Urfassungs-Rekonstruktion“ deutlich ab – enthält darüber hinaus dann auch von Bayer und Prof. Rot nicht verwendete von Strauss aber für diesen vom Libretto bestimmten Abschnitt komponierte bis heute unbekannte Musik.


Die „Strauss Edition Wien“ teilte auf ihrer 2014 aus dem Netz genommenen Website bezüglich der zwei „Aschenbrödel“-Fassungen von 1899/2002 und 1901 mit:

Als eigenständige Fassung gilt:

a) jede Veränderung des formalen Ablaufes (gestrichene, eingefügte, ersetzte Takte)

b) erhebliche Veränderungen der Instrumentation, Melodik oder Harmonik“

Somit erfüllt die schon allein vom Ablauf abweichende „Unvollständige Partiturreinschrift von unbekannter Hand“ die von der „Strauss Edition Wien“ aufgestellte Bedingungen für eine „eigenständige Fassung“ gegenüber Prof. Rots „Rekonstruktion der Urfassung >Aschenbrödel<".


Wenn es zuträfe, dass Strauss den angeblich nahezu vollendeten orchestrierten ersten Akt in einer Partitur hinterlassen und Bayer infolge des angeblichen Vertrags mit Adele Strauss eine solche Partitur deshalb 1:1 abgeschrieben habe, müsste die Musikabfolge des 1. Akts in den erhaltenen Quellen aufscheinen. Dies ist aber nicht der Fall:

Im Bayerschen Klavierauszug folgt nach der von Bayer direkt nach dem – in der „Unvollständigen Partiturreinschrift“ notierten „Marsch“ des 1. Akts – ab Takt 499 abgetrennten „Andantino“ – und erst nach [!] der durch die von Strauss auf den von ihm paginierten Partiturskizzen zum 1. Akt „67″ bis „100″ bedingten musikalischen Lücke der Bayer-Vollendung – das vom Strauss’schen Entwurf abgetrennte „Andantino“ schließlich ab Takt 472. Darauf folgen ab Takt 529 der von Bayer aus Strauss’schen Motiven zusammengestückelte Byzantinische Tanz“und der ebenfalls zusammengestückelte Egyptische Sklavinnentanz“, dann eine von Bayer eingefügte Instrumentalsfassung des von Strauss 1895 als Alternativversion des „Fledermaus“-Csardas „Klänge der Heimat“ für die Mezzosopranistin Marie Renard anlässlich einer „Fledermaus“-Aufführung in der Wiener Hofoper komponierten, aber von ihr dort nicht gesungenen „Neuen Csardas“. Dem folgen weitere größtenteils von Bayer aus Strauss’schen Motiven- und Instrumentationsentwürfen zusammengesetzte/gestückelte Tänze.

Betrachtet man außerdem, dass Strauss, wie zwei Tage nach seinem Tod (3. Juni 1899), am 5. Juni, im „Wiener Tagblatt“ berichtet, bis zu seinem Tod bezüglich der Einteilung der Tänze wohl noch nichts entschieden hatte, ist die Behauptung, dass Strauss den ersten Akt nahezu vollendet orchestriert hinterlassen hat, hiermit widerlegt.


Wiener Tagblatt“ 5. Juni 1899 – zwei Tage nach Strauss‘ Tod:

„Von einer bereits erfolgten Fertigstellung des ersten Aktes konnte in Folge dessen noch keine Rede sein und Meister Strauß erwähnte auch wiederholt, dass er nicht bestimmen könne, ob das Ballett schon in der nächsten Saison zur Aufführung kommen werde.“


Tagblatt 5. Juni 1899 ohne Leisten dunkler

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