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“Kriminalfall im Dreivierteltakt” NP-Coburg

“Strauß-Noten in Köln sichergestellt” Der Standard Wien s.a. Leserkommentare

aktuell zum Autographendiebstahl aus der “Wienbibliothek im Rathaus”:

Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker stellten die vervollständigte unvollendete – nun viersätzige – 9. Sinfonie von Anton Bruckner in Berlin und New York vor – trotz groß angelegten Marketings nicht überzeugend? Die verschwundenen gestohlenen Finale-Manuskripte … teilweise ersetzt durch hypothetische Rekonstruktionen – reicht dies aus?

Vor wenigen Tagen, am 18. Mai, erschien die, wie auf der website von Sir Simon Rattle als Absolute Vollendung zum Berliner Zehnjährigen angekündigt, aus den drei Berliner Konzerten am 7., 8. u. 9. Februar 2012 von EMI erstellte CD der “komplettierten 9. Bruckner”.

EMI wirbt: Absolute Vollendung … Fazit: Rattles zweite Bruckner-Aufnahme mit den Berlinern sorgt für eine Sensation.

Bereits im Februar 2012 hatte Sir Simon Rattle erklärt:

… what a luck, what a joy for us, to be playing for the first time a whole new symphonic movement by Bruckner. … Everything that is strange about this finale is 100% Bruckner … once can see the terror and the fear and the passion which he was going through in his life at that time.

Lehnt sich Simon Rattle (in Anbetracht der fehlenden Bruckner 9 Finale-Manuskripte) damit zu früh und zu weit aus dem Fenster?

Diese CD der Berliner Philharmoniker mit der unter der Leitung von Sir Simon Rattle eingespielten “komplettierten 9. Bruckner” gehört entsprechend der mit ihr angestrebten weltweiten Verbreitung – wie aus dem folgenden ersichtlich – weltweit hinterfragt! Solches würde auch eine intensivere Beschäftigung/Auseinandersetzung mit dieser Finale-Fassung gewährleisten.

Es bestünde ein sehr wichtiger Unterschied zwischen Simon Rattles wohl nicht haltbarer Behauptung:

Everything that is strange about this finale is 100% Bruckner.

und wenn korrekterweise gesagt würde:

So könnte das Finale der 9. Sinfonie von Anton Bruckner gedacht/geplant gewesen sein.

Der Wahrheitsgehalt dieser Behauptung von Simon Rattle bestätigt sich natürlich nicht dadurch, dass Rattle sie proklamiert.

Der unkundige Leser des booklets und Hörer der CD wird sich aber kaum der Magie der Worte Rattles entziehen können und so wird sich mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit ein unrichtiges Bild in der Musikwelt etablieren.

Eindrucksvoller CD-Werbeclip mit Musikausschnitten und Worten Rattles

Hier treffen Goethes Worte aus seinem Tasso:

… und wenn sie auch die Absicht hat, den Freunden wohl zu tun,
So fühlt man Absicht, und man ist verstimmt.

Ausgerechnet der mutmaßliche Veruntreuer der Johann Strauss-Manuskripte – einer der kundigsten Musikautographen- und Johann Strauss-Handschriften-Spezialisten der Welt – hält Musikautographe trotz wissenschaftlicher Notenausgaben für unersätzlich wichtig, weil nur [!] Autographe den wirklichen Willen [!] eines Komponisten wiedergeben. Dr. Hilmar weiß darum wie kaum ein zweiter.

Die aus der Wienbibliothek vor 1994 veruntreuten Strauss-Autographe sind offensichtlich aufgrund ihrer vom Veruntreuer erkannten singulären Bedeutung ausgewählt worden. Sie ermöglichen nun nach ihrem Wiederauftauchen Auskünfte über ein seit 1900 bestehendes in weiten Teilen unrichtiges musikalisches Bild des wie die 9. Bruckner ebenfalls unvollendet hinterlassenen Johann Strauss-Balletts “Aschenbrödel”.

Sir Simon Rattles bewegende Worte (20 Min.) über das rekonstruierte Finale der 9. Sinfonie von Anton Bruckner anlässlich seiner Präsentation der “komplettierten” 9. Bruckner in der Berliner Philharmonie am 7., 8. und 9. Februar 2012– Digital Concert Hall – Video Specials

Am 23. Oktober 2011 hatte bereits eine Testaufführung der viersätzigen 9. Bruckner durch das Bundesjugendorchester unter Simon Rattle in der Berliner Philharmonie stattgefunden.

Gleichzeitig wurde dieses Konzert zum Anlass genommen, die Stiftung Bundesjugendorchester zu gründen. Hierdurch fiel das Hauptaugenmerk auf die Gründung der Stiftung und nicht auf die an diesem Abend in der Berliner Philharmonie unter Simon Rattle erstmals erklungene komplettierte Fassung der 9. Bruckner. Benjamin Cohrs hatte vor dem Konzert im Foyer der Philharmonie einen einführenden Vortrag gehalten, war aber nach seinen Worten mir gegenüber nicht zum Empfang anlässlich der Stiftungsgründung mit hochrangigen Gästen aus Wirtschaft, Politik und Kultur geladen. (nmz KIZ Deutscher Kulturrat 20.10.2011: Rattle konzertiert mit der deutschen U21: Bundesjugendorchester gründet Stiftung – Konzert in der Berliner Philharmonie)

Für das Bundesjugendorchester freut es mich sehr, gehöre ich doch mit zu den Gründungsmitgliedern (1969) und kann ich mich noch gut an ein wundervolles Konzert des BJO in der für mich damals legendären Berliner Philharmonie mit der 8. Symphonie von Anton Dvorak und anschließendem Empfang im Berliner Rathaus erinnern (1970). Es ist bis heute ein unvergessliches Erlebnis für mich. Dem folgte 1970 mein erstes Musizieren unter Herbert von Karajan in einem internationalen Jugendorchester, welches im Rahmen der ersten von der “Herbert von Karajan-Stiftung” veranstalteten “Internationalen Begegnung für Jugendorchester” (Berlin) zusammengestellt wurde. Bei diesem Jugendorchesterwettbewerb gewann das BJO – neben dem Kammerorchester des Tschaikowski-Konservatorium, welches Gewinner für seine Interpretation der Streicherserenade von Tschaikowski wurde – den Preis für die beste Interpretation eines zeitgenössischen Werkes. Karajan ist wohl der Vater der heute so beliebten internationalen Jugendorchester. 1972, bei der zweiten Jugendorchester-Begegnung in Berlin, wurde ich wieder für ein internationales Jugendorchester, welches unter Karajan musizierte, von einer bemerkenswert besetzten Probespiel-Jury (EMI-Chef Walter Legge, die Produktionsleiterein der Deutschen Grammophon Elsa Schiller, der Intendant der Berliner Philharmoniker Wolfgang Stresemann, der Komponist Karl Höller und der Dirigent Carl Melles) ausgewählt, diesmal als Stimmführer. Solist war David Oistrach. 1973 folgte für mich die Aufnahme in die von Karajan neugegründete “Orchesterakademie des Berliner Philharmonischen Orchester”, dessen 40jähriges Gründungsjubliäum im Dezember dieses Jahres mit einer Aufführung der 8. Sinfonie von Anton Bruckner, gespielt von einem aus ehemaligen Akademisten zusammengestellten Orchester unter der Leitung von Sir Simon Rattle gewürdigt werden soll. Karajan ist auch der Vater dieser nach anfänglichen Widerständen seitens der Berliner Philharmoniker inzwischen bei den Philharmonikern fest etablierten Institution dieser höchstwertigen Ausbildung für Orchestermusiker. Möge man Herbert von Karajan im Dezember 2012 auch den ihm gebührenden Platz bei der Würdigung dieses Jubiläums dankbar einräumen. Ich durfte die drei Anfangsjahre der Orchesterakademie durch Mitwirkung in vielen Konzerten der Berliner Philharmoniker auch unter Herbert von Karajan miterleben. Mein Weg als Sohn eines Musikwissenschaftlers führte mich auch in Anbetracht des im professionellen Musikfeld bis heute Erlebten neben meiner beruflichen Tätigkeit als Cellist zunehmend zu musikphilosophischen Betrachtungen.

Benjamin Gunnar Cohrs, Mitglied des vierköpfigen Vollenderteams des rekonstruierten Bruckner 9 Finales, hatte die Voreinstudierung für die Bruckner 9-Testaufführung des Bundesjugendorchesters übernommen. (Interview mit Cohrs über die gemeinsame Arbeit)

Cohrs “ist überzeugt“, dass fehlende Bruckner 9-Finale-Manuskripte im Besitz von Univ.-Doz. Dr. Ernst Hilmar, dem ehemaligen Leiter der Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus, sind.

Cohrs hat große Angst vor der Vernichtung dieser Manuskripte.

Dies belegt eine Mail vom Juni 2010 von Cohrs an mich nach Beginn der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wien gegen Dr. Hilmar und meiner Anzeige gegen den deutschen Musikwissenschaftler Dr. Werner Bodendorff bei der Staatsanwaltschaft Köln (15. Juni 2010).

In meinem über das Angebot der veruntreuten Strauss-Autographe an mich informierenden Schreiben an Wienbibliotheks-Direktorin (Historikerin) Dr. Sylvia Mattl-Wurm vom 15. Juni 2010 mit Kopie an die Staatsanwaltschaften Köln und Wien sowie an Wiens Bürgermeister Dr. Michael Häupl hatte ich auch Benjamin Gunnar Cohrs und die Absage der geplanten Aufführung der viersätzigen 9. Bruckner in einem Symphoniekonzert des Landestheaters Coburg im November 2009 (Absage: Bruckner hasst die ersten Geigen Coburger Tageblatt 14.15. November 2009) sowie Cohrs’ Überzeugung bezüglich der fehlenden Bruckner Finale-Manuskripte genannt. Von Benkamin Cohrs hatte ich erfahren, dass der Fall Hilmar seit vielen Jahren in Insiderkreisen bekannt ist.

Cohrs mailte ich dieses Schreiben zur Information. Darauf erhielt ich die erwähnte im weiteren Verlauf zitierte Mail.

2008 hatte mir Dr. Bodendorff für die von mir geleitete Deutsche Johann Strauss Gesellschaft 62 Seiten vor 1994 aus der Wiener Rathausbibliothek veruntreute nicht inventarisierte autographe Partiturskizzen zu Johann Strauss’ unvollendetem Ballett “Aschenbrödel” zum Kauf angeboten.

Nachdem kein Kaufvertrag zustande kam, lieferte Dr. Bodendorff diese Autographe Anfang 2010 beim Kölner Auktionshaus Venator & Hanstein zur Versteigerung ein.

Venator & Hanstein bot die Manuskripte für die Frühjahrsauktion 2010 (26. März) unter der Losnumer 968 für einen Ausrufpreis von 33.000 € an.

Anfang März 2010 wurden die Autographe auf einen bis heute unerklärlichen Hinweis des Bundeskriminalamtes von der Staatsanwaltschaft Köln beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft Wien wurde ebenfalls vom deutsche Bundeskriminalamt informiert.

Die Wiener Rathausbibliothek hatte in der Straussautographen-Diebstahlsangelegenheit niemals Anzeige erstattet!

Dr. Bodendorff war von 1994 bis 2004/2007 zusammen mit Dr. Hilmars damaliger neuer Lebenspartnerin, der jungen im Jahr 2000 promovierten Musikwissenschaftlerin Margret Jestremski (heute Universität Würzburg), einer der zwei Dr. Hilmar nach seiner Suspendierung (1994) einzig verbliebenen engen wissenschaftlichen Mitarbeiter.

Dr. Hilmar und (Dr.) Margret Jestremski gaben 1997 unter Mitwirkung von Dr. Bodendorff das Schubert-Lexikon und 2004 die erweiterte dann zweibändige Neuauflage Schubert-Enzyklopädie heraus.

Diese Lexika enthalten 100 z. T. ausführliche wissenschaftliche Artikel von Dr. Bodendorff. Hiervon wurden 20 gemeinsam von Dr. Bodendorff und Dr. Hilmar verfasst (u.a. der über Streichquartett). Dr. Bodendorff verfasste einige Artikel auch gemeinsam mit Margret Jestremski.

2003 erschien in Zusammenarbeit mit Dr. Bodendorff der von Dr. Hilmar im Rahmen der Neuausgabe der Schubert-Dokumente herausgegbene Teilband II, Kommentarband zu den gedruckten Quellen.

Im bemerkenswerten Vorwort hebt Dr. Hilmar die besonderen Verdienste Dr. Bodendorffs, durch die dieser Band erstellt werden konnte, hervor und schließt zugleich die Verantwortlichen des von Dr. Hilmar begründeten Internationalen Franz Schubert Institut (Wien) ausdrücklich vom Dank aus:

Mit Hilfe eines einzigen verläßlichen Mitarbeiters (Dr. Werner Bodendorff) konnte schließlich der Kommentar erstellt werden. Bedauerlicherweise gab es bei diesem Projekt keinerlei Unterstützung durch frühere präsidiale Mitglieder des Internationalen Franz Schubert Instituts (IFSI), was aber letztlich keinen Hinderungsgrund lieferte, den Band nicht in der Veröffentlichungsreihe des Instituts erscheinen zu lassen.

Die ehemals im IFSI Verantwortlichen sind vom Dank auszuklammern. [...]

Nachdem Benjamin Gunnar Cohrs von mir am 20. April 2010 von der Beschlagnahme der Strauss-Autographe und den begonnenen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Dr. Hilmar und Dr. Bodendorff erfahren hatte, suchte Cohrs den mit der Behandlung des Strauss-Autographendiebstahls betrauten Wienbibliotheksmitarbeiter Norbert Rubey in der Bibliothek auf, um diesen über seine Vermutung bezüglich der fehlenden Bruckner 9 Finale-Partiturbögen bei Dr. Hilmar zu informieren.

Da auch durch Cohrs Bericht über diesen Besuch im Mai 2010 immmer deutlicher wurde, dass man von Wiener Seite eine offene Klärung der Causa Hilmar und des Strauss-Autographendiebstahls nicht will, schrieb ich am 15. Juni an Dr. Mattl-Wurm, die Staatsanwaltschaften und Dr. Häupl.

Auf meine Information bezüglich dieses Schreibens mailte mir Cohrs am 17. Juni 2010:

Lieber Ralph,

Was hat die Coburger Absage damit zu tun?

In einem Telefonat am Tag der Coburger Absage hatte ich vom mir bis dahin nicht bekannten Gunnar Cohrs erfahren, dass der mir bereits durch den derzeitgen Leiter der Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus und Nachfolger Dr. Hilmars, Dr. Thomas Aigner, mir seit März 2008 bekannte seit 1994 vertuschte Hilmar-Fall in Insiderkreisen seit langem bekannt ist und man nur nichts unternimmt, da man Angst hat, dass Dr. Hilmar sonst die in seinem Besitz befindlichen Autographe vernichtet. In diesem Gespräch sagte mir Cohrs, dass er überzeugt sei, dass Dr. Hilmar fehlende Bruckner 9 Finale-Manuskripte hat.

Der wahre Grund, warum man der Fall Dr. Hilmar nicht offen geklärt wurde, wird in der unglaublichen Dimension der Malversationen Dr. Hilmars liegen.

Am Abend der ersten Veröffentlichung über den Strauss-Autographendiebstahl in Österreich (10./ 11. Juni 2010Kronen-Zeitung) erreichte mich folgende Mail des mir bis dahin nicht bekannten Musikwissenschaftlers Dr. Michael Lorenz, Wiener Schubert-Forscher im Umfeld Dr. Hilmars und von 2001 bis 2005 dessen Nachfolger als Leiter des dann aus finazielen Gründen aufgelösten IFSI:

Sehr geehrter Herr Braun!

Angesichts der nun aus dem Keller gestiegenen Wiener “Musiksammlungsleiche” bin ich der Überzeugung, dass man der Öffentlichkeit doch endlich erklären sollte, warum die Wienbibliothek den Diebstahl der Strauss-Autographen nie der Polizei gemeldet hat. Leider sind die hiesigen Journalisten nicht in der Lage, das wahre Ausmaß der Situation zu erfassen. Es geht mir nicht um die Entlarvung des Diebes (es ist ohnehin klar, um wen es sich handelt), es geht vielmehr darum, zu erklären, warum die Wienbibliothek NIEMALS Anzeige erstattet, wenn ihr etwas gestohlen wird (“Das ist ja für uns peinlicher als für den Dieb!” – so eine Aussage der Sammlungsleiterin [Dr. Mattl-Wurm] im Vorjahr) und auf die zahllosen anderen Bestände hinzuweisen, die während der 90er-Jahre auf dem selben Weg die Musiksammlung der Wiener Stadt- und Landesbibliothek verließen.

Cohrs weiter in seiner Mail an mich vom 17. Juni 2010:

Es geht um die Vermutung, daß Herr Hilmar Finale-Manuskripte hat. Im Übrigen finde ich Deine Aktion sehr unglücklich. Die WienBibliothek hatte doch ausdrücklich um allergrößte Diskretion und Stillschweigen gebeten! Ich verstehe Deine Aktion nicht.
Ben

Vorsichtshalber bitte ich Dich inständig: Über die Frage des Verbleibs der Finale-Manuskripte bitte KEIN WORT an die Presse!!!

Als ich mich Anfang Januar dieses Jahres bei Benjamin Cohrs nach dem Verlauf der Testaufführung vom Oktober erkundigte und ihm von der Einstellung des von mir in Österreich angestrebten Ermittlungsverfahrens gegen Dr. Hilmar wegen zweimaligen Verstoßes gegen die Ausfuhrbestimmungen des österreichischen Denkmalschutzgesetzes berichtete – Cohrs hatte in diesem Zusamenhang an den zuständigen Klagenfurter Staatsanwalt wegen der bei Dr. Hilmar von ihm vermuteten Bruckner Finale-Manuskripte geschrieben -, sagte mir Cohrs bezüglich der Einstellungen der Ermittlungsverfahren gegen Dr. Bodendorff und Dr. Hilmar:

Ich sehe nur noch den Weg, dass man die Russenmafia auf Hilmar ansetzt, er auf einen Stuhl gefesselt wird und mit den von den Russen bekannten Foltermethoden dazu gebracht wird, zu verraten, wo er die Manuskripte hat.

Dies vier Wochen vor den Konzerten in der Berliner Philharmonie und der Carnegier in New York Anfang und Ende Februar.

Ich kenne Benjamin Gunnar Cohrs als einen der Sache zutiefst verpflichteten, höchst sorgfältigen demütigen Forscher und leidenschaftlichen Musiker.

Wusste Sir Simon Rattle von Cohrs’ Überzeugung und Sorge?

So erreicht die seit 18 Jahren seitens des Wiener Rathauses vertuschte Veruntreuungs-Affäre um den Musikwissenschaftler und Bibliothekar Univ.-Doz. Dr. Ernst Hilmar nun auch Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker.

9. Februar Die Welt “Der geklaute Bruckner”

Die Kritik meldete zum Teil Zweifel an und war sich unsicher, spricht doch Simon Rattle von 100% Bruckner.

Reaktionen auf die Berliner Konzerte:
“Der Tagesspiegel” “rbb” “The Bruckner Journal” “Oper aktuell” “Konzertkritik Opernkritik Berlin”

New York Times (26.02.2012) Kritik Konzert Carnegie Hall:

Filling in a Movement Bruckner Left Behind [...] Yet it was hard to know what to make of this completed finale. [...] So for a Bruckner movement to be missing whole measures of connective materials is a terrible loss. Perhaps the finale seemed more disappointing coming after the orchestra’s magnificent performance of the three familiar movements.

Transparenz im Interesse der Musik! Bruckner – Schubert – Johann Strauss

Sollte/darf die Veruntreuungsaffäre der “Wienbibliothek”, welche 1994 mit der Suspendierung Dr. Hilmars nur internst “behandelt” wurde, unaufgearbeitet weiter vertuscht werden?

Nein! – weil eine Unwahrheit die andere zwingend nach sich zieht!

Die aus der Wienbibliothek zwischen 1975 und 1994 veruntreuten zahlreichen nicht inventarisierten autographen Skizzen zu Johann Strauss’ unvollendetem Ballett “Aschenbrödel” ziehen sich wie ein roter Faden durch die in dieser Abhandlung dargestellte sehr komplexe Thematik.

Diese Johann Strauss-Autographe stellen laut Wiener Musikwissenschaftler und Schubert-Forscher Dr. Michael Lorenz aber nur die “Spitze eines Eisbergs” dar.

“Verschenkte Wien Noten von Strauß als ‘Souvenirs’?”
Kronen Zeitung Wien Januar 2011 – Anders als in diesem Artikel dargestellt, ist der deutsche Musikwissenschaftler und Strauss-Forscher Prof. Norbert Linke infolge der Ende der 1980er Jahre erfolgten Auskunft des früheren Musiksammlungsleiters der Wiener Rathausbibliothek, Dr. Ernst Hilmar, der Meinung, dass derartige Autographen-Geschenke schon deutlich früher als in den 1980er Jahren erfolgt sein könnten. Betroffen sind die für die Forschung sehr wichtigen Skizzen von Johann Strauss:

Der 1994 suspendierte Dr. Ernst Hilmar habe bezüglich des in der Wienbibliothek verwahrten Johann Strauss-Skizzenbuch 1893/1894 “Jabuka” MHc 7828, aus welchem nach Schätzungen Linkes ca. 60 Blätter herausgetrennt wurden (s. Katalog-Anmerkung: “aus dem ursprünglichen umfangreicheren Band wurden viele Blätter herausgeschnitten”), Linke mitgeteilt, dass es immer wieder Fragen seitens des Wiener Rathauses gegeben habe, auf welche Johann Strauss-Autographe die Bibliothek verzichten könne, da das Rathaus Geschenke für hohe ausländische Staatsgäste suche.

Dr. Hilmar wies Prof. Linke außerdem darauf hin, dass dieses unpaginierte (!) Skizzenbuch hätte paginiert und jede Seite einzeln beschrieben werden müssen.

Dieser Hinweis zielte nach Ansicht Prof. Linkes auf Hilmars Vorgänger Prof. Dr. Fritz Racek! (Musiksammlungsleiter von 1945-1975)

Dieses Skizzenbuch wurde nach dem Gespräch mit Prof. Linke (in der Mitte des unteren Seitenrandes) handschriftlich paginiert. Die “nachträgliche” Paginierung ist in der Katalog-Anmerkung genannt: “46 nachträgl. pag S.”.

Die Arbeitsunterlagen Prof. Linkes aus den 1980er Jahren belegen, dass die Katalog-Anmerkung über die herausgeschnittenen Blätter bereits zur Zeit seiner Forschungen existierte.

Stammt die Katalog-Anmerkung über die herausgeschnittenen Blätter des Skizzenbuch 1893/1894 von Dr. Hilmar und hat er auch die “nachträgliche” Paginierung veranlasst bzw. selber vorgenommen?

Dr. Hilmar hätte so bereits in den 1980er Jahren oder früher einen Nachweis geschaffen, dass er bezüglich der Katalogisierung dieses Skizzenbuches Versäumnisse Prof. Raceks korrigiert hat.

Dr. Hilmar lenkt so auch das Augenmerk auf (eventuelle/angebliche) Strauss-Autographengeschenke der Stadt Wien an wichtige ausländische Staatsgäste.

Solche “Gastgeschenke” wären aus der in der Wienbiblothek verwahrten 1939 abgenötigten “Sammlung Strauss-Meyszner” oder der ebenfalls 1939 beschlagnahmten “Sammlung Strauss-Simon” ausgewählt worden.

Die Frage, inwieweit das Unrechtsbewusstsein Dr. Hilmars – falls tatsächlich Strauss-Autographe seitens der Stadt Wien verschenkt wurden – durch derartige Vorgänge beeinflusst wurde, sei hier dahingestellt.

Durch die Mitteilung Dr. Hilmars gegenüber Prof. Linke über die angeblichen Anfragen des Rathauses bezüglich der Autographengeschenke der Stadt Wien und den Hinweis auf das Versäumnis Raceks in den 1980er Jahren erweiterte Dr. Hilmar einen möglichen Blick auf sich auf Prof. Racek und die Stadt Wien.

Die folgenden Ausführungen gehen in zahlreiche Details, deren Einbeziehen und Betrachten zum Verständnis der von hochintelligenten Wissenschaftlern gespurten Pfade nötig ist.

Es bestand und besteht eine Verantwortung gegenüber vor allem auch ideell wertvollstem Kulturgut!

Alles andere als konsequent ist (!), dass bezüglich des ebenfalls um mindestens 60 (!) Blätter reduzierten Strauss-Skizzenbuch 1896-1899 “Aschenbrödel”/”Göttin der Vernunft” MH 12236 – dieses spielt bezüglich des Autographendiebstahls eine zentrale Rolle – eine entsprechende Anmerkung über herausgetrennte Blätter wie beim ähnlich umfangreichen Skizzenbuch 1893/1894 nicht (!) eingestellt wurde.

Beim Skizzenbuch 1896-1899 heißt es lediglich:

davon die Seiten 46 und 48-119 leer; die Seiten 25-36 lose; zwischen S. 22 u. 23 das Fragment eines herausgerissenen Blattes

Kein Wort über ca. 60 fehlende herausgetrennte Blätter!

Der von 1975 bis 1994 in der WStuLb zuständige Dr. Hilmar hätte eine entsprechende Katalog-Anmerkung wie beim Skizzenbuch 1893/1894 “Jabuka” über das Fehlen zahlreicher Blätter einfügen können. Dr. Himar hatte sich auch sehr “genau” mit dem Skizzenbuch 1896-1899 “Aschenbrödel”/”Göttin der Vernunft” beschäftigt (s. u. Prof. Würzl).

Das Skizzenbuch 1896-1899 ist im Gegensatz zum ursprünglich unpaginierten Skizzenbuch 1893/1894 gleich zweifach (!) paginiert. Es trägt eine amtliche Stempelpaginierung und eine von dieser abweichende ältere handschriftliche Paginierung mit roter Tinte.

Wienbibliotheksmitarbeiter Norbert Rubey teilte mir vor kurzem mit, dass seit der amtlichen Inventarisierung dieses Skizzenbuches durch Prof. Racek im Jahr 1967 (! – s.u. “Unido”) mit Sicherheit keine Blätter herausgetrennt oder entnommen worden seien.

Warum wurde dieses seit 7. September 1939 (!) in der Rathausbibliothek verwahrte Skizzenbuch dann erst und gerade 1967 amtlich paginiert?

1967 waren in Wien wichtige politische Entwicklungen für die wieder aufstrebende Donaumetropole abgeschlossen (s.u. 1966/1967 “Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung” Abk. Unido).

Amtliche Paginierung dieses Skizzenbuches schwarzer Stempel in der Mitte des unteren Seitenrandes.

Wann und wozu waren die fehlenden Blätter herausgetrennt bzw. entommen worden?

Die ebenfalls seit 1939 in der Rathausbibliothek verwahrte Mappe mit 611 Seiten Partiturskizzen zum unvollendeten Johann Strauss-Ballett “Aschenbrödel” (Sammlung Strauss-Meyszner), aus der bis 1994 zahlreiche Blätter veruntreut wurden, war 1976 und bis (frühestens) 2006 (vielleicht auch erst 2009) noch nicht einmal inventarisiert!

Die Rathausbibliothek hat diese Vereuntreuung niemals polizeilich angezeigt.

Dieselbe amtliche Stempelpaginierung wie im Skizzenbuch 1896-1899 wurde – von den zahlreichen Johhann Strauss-Autographen der Stadtbibliothek – nur (!) noch an den autographen Partituren der Operetten “Indigo und die vierzig Räuber”, “Der Carneval in Rom”, “Die Fledermaus” und der Oper “Ritter Pasman” auf Veranlassung von Prof. Racek angebracht.

Es muss die Frage gestellt werden:

Warum wurde außer an den umfangreichen Bühnenwerk-Partituren diese amtliche Stempelpaginierung nur (!) noch an diesem einen Skizzenbuch 1896-1899 angebracht?

Warum hatte Prof. Racek das andere umfangreiche von Prof. Linke angesprochene auch seit 1939 in der Stadtbibliothek verwahrte Skizzenbuch “Aschenbrödel”/”Göttin der Vernunft” 1967 nicht ebenfalls mit dieser amtlichen Paginierung versehen lassen?

Bezweckte Dr. Hilmar durch diese Ungleichbehandlung, was die Katalog-Anmerkungen anbelangt, dass man nicht auf das Skizzenbuch “Aschenbrödel”/Göttin der Vernunft” von 1896-1899 hingewiesen wird?

Bei der Suche im Online-Katalog der Wienbibliothek und bei Strauss-Forschungen vor Ort in der Wiener Rathausbibliothek wäre man wahrscheinlich nur durch Zufall zu derartigen Fragen und Erkenntnissen gelangt.

Erst das im September 2011 von der Wienbibliothek ins ins Netz gestellte Portal “Strauss-Online” ermöglicht – gerade auch von außen – präzise Untersuchungen, die auf einfache Weise derartige Vergleiche ermöglichen.

Der erschütterte Strauss-Forscher Prof. Dr. Eberhard Würzl beschrieb dieses Skizzenbuch 1896-1899 1992 im Mitteilungsblatt des “Wiener Institut für Strauss-Forschung” in Zusammenhang mit seiner falschen Zuordnung von aus diesem Buch herausgerissenen/schnittenen zwei Blättern mit Skizzen zum Walzer “An der schönen blauen Donau” in seiner Studie im 1989 erschienenen umfangreichen Katalog (512 S.) der Musikautographensammlung des sehr bedeutenden Musikautographensammlers Komm. Hans Peter Wertitsch.

Prof. Würzl hatte diese Skizzen drei Jahre zuvor im Wertitsch-Katalog noch der Entstehungszeit des “Donauwalzers” (1867) zugeschrieben.

Der Katalogeintrag der WStuLb, die die Skizzen um 1990 von Hans Peter Wertitsch erwarb, deutet wohl auf die Zuschreibung Prof. Würzls zum Donauwalzer 1867: “[Aschenbrödel] “Blaue Donau”. Die Blätter wurden als Skizzen zum Walzer “An der schönen blauen Donau” aufgenommen. Die eckige Klammer zeigt die richtige Zuordnung, welche Dr. Hilmar nach 1989 gelang.

Dieser Katalog-Eintrag kann auch erst nach der Entdeckung der richtigen Zuordnung durch Dr. Hilmar von ihm angefertigt worden sein, um den Ablauf der Entdeckung zu dokumentieren und so ev. kriminelle Vorgänge zu verschleiern.

Dr. Hilmar gelang nach 1989 der erstaunliche (!?) Beweis, dass diese zwei “Donauwalzer”-Skizzenblätter aus dem Skizzenbuch 1896-1899 “Aschenbrödel”/”Göttin der Vernunft” herausgetrennt wurden und somit der Entstehung des Ballettes “Aschenbrödel” zuzuordnen sind. Diese herausgerissenen/geschnittenen zwei Blätter tragen dieselben Paginierungszahlen in roter Tinte (“5″, “6″, “7″, “8″) von derselben Hand wie Blätter im Skizzenbuch 1896-1899 “Aschenbrödel” “Göttin der Vernunft” “5″, “6″, “7″, “8″.

Diese zwei “Wertitsch”-Blätter wurden allerdings an anderer Stelle aus diesem Skizzenbuch herausgetrennt als die Paginierungsziffern vermuten lassen. Dr. Hilmar konnte die Zugehörigkeit der zwei Blätter zu diesem Skizzenbuch anhand von Riss- bzw. Schnittlinien und inhaltlichem Zusammenhang beweisen: Blatt “5″/”6″ zu Skizzenbuch pag. “34″ und Blatt “7″/”8″ zu Skizzenbuch pag. “35″.

Dieser sehr spezielle Beweis kann nur Ergebnis einer gezielten Suche Dr. Hilmars gewesen sein.

Wusste Dr. Hilmar bereits vor seiner Beweisführung, dass diese zwei Blätter der Sammlung Wertitsch dem Ballett “Aschenbrödel” und nicht der Entstehungszeit des “Donauwalzers”, mehr als 30 Jahre vorher, zugeordnet werden müssen?

Bemerkenswert ist, dass die laut Würzl inhaltlich nicht (!) zu den zwei herausgerissenen/geschnittenen zwei Skizzenblättern der “Donauwalzer”-Melodieskizzen der Wertitsch-Sammlung (um 1990 von der WStuLb erworben) dazugehörigen zwei Blätter “Donauwalzer”-Partiturskizzen “9″/”10″ und “11″/”12″ebenfalls dem Ballett “Aschenbrödel” zuzuordnen sind.

Bemerkenswert ist darüber hinaus die an den Autographen-Scans zu erkennende Manipulation (Radierung) der Zehnerstelle “7″ der handschriftlichen Paginierung von Johann Strauss (Bleistift) auf den vier Seiten Wertitsch-”Aschenbrödel”-Partiturskizzen “72″, “73″, “74″. Auf Skizzenblatt vermutlich “71″ sind hinter dem Bogen oben rechts überhaupt keine Ziffern zu erkennen.

Diese Manipulationen weisen auf Verschleierungsabsichten. Warum radierte man, wer radierte die Zehnerstelle und auf der ersten Seite der Partiturskizzen wohl sogar die gesamte Strauss’sche Paginierungszahl (“71″)?

Die mir 2008 vom deutschen Musikwissenschaftler Dr. Werner Bodendorff – nach Dr. Hilmars Suspendierung im Jahr 1994 dessen engster wissenschaftlicher Mitarbeiter – zum Kauf angebotene aus der Wienbibliothek veruntreute “Aschenbrödel”-”Donauwalzer”-Partiturskizze mit der handschriftlichen Johann Strauss-Paginierung “72″ schließt musikalisch als dort genannte “Einschaltung” direkt an die “nöthigenfalls Einschaltung” auf der ersten Wertitsch-”Aschenbrödel”-Partiturskizze mit der nicht erkennbaren, wohl radierten Paginierung “71″ an.

Beide Skizzen tragen dieselbe mit roter Tinte angebrachte Paginierungszahl “9″ (Bodendorff-SkizzeWertitsch-Skizze)

Sind der inhaltliche Bezug und der eindeutige Paginierungsbezug reine Zufälle gewesen?

Von den mir von Dr. Bodendorff angebotenen “Aschenbrödel”-Donauwalzer-Partiurskizzen mit der handschriftlichen Paginierung rote Tinte “7″ u. “8″ – die Strauss’sche Paginierung ist nicht erkennbar, ev. ebenfalls radiert – fügt sich die Bodendorff-Seite pag. “7″ inhaltlich, unter Berücksichtigung dass der Entwurf auf Bodendorff-pag. “8″ von Johann Strauss gestrichen wurde, direkt an die Wertitsch-Partiturskizze pag. rot “9″ mit der nicht erkennbaren Strauss-Paginierung an:

Die erste Hälfte des ersten Walzers von “An der schönen blauen Donau” (bei Bodendorff pag. “7″) schließt musikalisch genau passend an das Ende der ersten Häfte des ersten Walzers des “Donauwalzer” auf Wertitsch-”Aschenbrödel”-Partituskiszze 1 vor der dort genannten “nöthigenfalss Einschaltung” an.

Die Wertitsch-”Aschenbrödel”-”Donauwalzer”-Skizzen tragen die handschriftliche zweibuchstabige “Aschenbrödel”-Teilkonvolut-Kennung “DW”.

In der Wienbibliothek werden zwei weitere mit “DW” von derselben Hand gekennzeichnete Blätter zu “Aschenbrödel” verwahrt.

Seite “1″ trägt die Überschrift “Donauwalzer”.

Diese zwei Blätter sind mit roter Tinte handschriftlich von derselben Hand wie die Wertitsch-Blätter mit “1″, “2″, “3″ und “4″ paginiert und schließen so direkt an die mit “5″ beginnende und lückenlos bis “12″ reichende rote Paginierung der Wertitsch-Blätter an.

Die Inventarnummer der zwei “Donauwalzer”-Blätter MH 16.150 ist höher als die der Wertitsch-”Aschenbrödel”-Blätter MH 15.514.

Somit sind die zwei eindeutig zu den Wertitsch-Blättern gehörenden separat (!) inventarisierten Blätter MH 16.150 deutlich später (!) als die Wertitsch-Blätter inventarisiert worden.

Wann wurden diese Blätter MH 16.150 inventarisiert?

Die 2001 von der Wiener Stadt- und Landesbibliothek auf einer Autkion des Hazses Sotheby’s in London erworbenen 98 Blätter Skizzen und Entwürfe zur Johann Strauss-Operette “Der lustige Krieg” wurden unter der Inventarnummer MH 15.399 aufgenommen.

Keine der 196 Seiten dieser Skizzen und Entwürfe zum “Lustigen Krieg” ist von der WStuLb gestempelt und/oder mit der Inventarnummer versehen worden. (!) Warum?

Im Revisionsbericht der 2007 (!) erschienenen Partitur “Der lustige Krieg” (Neue Johann Strauss Geamtausgabe Serie 1 Werkgruppe 2 Band 9) nennt Herausgeber Prof. Michael Rot keine der 2001 (!) vom Sotheby’s erworbenen 98 Blätter MH 15.399 der WStuLb?

Michael Rot nennt nur die folgenden bekannten autographen Skizzen zum “Lustigen Krieg”, welche auch Monika Fink in ihrer 2000 erschienenen Dissertation “Die Operette Der lustige Krieg von Johann Stauß” nennt:

38 Melodie-, Particell- und Klavierauszugskizzen sowie schriftliche Notizen von Johann Strauss, Adolf Müller jr. und Richard Genée.

Nr. 2, 22: Skizzenbuch, Wienbibliothek, M. H. 12.245. Nr. 8, 9, 17: Wienbibliothek, M. H. 14.162/c.
Nr. 13: Wienbibliothek, M. H. 7830/c. Nr. 20: Wienbibliothek, M. H. 394/c.

Alle übrigen: Original unbekannt; Ablichtung auf Mikrofilm:
Johann Strauss Gesellschaft, Wien.


In der von Prof. Rot erarbeiteten “Aschenbrödel”-Partitur (2002/2003) behauptet Prof. Rot, dass der “Strauss’sche Nachlaß zu ‘Aschenbrödel’ als verschollen gelten” muss.

Bereits 1994 hatte die WStuLb laut Bibliotheksdirektorin Dr. Mattl-Wurm das “sogenannte Aschenbrödel-Konvolut” (angeblich) mit 480 Seiten gezählt. “Österreichische Musikzeitschrift” 9/2010.

Falls die Wienbibliothek ihre Autographen mit ansteigenden Nummern in der Folge des Aufnahmedatums inventarisiert, wären die zwei “DW”-”Aschenbrödel”-Blätter MH 16.150 demnach erst nach (!) 2001 inventarisiert worden.

Die aber nachweislich zwischen 1989 (Wertitsch-Katalog) und 1992 (Würzl-Artikel im WISF-Mitteilungsblatt “Die Fledermaus” 1992 – dort abgebildete Skizzen tragen den Stempel der WStuLb) von der WStuLb erworbenen Wertitsch-”Donauwalzer-Skizzen tragen die Inventarnummer MH 15.514. Diese ist höher als die der Blätter zum “Lustigen Krieg” MH 15.399.

Die 1990 von der WStuLb aus der Wertitsch-Sammlung erworbenen 86 Blätter autographe Partiturteile zur Johann Strauss-Oper “Ritter Pasman” tragen die Inventarnummer MH 15.603

Bis zur frühestens 2006 (wahrscheinlich erst 2009) erfolgten Inventarisierung der (wohl vermissten) “Aschenbrödel”-Mappe (MH 21.350) waren diese sechs Blätter “DW”-”Aschenbrödel”-”Donauwalzer”-Skizzen (vier Wertitsch “DW”-Blätter und weitere zwei “DW”-BlätterMH 16.150 und MH) 15.514 neben dem ebenfalls zu den “Aschenbrödel”-Teilkonvoluten zählende Skizzenbuch 1896-1899 – wie die zweibuchstabige Kennung “RS” auf der Innenseite des Deckels zeigt – die einzigen von der Wienbibliothek inventarisierten Teilkonvolute zu “Aschenbrödel”.

Das zur Zeit offiziell aus “14 Teilkonvoluten” bestehende sogenannte “Aschenbrödel”-Konvolut der Wienbibliothek umfasst laut Katalogangabe 442 Seiten und enthält auch ein Teilkonvolut “RS”.

Die “14 “Aschenbrödel”-Teilkonvolute” sind ebenfalls jeweils mit zweibuchstabigen Kürzeln von derselben Hand wie auf den Wertitsch-”Aschenbrödel”-”DW”-Skizzen und den zwei Donauwalzer-”DW”-Skizzen versehen.

Dies lässt den Schluss zu, dass die mit “DW” bezeichneten Skizzen Teil eines “DW”-Teilkonvolutes der “Aschenbrödel”-Mappe waren.

Zweibuchstabige “Aschenbrödel”-Teilkonvolutkennungen im Ende 1899 erstellten handschriftlichen Klavierauszug des “Aschenbrödel”-Vollenders Josef Bayer stützen diese These.

Die Anfang 2011 größtenteils nach Wien zurückgeholten veruntreuten “Aschenbrödel”-Sikzzen sind noch nicht in das online “Aschenbrödel”-Konvolut eingestellt.

Prof. Würzl schätzte den Verlust im Skizzenbuch 1869-1899 “Aschenbrödel”/”Göttin der Vernunft” auf mindestens 64 Blätter.

Sollten Johann Strauss-Autographe tatsächlich an hohe ausländische Staatsgäste verschenkt worden sein?

Wollte man dann hiermit ev. sogar politische Geschäfte befördern?

Die Nichtverfolgung der Causa Ernst Hilmar könnte sich auch hiermit erklären.

War Dr. Hilmars Katalog-Eintrag bezüglich des Skizzenbuch MHc 7828 seine “Rentenversicherung”?:

Musiksammlungsleiter Dr. Ernst Hilmar wurde 1994 suspendiert, anschließend rehabilitiert und dann mit voller Pension in den Ruhestand verabschiedet.

Eine vor wenigen Tagen bei mir eingegangene Mail des früheren engen Hilmar-Bibliotheksmitarbeiters Dr. Otto Brusatti lässt auch derartige Schlüsse zu:

Es habe/gäbe damals wie heute kein Interesse an einer Klärung (gegeben), da weitere Suspendierungen hätten erfolgen müssen/würden und es bis ins Politische gegangen wäre.

Am 7. Juli 1967 meldete die Wiener Rathauskorrespondenz: “Seit heute flattern die UNO-Fahnen neben dem Rathaus”.

Der damalige Wiener Bürgermeister Bruno Marek (1965-1970) war von 1960-1987 Präsident der “Johann Strauss-Gesellschaft Wien”.

In seine Amtszeit als Bürgermeister Wiens fällt die Gründung der “Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung” (“Unido” heute 172 Mitgliedsstaaten) im Jahr 1966 mit ihrem heutigen Hauptsitz im “Vienna International Centre” (auch Sitz der “Internationalen Atomenergie-Organsation”.

Der derzeitige Präsident der JSG-Wien, Prof. Mag. Peter Widholz, sieht 2007 die 27-jährige Amtszeit von Bruno Marek als Präsident der JSG-Wien allerdings mit dem Niedergang der Gesellschaft verbunden: “Das Vierteljahrhundert der Rezession (1967 ["Unido"] – 1992)”

Warum blieb der 1965 mit der neu geschaffenen “Ehrenmedaille der Johann Strauss Gesellschaft Wien” ausgezeichnete Landtagspräsident Bruno Marek und 1960 gewählte Präsident der JSG-Wien dann 27 Jahre bis 1987 in diesem Amt, obwohl laut Prof. Widholz bereits ab 1967 die Rezession der Gesellschaft einsetzte?

Auffällig ist auch, dass Prof. Widholz den Beginn der “Rezession” der JSG-Wien unter Marek gerade ab 1967 datiert, wo doch in diesem Jahr große politische Vorhaben abgeschlossen waren?

Am 21. September 1967 berichtete die Rathauskorrespondenz über eine USA- und Japan-Tournee der “Wiener Symphoniker” (mit dem Dirigenten Wolfgang Sawallisch).

Die “Wiener Symphoniker” würden im Gebäude der “Vereinten Nationen” vor den Delegierten der UNO konzertieren. In Japan würden die Symphoniker in zwei Konzerten (Tokio und Osaka) nur Werke der Familie Strauss spielen.

Die Symphoniker würden von einem Team des Österreichischen Fernsehens begleitet, welches einen Film von der Tournee drehen solle.

Zur weltweiten Image-Pflege der “Musikstadt Wien” und des “Musiklandes” Österreich benutzte Bürgermeister Marek die Strauss-Dynastie.

Um die “Johann Strauss Gesellschaft-Wien” hat deren Präsident Bruno Marek sich laut heutigem Präsidenten Prof. Widholz zu wenig gekümmert.

Laut Prof. Linke soll sogar die autographe Partitur eines kompletten Johann Strauss-Werkes nach Japan verliehen worden und von dort nicht nach Wien zurückgekehrt sein. Man müsse den Vorgang den amtlichen Unterlagen entnehmen können.

Eventuell verschenkte Autographe wird man heute nicht mehr orten können.

Das von Prof. Linke genannte angebliche Ausleihen und Nicht-Zurückkehren der autographen Johann Strauss-Partitur würfe allerdings ein ergänzendes Licht.

Wurde Prof. Linke bezüglich dieses Vorgangs auch von Dr. Hilmar in Kenntnis gesetzt? Es wäre vorsorgend gewesen.

Am 30. November 1967 wurde der erste Band der im Auftrag der “Johann Strauss Gesellschaft Wien” unter der Editionsleitung von Prof. Racek damit begonnenen “Doblinger/Universal Edition Johann Strauss Gesamtausgabe” im Wiener Rathaus vorgestellt. Dieser 1967 vorgestellte Band “19″ der damals auf 50 Bände angelegten Johann Strauss-Gesamtausgabe enthält den “Donauwalzer”, da dieser 100 Jahre zuvor zum ersten Mal erklungen war.

Drei Wochen vor dieser Rathausmeldung, am 9. November 1967, hatte Bürgermeister Marek den Direktor der Musikhochschule Tokio, Daigoro Arima, mit dem erstmals verliehenen “Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien” ausgezeichnet.

Nachdem Dr. Hilmar 1994 suspendiert, dann rebalitiert und mit voller Pension in allen Ehren in den Ruhestand verabschiedet worden war, kam 1999 unerwartet die Untersuchung und Überprüfung der 1939 abgenötigten (arisierten) Sammlung Strauss-Meyszner, zu welcher die veruntreuten “Aschenbrödel”-Autographe gehören, auf die Wiener Rathausbibliothek zu.

Mit dieser Überprüfung hatte man in der Rathausbibliothek wohl nicht gerechnet. Die Erwerbungsgeschichte der 1939 abgenötigten Sammlung Strauss-Meyszner war nach 1945 niemals (genau) aufgearbeitet worden. Das Vorhandensein der weltweit umfangreichsten Sammlung an Handschriften der Strauss-Dynastie in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek wurde mit deren Erwerb im Jahr 1952 begründet.

Bereits unter der Leitung Hilmars wurde – im ersten “Führer” der 1976 in “Wiener Stadt- und Landesbibliothek” umbenannten “Wiener Stadtbibliothek” von Dr. Hilmar und/oder dessen Mitarbeiter Dr. Brusatti berichtet, dass die Stadtbibliothek die großen Strauss-Sammlungen Simon und Meyzner nach gescheiterten Ankaufsversuchen im Jahr 1937 schließlich 1952 erwerben konnte.

Von der Abnötigung der Sammlung Strauss-Meyszner und der Sicherstellung und Beschlagnahmung der Sammlung Strauss-Simon im Jahr 1939 – die Eigentümerin Louise Simon war nach dem Einmarsch der Hitlertruppen in Österreich in die Schweiz emigriert – kein Wort!

1952 war zwischen der Stadt Wien und dem Vertreter der Strauss-Erben, dem in New York lebenden 1939 emigrierten bedeutenden österreichischen Kunsthändler Otto Kallir, eine Vereinbarung getroffen worden, dass von den unter Denkmalschutz und Ausfuhrverbot stehenden Objekten der Sammlung Meyszner und Simon einige wenige Objekte zu den im Ausland lebenden Erben ausgefolgt werden durften (u.a. die Originalpartitur der “Fledermaus” – Sammlung Strauss-Meyszner; 1962 von der Wiener Rathausbibliothek auf einer Münchner Auktion erworben; Originalpartitur “Eine Nacht in Venedig” – Sammlung Strauss-Simon, heute in der Stanford University Music Library).

Im Gegenzug dafür gingen alle weiteren Objekte der Sammlung Strauss-Meyszner – wie bereits 1939 bei der Abnötigung durch den “Stürmer” – noch einmal als Schenkung (!) in das Eigentum der Stadt Wien über!

Im Bericht der “Wiener Rathauskorrespondenz” vom September 1952 wurde diese Schenkung als Ankauf dargestellt. Die “autographe Partitur” zu “Aschenbrödel” ist am Schluss dieses Artikels genannt.

Dr. Maria Wirth (“Verein zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Zeitgeschichte” Univ. Wien) stellte den wirklichen Ablauf 2003 in ihrem Vortrag “Die Verhandlungen über die Strauß-Sammlungen in der Wiener Stadt und Landesbibliothek” – gehalten auf der von der “Wiener Stadt- und Landesbibliothek” in Zusammenarbeit mit der “Österreichischen Gesellschaft für Germanistik” und der “Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare” veranstalteten Tagung “Raub und Restitution in Bibliotheken” (23./24. April 2003) – wie folgt dar:

Zur angesprochenen Einigung kam es schließlich anlässlich eines Wien-Aufenthalts von Otto Kallir Mitte Juli 1952, wobei nun Bedingung war, dass über beide Sammlungen gemeinsam verhandelt wird.

Im Antrag der Stadtbibliothek an den Wiener Gemeinderat vom 14. Juli 1952, in dem davon die Rede ist, dass „ein für die Stadt außerordentlich günstiges Arrangement [!] erzielt“ werden konnte und dieses auf einen Vorschlag Kallirs zurückgeht, ist folgendes festgehalten:

„Im Großen und Ganzen sieht dieses Angebot die käufliche Erwerbung der beiden Sammlungen sowie der im Eigentum von Dr. Hanns Epstein-Strauß befindlichen Originalpartitur der Operette „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauß durch die Stadt Wien zum Gesamtpreis von 300.000 Schilling vor.

Ausgenommen von diesem Ankauf sind die in der Beilage 5 und 6 verzeichneten Objekte, darunter die Originalpartitur der Operette „Die Fledermaus.“

Zudem wurde ausdrücklich festgehalten, dass die Wiener Stadt- und Landesbibliothek beim Bundesdenkmalamt die Ausfuhrgenehmigungen für die zur Ausfuhr bestimmten Werke besorgen müsse.

Konkret hat dies für die verschiedenen Beteiligten folgendes bedeutet:

1) Sammlung Strauß-Meyszner: Ada Crespo de la Serno erhielt gegen die Schenkung großer Teile der Sammlung die Ausfuhrgenehmigung für die restliche Sammlung (darunter die Originalpartitur der „Fledermaus“), aber kein Geld [!];

Hanns Epstein verkaufte die Partitur des „Zigeunerbarons“ für 70.000 Schilling an die Wiener Stadt- und Landesbibliothek, der Bösendorfer-Flügel sollte ihm ausgefolgt werden (, blieb aber im Historischen Museum).

2) Sammlung Strauß-Simon: Margarethe Altmann wurden für ihren Teil der Sammlung 230.000 Schilling bezahlt; Hedwig Stadlen wurde ihr Teil (samt Ausfuhrgenehmigungen) ausgefolgt.

1989 hatte Ernst Hilmar in seinem Referat “Musiker-Autographe als Belegstücke zum ‘Musikland-Österreich’”, gehalten auf dem “Internationalen Symposium Musikautographe” Wien (5.-8. Juli 1989), das durch die Abnötigung der Sammlung Strauss-Meyszner und durch die ebenfalls 1939 erfolgte Beschlagnahme der Sammlung Strauss-Simon erfolgte Vorhandensein der weltweit umfangreichsten Handschriften-Bestände der Strauss-Dynastie in der Wiener Rathausbibliothek noch als “wie durch ein Wunder” bezeichnet:

Laut Dr. Hilmar bliebe die Frage, warum der Beethoven-Bestand des Verlagshauses Artaria und die große Brahms-Autographen-Sammlung der Familie Stonborough ins Ausland nach Berlin und in die USA gelangten, obwohl Wien diese Sammlungen hätte erwerben können, im Grunde unbeantwortet:

Einem ähnlichen Schicksal ist – wie durch ein Wunder – die Sammlung der Strauß-Dynastie entgangen.

2007 (!) – sieben Jahre nach der Erforschung der Erwerbungsgeschichte der Sammlung Strauss-Meyszner (!) – verschwieg der derzeitige Präsident der Johann Strauss Gesellschaft-Wien, Prof. Mag. Peter Widholz, im Mitteilungsblatt der JSG-Wien (“Wiener Bonbons” 2/2007) “Größte Strauss-Biographie aller Zeiten vollendet” die Abnötigung der Sammlung Strauss-Meyszner (1939) und erwähnte nur den angeblichen Ankauf im Jahr 1952 (tatsächlich Schenkung im Gegengeschäft).

Die von Prof. Widholz genannten von Adele gesammelten Briefe sind Teil der Sammlung Strauss-Meyszner.

Prof. Peter Widholz:

Anfang der Achtzigerjahre beauftragte die JSG-Wien eines ihrer damaligen Vorstandsmitglieder, Prof. Franz Mailer, mit der Herausgabe von Briefen von, an und über Johann Strauss sowie von schriftlichen Dokumenten über denselben. Diese waren dereinst von Adele Strauss, der dritten Gattin des Walzerkönigs, gesammelt worden.

Durch die Wirren der Nazizeit geriet ein Teil dieser Sammlung ins Ausland, ein Teil wurde vernichtet.

unrichtig:

Die Sammlung Strauss-Meyszner befand sich bis zur Anordnung der Sicherstellung am 21. April 1939 und zur Abnötigung im Juni 1939 immer in Wien in der Wohnung von Adele Strauss (1856-1930) und ihrer Tochter Alice Meyszner (1875-1945), Wien IV, Gußhausstraße 12, wie auch vom “Stürmer” genannt.

Die wirkliche Erwerbungsgeschichte wurde im Katalog der 2003 gezeigten Ausstellung “JOHANN STRAUSS ENT-ARISIERT Die Sammlung Strauss-Meyszner” im Artikel “Die wechselhafte Geschichte der Sammlung Strauss-Meyszner in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek” dargestellt. Daneben ist Maria Wirths Vortrag “Die Verhandlungen über die Strauß-Sammlungen in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek” im Internet abrufbar.

Wie konnte der Präsident der JSG-Wien 2007 dennoch derartiges behaupten?

Prof. Widholz weiter:

Was übrig geblieben war, konnte 1952 von der Stadt Wien fast zur Gänze erworben werden. Ab dieser Zeit lagerten diese wertvollen Zeugnisse über das Leben des wahrscheinlich populärsten Österreichers aller Zeiten in den Archiven der Wiener Stadt- und Landesbibliothek.

unrichtig:

seit 1939

Auch auf diese Art von Verdrängung (Geschichtsklitterung) bezog ich mich im am 14. März 2012 in der “Neuen Presse Coburg” erschienenen Artikel “Johann Strauss ohne Marmelade”:

“Unbekannte Persönlichkeitsfacetten von Strauss und bislang nicht erkannte Tiefenschichten seiner Musik” möchte Braun anhand der umfangreichen in Coburg vorhandenen Dokumente offenlegen. Dazu gehören die historischen Folgen der in Coburg geschlossenen Ehe mit Adele Strauss – bis hin zur “Arisierung” des nach Verständnis der Nürnberger Rassegesetze “Achteljuden” Johann Strauss. “Dem sollte bei der Gestaltung von Coburger Strauss-Tagen Rechnung getragen werden”, fordert Ralph Braun. Nur Coburg könne dies leisten, “da in Wien noch heute NS-Verdrängungs-Mechanismen regieren und man woanders nicht interessiert ist”.

Drei Tage später, am 17. März, erschien in der Wiener Tageszeitung “Die Presse” Otto Brusattis schon bestätigender umfangreicher Artikel “Interesse: null.” zur Stagnation der Strauss-Forschung.

Dr. Brusatti referierte am selben Tag über dieses Thema im Rahmen des Symposiums der vom “Wiener Institut für Strauss-Forschung” veranstalteten “Tanz-Signale” 2012. (“Warum stagniert die Strauss-Forschung? Eine Parabel für die Musikwissenschaft an sich”)

Dr. Brusatti – auch langjähriger enger Mitarbeiter Dr. Hilmars in der WStuLb – weiß sehr viel, erschöpft sich aber weitgehend in für den unkundigen Leser zu wenig verständlichen Andeutungen und wird damit nicht sehr viel bewegen und verbessern helfen.

Brusatti berührt die in meiner Abhandlung ausführlich dargestellte für die Strauss-Forschung nicht problemfreie enge Vernetzung der JSG-Wien mit den Wiener Philharmonikern seit 1992 und die hierduch entstehende auch vom “Aschenbrödel”-Diebstahl betroffene “Neue Johann Strauss-Gesamtausgabe”:

Die kritischen Editionen des Notenmaterials (oft aus schnödem Gewinnstreben parallel geführt in Österreich) humpeln ziemlich.

Die Wiener Philharmoniker tun das Jahr für Jahr geschäftstüchtig beim Zusammenstellen ihrer Neujahrskonzerte, welche dann als E-U-Musik-Weltsensation-Nummer eins und manchmal in – nun, sagen wir – diskussionswürdigen Interpretationen verkauft werden.

Zwei offensichtliche Insider-Kommentare unter seinem Artikel in der online-Ausgabe der “Presse” üben deutliche Kritik:

Brusatti selbst ist ein Teil des Problems

Kein Mensch hat ihn abgehalten, in seiner aktiven Zeit jene seriöse Strauss-Forschung zu betreiben, deren Fehlen er nun beklagt. Seine Bücher haben keine einzige neue Quelle erschlossen. Die von ihm präsentierten neuen Erkenntnisse beschränkten sich auf Behauptungen, wie “Johann Strauss Vater praktizierte mit Joseph Lanner in einer Künstler-WG im Underground freie Formen der Liebe”.

Die “Tanzsignale” sind keine wissenschaftliche Veranstaltung, sondern ein mit Hilfe der MA 7 betriebenes, Privathobby der Familie Strauss. Gedruckte Ergebnisse liegen seit 2004 nicht vor, denn die Zeitschrift des “Instituts für Strauss-Forschung” ist wegen Arbeitsverweigerung des Herausgebers seit 10 Jahren nicht mehr erschienen, was so nebenbei auch dazu geführt hat, das zahlreiche Wiener Forscher mit dieser Veranstaltung nichts mehr zu tun haben wollen.

Es ist genug Geld für Strauss-Forschung da: im Jahr 1995 finanzierte das Wissenschaftministerium mit einem siebenstelligen Schillingbetrag das Verfassen eines “Johann Strauss-Lexikons” durch den Schriftführer und wissenschaftlicher Leiter des “Instituts für Strauss-Forschung”. Dieses Lexikon gibt es bis heute nicht. Seit über zehn Jahren vertuscht das Ministerium diesen Steuergeldmissbrauch. Es ist hoch an der Zeit, dass die zu Unrecht bezogenen Summe von ca. 70.000 Euro dem Ärar endlich zurückgezahlt und der Strauss-Forschung wieder zur Verfügung gestellt wird!

(Polemiken und Rundumschläge

schön und gut, aber das kennen wir von diesem Schreiber schon zur Genüge. Wir würden von Herrn Brusatti viel lieber erfahren, warum er als Leiter der Musikabteilung der Wienbibliothek entlassen werden mußte. Gibt es da nicht einen Zusammenhang mit der Entwendung von Strauss-Autographen aus dieser Bibliothek und dem Anbieten eben dieser Strauss-Autographe in einem deutschen Antiquariat?)

Re: Polemiken und Rundumschläge

Brusatti war nie Leiter der Musiksammlung der Wienbibliothek, auch wenn er sich jahrelang bei Journalisten als solcher ausgab. Er wurde auch nicht entlassen, sondern verabschiedete sich – nachdem er jahrelang mit Karenzierung zum Zweck der Film- und Ausstellungstätigkeit seinen Job geschwänzt hatte – in die Frühpension. Der entlassene Bösewicht war Brusattis Chef Ernst Hilmar, der ungestört von allen seinen Kollegen jahrelang schalten und walten konnte und sich heute infolge der jahrzehntelangen Panikstarre der Verantwortlichen der Verjährung seiner Taten erfreuen darf.

1976 hatten – wie bereits erwähnt – entweder Dr. Hilmar oder/und Dr. Brusatti im ersten “Führer” der “Wiener Stadt- und Landesbibliothek” geschrieben (Verfasser nicht eindeutig – Dr. Hilmar und Dr. Brusatti sind im Vorwort genannt, erst 1982 im Musiksammlungs-Artikel der “Informationen aus der Wiener Stadt- und Landesbibliothek” nannte Direktor Hofrat Mag. Dr. Franz Patzer Biliotheksoberkommissär explizit Dr. Otto Brusatti als Verfasser. Der Artikel von 1982 ist in den meisten Teilen ein anderer als der von 1976, der Strauss-Dynastie-Teil mit der Aufzählung sämtlicher in der WStuLb verwahrter autographen Partituren von Johann Strauss-Bühnenwerken ist allerdings identisch):

Seit 1937 war der Ankauf der großen Sammlungen Strauß-Simon und Strauß-Meyszner betrieben worden, aber erst 1952 konnte es zur Erwerbung kommen.

Musiksammlungsleiter Dr. Hilmar und/oder Bibliotheksoberkommissär Dr. Brusatti zählten im folgenden (Artikel S. 73) sämtliche in der WStuLb vorhandenen autographen Partituren von Johann Strauss-Bühnenwerken auf: “Aschenbrödel” ist nicht genannt.

Dabei war im Jahr zuvor in der von Prof. Dr. Fritz. Racek (Musiksammlungsleiter von 1945-1975) zusammengestellten großen Johann Strauss-Ausstellung anlässlich des 150. Geburtstages des “Walzerkönigs” in der Volkshalle des Wiener Rathauses ein autographer Partiturteil zum Ballett “Aschenbrödel” gezeigt worden.

Prof. Racek starb während der vom 22. Mai bis 31. Oktober 1975 währenden Ausstellung am 14. August 1975.

Raceks Nachfolger als Musiksammlungleiter, der bisherige Bibliotheksoberkommisär Dr. Hilmar, war laut Dankwort des Katalogs mit zuständig für das Musikprogramm dieser Ausstellung und nach deren Ende natürlich verantwortlich für die Wiedereingliederung der Exponate – auch des eigenhändigen Partiturteils “Aschenbrödel” – in die Magazine.

Hiermit verlor sich die Spur der nicht inventarisierten “Aschenbrödel”-Autographe in der “Wiener Stadt- und Landesbibliothek”.

1976 wurden sie von Dr. Hilmar und/oder Dr. Brusatti schon nicht mehr genannt.

Bibliothesdirektor Mag. Dr. Franz Patzer nannte zu Beginn seines Dankwortes im Katalog die “Wiener Stadt- und Landesbibliothek”:

ein Museum des menschlichen Geistes, des geschriebenen und gedruckten Wortes, der in Noten gesetzten Töne – der stumme unerhörten Musik.

In seinen Dankworten an Prof. Racek hob Dr. Patzer auch hervor:

Dieser von ihm [Racek] verfaßte Katalog wird wohl nicht nur eine Ausstellungsdokumentation an sich sein, sondern zugleich auch das Strauß-Schrifttum wesentlich ergänzen.

Schon allein am Fall “Aschenbrödel” zeigt sich die Bedeutung dieses Kataloges.

Am Tag des Erscheinens des “Presse”-Artikels und seines Referates bei den “Tanz-Signalen” antwortete mir Dr. Brusatti auf meine Rundmail vom Vortag an die Direktorin der “Wienbibliothek im Rathaus” Dr. Mattl-Wurm, Musiksammlungsleiter Dr. Thomas Aigner, den Obmann des “Wiener Institut für Strauss Forschung” Dr. Eduard Strauss, Prof. Christian-Hubert Ehalt (Univ. Wien Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte), Prof. Birgit Lodes (Univ. Wien Institut für Musikwissenschaft), Wienbibliotheksmitarbeiter und Strauss-Forscher Norbert Rubey, Dr. Otto Brusatti, Musikwissenschaftler und Strauss-Forscher Prof. Norbert Linke (Borken Westfalen) und an den kommissarischen Leiter der “Deutschen Johann Strauss-Gesellschaft”, den ehemaligen Dresdner Oberbürgermeister Dr. Ingolf Roßberg.

Ein Satz der Antwort von Dr. Brusatti an mich sei hier sinngemäß wiedergegeben.

Brusatti gibt hiermit unumwunden wichtige Kenntnisse zum Umfeld der Causa Ernst Hilmar zu.

Es habe/gäbe damals wie heute kein Interesse an einer Klärung (gegeben), da weitere Suspendierungen hätten erfolgen müssen/würden und es bis ins Politische gegangen wäre.

Was war alles geschehen?

Prof. Racek, der seit Kriegsende Leiter der Musiksammlung der Wiener Stadtbibliothek war, schrieb im Revisionsbericht seiner 1974 erschienenen wissenschaftlichen “Fledermaus”-Partitur, dass die Originalpartitur der “Fledermaus” 1939 in der Wohnung von Alice Meyszner von der Gestapo beschlagnahmt und dann in die “Reichsdienststelle für verfallene Vermögenswerte” überantwortet worden sei, von welcher sie die Wiener Stadtbibliothek käuflich erworben habe.

Diese Partitur (Revisionsbericht Racek) ist wohl bereits gleich nach den 21. April 1939 von der Gestapo in die “Zentralstelle für Denkmalschutz” (Wien) verbracht worden und später zusammen mit den im Juni 1939 öffentlich abgenötigten weiteren Objekten der Sammlung Strauss-Meyszner in die “Städtischen Sammlungen” (wie Stadtbibliothek und Historisches Museum in dieser Zeit gemeinsam hießen) gelangt.

Christian Mertens schreibt hierzu 2003 in seinem Artikel “Die wechselhafte Geschichte der Sammlung Strauss-Meyszner in der Wiener Stadt-und Landesbibliothek”:

In die Zentralstelle für Denkmalschutz wurden jedoch nur einige wenige wertvolle Autographe der Sammlung Strauss-Meyszner gebracht, während die übrigen Gegenstände an Ort und Stelle belassen wurden und Alices Mann, Oberst Meyszner, als Verwahrer bestimmt wurde.

So konnten diese Objekte zweck öffentlicher “Arisierung” von Johann Strauss Sohn öffentlich abgenötigt werden.

Oberst Rudolf Edler von Meyszner war der Bruder des 1946 in Belgrad für seine Mitverantwortung für Massenmorde an der jüdischen Bevölkerung in Serbien zum Tode verurteilten und hingerichteten SS-Gruppenführers August Edler von Meyszner.

Stellte Prof. Racek den Vorgang im Revisionsbericht wissentlich unrichtig dar?

Die Original-Partitur der “Fledermaus” wurde 1952 an die im Ausland lebenden Erben nach Alice Meyszner ausgefolgt und 1962 bei einer Auktion in München von der Stadt Wien erworben.

Impulse aus New York 1998

Infolge der 1998 in New York erfolgten Beschlagnahme von zwei in der NS-Zeit in Wien verschwundenen Egon Schiele-Gemälden (“Tote Stadt III”, “Wally” ; Eigentümer “Leopold Museum” Wien) beschloss der österreichische Nationalrat 1998 das “Österreichische Kunstrückgabegesetz”.

1999 wurde dieses die österreichischen Bundesmuseen betreffende Gesetz durch einen Beschluss des Wiener Gemeinderats auf die Museen und Sammlungen der Stadt Wien ausgeweitet.

Die 1999 im österreichischen Parlament gestellte Anfrage der Nationalratsabgeordneten Dr. Irmtraut Karlsson Betreff: NS – Raubgut im Zusammenhang mit dem Gedenkjahr Johann Strauß (1999) führte zur Erforschung der Erwerbungsgeschichte der 1939 abgenötigten Sammlung Strauss-Meyszner und zur Prüfung der Inventare.

Wie sollte man jetzt seitens der Wiener Rathausbibliothek mit dem hierdurch plötzlich wieder aktuellen Fall Ernst Hilmar umgehen, hatte man in der Musiksammlung der Bibliothek doch bei der Generalrevision 1994 das Fehlen der nicht inventarisierten “Aschenbrödel”-Mappe entdeckt und diese bislang (wohl) noch nicht wiedergefunden?

Man musste doch den “Aschenbrödel”-Fehlbestand (nicht nachweisbare Autographe 611 Seiten Partiturskizzen) nennen. Diese Skizzen wurden, obwohl sie (wohl) noch nicht gefunden waren, seitens der Bibliothek trotzdem 2002 und 2003 als zum Inahlt der Sammlung gehörend (und damit nach Verständnis des Lesers als vorhanden) genannt.

Sollte man 1999 den vertuschten Fall Hilmar, die bisherige Nichtverfolgung und damit auch die Namen der dafür Verantwortlichen nennen?

Dr. Lorenz tut es in seinen “notwendigen Anmerkungen” zu “Johann Strauss auf Irrfahrt”.

Die Untersuchung der Sammlung Strauss-Meyszner war die erste und aufsehenerrengendste der ab 1999 seitens der Stadt Wien durchgeführten zahlreichen Überprüfungen von in der NS-Zeit in Wien arisierten jüdischen Kunstsammlungen.

Die 1999 begonnene Überprüfung der Sammlung Strauss-Meyszner mit der anschließenden Restituierung (Mai 2001) an die Rechtsnachfolger der Erben und Ankauf der Sammlung durch die Stadt Wien (Januar 2002) wurde von der internationalen Presse verfolgt.

Obwohl die Sammlung Strauss-Meyszner bereits 1948 von den Wiener Behörden als Eigentum der im Ausland lebenden Strauss-Erben anerkannt worden war, konnten die Erben nicht an die Sammlung, da Denkmalschutz und hiermit ein Ausfuhrverbot auf sämtliche Objekte gelegt worden war.

Dieses Ausfuhrverbot galt und gilt auch noch heute für Ernst Hilmar.

Unter Berufung auf das 1918 beschlossene österreichische “Ausfuhrverbotsgesetz für Kulturgut” wurden nach dem “Anschluss” in Wien Sicherstellungen jüdischer Kunstsammlungen angeordnet, (die Sammlungen oft durch die Gestapo beschlagnahmt) und diese Sammlungen so arisiert.

Medienträchtige Prozesse um das Eigentumsrecht an in der NS-Zeit aus jüdischem Kunstbesitz arisierten Gemälden von Gustav Klimt und Egon Schiele ziehen sich bis in die Gegenwart.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatte Österreich jede Verantwortung für die Verbrechen des NS-Regimes abgelehnt, da sich die Republik Österreich unter Berufung auf die Moskauer Deklaration von 1943 als erstes Opfer der Aggressionspolitik des Deutschen Reiches betrachtete.

Bezüglich der Arisierung jüdischen Kunstbesitzes in Wien ermöglichten die bestehenden österreichischen Gesetze restriktiveres Vorgehen als die des “Altreiches”.

Das “Ausfuhrverbotsgesetz für Kulturgut” und das 1923 beschlossene bis heute geltende österreichische “Denkmalschutzgesetz” bestimm(t)en ein generelles Ausfuhrverbot für Kulturgüter aus Österreich. Wollte und will man Kulturgüter ausführen, bedurfte (bedarf) es einer “Ausfuhrbewilligung” der Denkmalschutzbeörde.

In Deutschland wurde/wird ein Ausfuhrverbot nur für bestimmte einzelne besonders bedeutende Objekte ausgespochen (“Gesetz zum Schutz deutschen Kulturgutes gegen Abwanderung”). Die beweglichen geschützten Kultugüter sind im “Verzeichnis national wertvollen Kulturguts” aufgelistet.

Für alle anderen Objekte brauchte (benötigt) man keine Ausfuhrbewilligung.

Bei der nach dem Novemberpogrom 1938 einsetzenden massenhaften Abwanderung von Juden aus Wien beschlagnahmte die Denkmalschutzbehörde den jüdischen Kunstbesitz unter Berufung auf § 4a des Ausfuhrverbotsgesetzes, indem Bei Gefahr einer Verbringung von Kulturgütern ins Ausland die Sicherstellung dieser Kulturgüter bestimmt werden konnte und wurde.

Nach dem Einmarsch der Hitlertrupen am 13. März 1938 wurden in Wien bis Jahresende 1938 durch Mitarbeiter der “Zentralstelle für Denkmalschutz” (heute Bundesdenkmalamt Österreich) 9.500 Hausbeschauungen jüdischer Wohnungen und Häuser zwecks Arisierung jüdischen Kunstbesitzes durchgeführt.

Unter Berufung auf Paragraph § 4a wurde auch die Sammlung Strauss-Meyszner durch die Anordnung deren Sicherstellung am 21. April 1939 arisiert.

Einige besonders wertvolle Partituren (“Die Fledermaus”) wurden sofort beschlagnahmt und in die “Zentralstelle für Denkmalschutz” verbracht. Die sehr zahlreichen übrigen Objekte beließ man zunächst in der Wohnung von Alice Meyszner, der Stieftochter von Johann Strauss, und stellte die Objekte unter die Obhut ihres deutschen Ehemannes, um diese im Juni 1939 zwecks Arisierung des nach Verständnis der Nürnberger Rassegesetze “Achteljuden” Johann Strauss Sohn durch eine im Juni erschienene beispiellose Hetzkampagne des antisemtischen Propagandablattes “Der Stürmer” öffentlich abzunötigen. Jüdische Erbschleicher / Juden und der deutsche Walzerkönig Johann Strauß / Die Machenschaften der Jüdin Meyszner-Strauß / Eine erbärmliche Talmuderei”

Unter dem unglaublichen Druck – die in einer Auflage von 500.000 erschienene dreiteilige “Stürmer”-Serie nannte Namen und die volle Adressse von Alice Meyszner – übergab Alice Meyszner ihre Sammlung am 19. Juni 1939 laut (Aufnahmeschrift) “schenkungsweise” in das Eigentum der Stadt Wien.

Mit einer Plakataktion des “Stürmer” auf Wiener Litfaßsäulen (Plakatgröße Din A 1) war zuvor für die “Stürmer”-Serie geworben worden.

Die “Zentralstelle für Denkmalschutz” wirkte zwischen 1938 und 1945 sowohl denkmalpflegerisch als auch den Wiener jüdischen Kunstbesitz “arisierend”.

Leiter der “Zentralstelle für Denkmalschutz” (ab 1940 “Institut für Denkmalpflege”) von 1938-1945 war der aus Hollabrunn stammende, 1938 der NSDAP beigetretene promovierte Kunsthistoriker und Jurist sowie “akademische Maler” Herbert Seiberl (1904-1952).

Der aus Kärnten stammende, zunächst auch für die “Zentralstelle” arbeitende, 1938 der NSDAP beigetretene Kunsthistoriker Walter Frodl (1916-1994) soll auf Anordnung der Nationalsozialisten Kunstwerke für Hitlers Linzer Museumsprojekt und für Kunstsammlungen führender Nazis zur Beschlagnahmung ausgesucht haben. Im Dezember 1939 soll Frodl bereits in Polen zur Beschlagnahme von Kunstwerken aus kirchlichem und privaten Besitz eingesetzt worden sein.

Von 1965-1970 war Walter Frodl Leiter des “Bundesdenkmalamt Österreich”.

Walter Frodl war verheiratet mit der Kunsthistorikerin und Fotografin Eva Kraft. 1997 erschien Eva Frodl-Krafts Buch “Gefährdetes Erbe Österreichs Denkmalschutz und Denkmalpflege 1918-1945 im Prisma der Zeitgeschichte” (Böhlau, Wien):

Der Zugriff auf den jüdischen und “staatsfeindlichen” und in der Folge auf den kirchlichen Kunstbesitz konnte sich, durch [österreichische] Gesetze gedeckt, quasi legal und ohne Behinderungen durch Rückgriffe der Betroffenen auf Rechtsmittel vollziehen. Schon 1938 werden nämlich die Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens und die Enteignung jüdischen Besitzes im Verordnungswege zu legalen Maßnahmen.

Die Enteignung jüdischen Kunstbesitzes vollzieht sich auf zwei Ebenen. Einerseits suchen die nach dem Novemberpogrom massenhaft zur Auswanderung entschlossenen bzw. gezwungenen Eigentümer um Ausfuhrbewilligung für ihre Kunstgegenstände nach dem geltenden Ausfuhrverbotsgesetz an, andererseits leiten staatliche Behörden (Bezirks- und Landeshauptmannschaften, das Amt des Reichsstatthalters) über Antrag der Zentralstelle wegen Verdachts der Übertretung des Ausfuhrverbotsgesetzes Sicherstellungen an, und Partestellen, vor allem die Gestapo, führen Beschlagnahmungen durch. [...]

Österreich war für die Abwicklung der Ausfuhrangelegenheiten [ab März 1938] viel besser gerüstet als das Altreich, dem ein generelles Ausfuhrverbotsgesetz fehlte.

Die Zentralstelle [für Denkmalschutz] hat nicht versäumt, diesen Sachverhalt dem Reichsstatthalter als der verantwortlichen Stelle darzulegen und mit allem Nachdruck vor einer in Angleichung an das Reich drohenden Aufhebung des österreichischen Ausfuhrverbots- und Denkmalschutzgesetzes zu warnen.

“Zentralstelle (Präs. Petrin): Zur Handhabung des Ausfuhrverbotsgesetzes, 27. Mai 1938 Betrifft: Verschärfung der Vorschriften über die Verbringung von Kunstgegenständen ins Ausland. Zu Zl. 183.514-I/38 vom 23.V.38. An das Amt des Reichsstatthalters in Österreich.

Das Österreichische “Denkmalschutzgesetz”, in welches im Jahr 2000 das bisherige “Ausfuhrverbotsgesetz für Kulturgut” aufgegangen war, verpflichtete auch Dr. Hilmar um Ersuchen einer Ausfuhrbewilligung für die sich bei ihm in Österreich 2007 und 2009 befundenen denkmalgeschützten “Aschenbrödel”-Autographe. Dr. Hilmar wird diese Ausfuhrbewilligung wohl nicht beantragt haben.

Dr. Hilmar kennt das DMSG. Für einen Verstoß gegen die Ausfuhrbestimmungen nennt das DMSG im Einzelfall unter §37 (2/1) eine Strafe von bis zu 700.000 Schilling (ca. 50.000 €). Demnach hätte Dr. Hilmar bei der zweimaligen widerrechtlichen Ausfuhr der “Aschenbrödel”-Autographe nach Deutschland zu Dr. Bodendorff 2007 und 2009 eine hohe Strafe befürchten müssen.

2007 wurde ein Teil (!) der aus der Wiener Rathausbibliothek veruntreuten “Aschenbrödel-Skizzen der “Landesbibliothek Coburg” von einer Person mit dem offensichtlich fingierten Namen “Prof. Heinrich Müller” per Post zur weiteren Verfügung einfach “überlassen”.

Ein anderer Teil (!) dieser veruntreuten “Aschenbrödel”-Skizzen wurde mir 2008 vom deutschen Musikwissenschaftler Dr. Werner Bodendorff zum Kauf angeboten.

Der mutmaßliche Veruntreuer wusste genauestens um die ideelle (wissenschaftliche) Bedeutung dieser Autographe.

Der in Plön lebende deutsche Anbieter war nach der Suspendierung des mutmaßlichen Veruntreuers (1994) bis 2004 dessen engster wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Der menschliche Kontakt blieb: Im Dezember 2007 erschien in der Zeitschrift “Das Orchester” eine Besprechung des Mitarbeiters Bodendorff über die 2007 erschienene von Ernst Hilmar herausgegebene “Hugo Wolf Enzyklopädie”.

Die Nähe der wissenschaftlichen und auch menschlichen Beziehung zwischen Ernst Hilmar und Dr. Bodendorff kommt im Vorwort Dr. Hilmars zu den von ihm 2003 “unter Mitarbeit von Werner Bodendorff” herausgegebenen Schubert-Dokumente Teilband II deutlichst zum Ausdruck, wenn es heißt:

Mit Hilfe eines einzigen verlässlichen Mitarbeiters (Dr. Werner Bodendorff) konnte schließlich der Kommentar [Band II] erstellt werden.

Am 2. Juni 2007 besuchte Dr. Hilmar das von Dr. Bodendorff geleitete “Sommerkonzert” des “Symphonischen Orchester Plön” in der Plöner Aula am Schiffsthal.

Hatte Dr. Hilmar die in Österreich unter Denkmalschutz stehenden widerrechtlich von ihm aus Österreich ausgeführten “Aschenbrödel”-Skizzen nach Plön “mitgebracht”?

Nach Einlassung Bodendorffs gegenüber der Staatsanwaltschaft Köln, habe er die Manuskripte 2007 zu Dr. Hilmar zwecks Begutachtung, ob es sich um Johann Strauss-Autographe handle, geschickt.

Autographen-Spezialisten und mit bedeutendsten Musikautographen umgehende Musikwissenschaftler – wie auch Dr. Hilmar und Dr. Bodendorff – versenden derart bedeutende Musikmanuskripte nicht mit der Post.

Die der LB-Coburg um diese Zeit herum anonym überlassenen Manuskripte konnten wegen der Anonymität nicht persönlich übergeben werden. Sie wurden mit der Post versandt.

Das Plöner Konzert endete mit dem Walzer “An der schönen blauen Donau”.

Die 1921 von “Zigeunerbaron”-Librettist Ignatz Schnitzer in seiner zweibändigen Johann Strauss-Biographie “Meister Johann” erwähnte und 1976 von Peter Kemp, 1992 von Prof. Dr. Eberhard Würzl und um 2000 von Prof. Michael Rot ob ihrer tatsächlichen Existenz hinterfragte angebliche Bearbeitung des “Donauwalzers” zu “Aschenbrödel” für Drehorgel und Orchester war Teil der von Dr. Bodendorff angebotenen Autographe!

Die bis zu Bodendorffs Angebot nicht nachgewiesene “Donauwalzer”-Bearbeitung (10 Seiten Partiturskizzen) wird mit zur Überführung beitragen.


Das ebenfalls 2007 erfolgte Überlassen der nicht inventarisierten Strauss-Autographe an die LB-Coburg musste infolge der von LB-Coburg dann angestellten Recherchen die Wienbibliothek alarmieren, wo man davon ausging, dass die Notenblätter der Wienbibliothek gehören.

Eine Nachfrage in Wien war durch das anonyme Zusenden an die LB-Coburg vorbestimmt.

Dessen wird sich der Absender bewusst gewesen sein.

Man darf von dessen Absicht, die Wienbibliothek aufzuschrecken, ausgehen.

Infolge Hilmars Suspendierung wurde sein von ihm konzipiertes Lebenswerk als Kopf der Wiener Schubert-, Johann Strauss- und Hugo Wolf-Forschung über seine Funtkion als Leiter der Musiksammlung der Wienbibliothek mit deren weltweit größten Handschriftensammlungen dieser Komponisten zerstört.

Anlässlich des Ankaufs der Sammlung Strauss-Meyszner durch die Stadt Wien im Januar 2002 und der im Folgejahr veranstalteten Ausstellung der Rathausbibliothek über die Sammlung wurden in der Pressekonferenz des Wiener Rathauses (31.01.2002) zum Ankauf und im Ausstellungskatalog zahlreiche/umgangreiche Skizzen zum Ballett “Aschenbrödel” als zum “Inhalt der Sammlung” gehörend genannt.

Hierdurch muss der Eindruck entstehen, dass die (1994 noch als fehlend vermerkten nicht inventarisierten) “Aschenbrödel”-Skizzen bei der Überprüfung der Inventare der Sammlung Meyszner in der Wiener Rathausbibliothek im Rahmen der ab 1999 eingesetzten Aufarbeitung dieser Sammlung infolge des Österreichischen Kunstrückgabegesetzes 1999/2000 gefunden (und inventarisiert) worden waren.

Bei der Generalrevison der Musiksammlung der Rathausbibliothek im Jahr 1994 (Suspendierung Ernst Hilmars) war nach Darstellung der Direktorin der Wienbibliothek, Dr. Sylvia Mattl-Wurm, das Fehlen der ["Aschenbrödel"-] Partitur vermerkt, aber nicht angezeigt worden (Kronen Zeitung Wien 11. Juni 2010: Kunst-Krimi um Strauss-Noten Musiker deckte Diebstahl auf)

Laut Bibliotheksstempel des in der Wienbibliothek wiedergefundenen “Aschenbrödel”-Konvoluts wurde dieses frühestens 2006 wiederentdeckt, da es den Stempel “Wienbibliothek im Rathaus” trägt. 2006 war die “Wiener Stadt- und Landesbibliothek” in “Wienbibliothek” umbenannt worden.

Das “Aschenbrödel”-Konvolut war wohl sogar erst 2009 (!) wiedergefunden worden. Hierauf lassen zwei Aussagen von Wienbibliotheksmitarbeiter und Strauss-Forscher Norbert Rubey und von Strauss-Familiensprecher und Obmann des Wiener Institut für Strauss-Forschung, Dr. Eduard Strauss, von 2009/2010 schließen.

Demnach wurde in der Rathauspressekonferenz und im Ausstellungskatalog “Die Sammlung Strauss-Meyszner” wohl bewusst ein unrichtiger Anschein erzeugt – nicht nachgewiesene und inventarisierte Autographe als vorhanden dargestellt.

Der mutmaßliche Veruntreuer der Autographe wusste dies.

Nach der Suspendierung forschte und publizierte Dr. Hilmar viele Jahre zunächst von Berlin gemeinsam mit seiner neuen jungen Lebensgefährtin, der Musikwissenschaftlerin (Dr.) Margret Jestremski (heute Lehrbeauftrage der Universität Würzburg), und Dr. Bodendorff von Augsburg aus.

Dr. Hilmar erlebte das vertuschende Vorgehen der Wienbibliothek im Rahmen der Überprüfung der Sammlung Strauss-Meyszner ab 1999 und den weiteren Prozess (Umbenennung der Bibliothek).

Wer verschenkt anonym Johann Strauss-Autographe, die zur selben Veruntreuungsmasse wie die mir 2008 angebotenen gehören? – Und warum ausgerechnet nach Coburg – laut Absender wegen der historischen Verbindung Coburg und Johann Strauss?

Wer schickte und überließ die Autographe der LB-Coburg? Dr. Hilmar, der Anbieter Dr. Bodenorff, eine andere Person?

Eine kriminaltechnische Untersuchung des Anschreibens von 2007 (graphologische Untersuchung – Handschrift?) wäre hier angeraten und könnte zur Klärung beitragen.

Bei der Generalrevision der Musiksammlung der Wiener Rathausbiblithek im Jahr 1994 hatte man die vor 1975 auf Anordnung des damaligen Musiksammlungsleiters Prof. Dr. Fritz Racek (1911-1975) als wissenschaftlicher Sonderbestand beiseitegelegte “Aschenbrödel”-Mappe wohl nicht gefunden.

Prof. Racek wollte das unvollendete Ballett wohl selber vollenden und im Rahmen der von ihm herausgegebenen “Doblinger Johann Strauss Gesamtausgabe” veröffentlichen.

Auf die damalige Bitte des mit Prof. Racek befreundeten Wiener Strauss-Forschers und Dirigenten Christian Pollack, das “Aschenbrödel-Material einsehen zu dürfen, soll Racek laut Pollack ablehnend geantwortet haben: Das Material ist gesperrt.

Raceks Tod am 14. August 1975 hatte die wohl geplante Vollendung und Herausgabe verhindert. Raceks Nachfoger als Leiter der Musiksammlung der WStuLB, Univ. Doz. Dr. Ernst Hilmar soll in seinem Büro eine Mappe mit der Aufschrift: Von Prof. Racek nicht vollendete Projekte verwahrt haben.

Die Wienbibliothek erstellte nach Abschluss der Untersuchung und Überprüfung der Inventare der Sammlung Strauss-Meyszner einen Bericht, trug diesen im September 2000 der “Wiener Rückstellungskommision” vor, die im Anschluss die Restitutierung der Sammlung an die Erben empfahl, was dann im Mai 2001 in einem formellen Akt geschah.

Nach Verhandlungen mit den Rechtsnachfolgern der Erben erwarb Wien die Sammlung Strauss-Meyszner im Januar 2002. Es folgte eine Ausstellung im Jahr 2003.

Mit der Umbenennung der Bibliothek 2006 wurde eine neue website erstellt, auf der die bisher auf der website der WStuLb eingestellten Darstellungen zur Untersuchung, Restituierung und Erwerb der Sammlung Strauss-Meyszner nicht mehr eingestellt wurden. Hiermit musste ein Vergessensprozess einsetzen.

Den Artikel “Die wechselhafte Geschichte der Sammlung Strauss-Meyszner in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek” von Wienbibliotheksmitarbeiter Mag. Christian Mertens erreicht man heute nur noch auf der website der Universität Heidelberg.

Die nicht inventarisierte “Aschenbrödel”-Mappe mit ursprünglich 611 Seiten “Partiturskizzen” war bis wohl 2006/2009? nur in der (1948 erstellten Bestandsliste (“Bestandsaufnahme”) der Sammlung Strauss-Meyszner s. Punk 6) nachgewiesen.

Diese “Bestandsliste” habe Dr. Hilmar in seinem privaten Tresor in seinem Büro in der Rathausbibliothek verwahrt, so der deutsche Musikwissenschaftler und Strauss-Forscher Prof. Norbert Linke, dem ab 1981 durch Dr. Hilmar ungehinderter Zugang zu den in der WStuLb verwahrten großen Strauss-Sammlungen gewährt wurde, und der seit 1981 dort sehr oft – ein Jahr lang fast täglich – forschte.

Dr. Hilmar weiß wie kaum ein Zweiter um die Bedeutung von Musikautographen. Er hatte kraft seiner Stellung ungehinderten Zugang zu den weltweit größten Handschriftensammlungen von Franz Schubert, der “Strauss-Dynastie” und Hugo Wolfs.

Die Welt (9. Februar 2012) “Der geklaute Bruckner”:

Bisher nicht bekannt:

Um und durch den ehemaligen Leiter der Musiksammlung der “Wienbibliothek im Rathaus” entwickelten sich durch den 2010 verstorbenen sehr bedeutenden und einflussreichen Strauss-Forscher Prof. Franz Mailer (Nachruf der Wiener Philharmoniker)

- mit der von Mailer ab 1992 initiierten, unter dem “Patronat der Wiener Philharmoniker” im Rahmen der “Strauss Edition Wien” entstehenden wissenschaftlichen “Neuen Johann Strauss Gesamtausgabe” der “Verlagsgruppe Hermann” und deren wissenschaftlicher “Edition Meisterwerke”

Vernetzungen, welche bis heute, z. T. auch negativ (!),auf höchsten Musikebenen – Wiener Philharmoniker, Nikolaus Harnoncourt, Franz Welser-Möst, Daniele Gatti, Regisseur Jürgen Flimm, styriate-Musikfestival Graz, Opernhaus Zürich, Wiener Staatsoper …. – wirken.

Dies klingt kompliziert und mag zunächst unverständlich erscheinen, wird aber im Verlauf meiner Darstellung deutlich.

Die “Neue Johann Strauss Gesamtausgabe” ist mit ihrer 2002/2003 erschienenen “wissenschaftlichen [!?]” “Aschenbrödel”-Ausgabe in peinlicher Weise betroffen.

Kurioserweise entstanden diese so mächtigen künstlerischen und geschäftlichen Vernetzungen aus den vergeblichen Bemühungen des Journalisten und Musikwissenschaftlers Franz Mailer, seine Rekonstruktionen von Johann Strauss-Werken (!) im Rahmen der 1967 begründeten wissenschaftskritischen “Doblinger Johann Strauss Gesamtausgabe” zu veröffentlichen!

Nach dem Tod von Prof. Racek im Jahr 1975 war die “Doblinger Johann Strauss Gesamtausgabe” ins Stocken gekommen.

Laut Prof. Linke, der mir über Mailers vergebliche Bemühungen berichtete, habe der Verlag Doblinger eine Überprüfung der Wissenchaftlichkeit der Mailer’schen Vorlagen verlangt.

In der Folge hätten dann nicht Prof. Mailer, sondern Prof. Linke und weitere Wissenschaftler bei Doblinger Strauss-Orchesterwerke herausgegeben: Prof. Linke den Walzer “Wiener Blut” und den “Einzugsmarsch” aus dem “Zigeunerbaron”.

Prof. Mailer hatte im Vorfeld der ersten “Coburger Johann Strauss Tage” (1992) der Landesbibliothek Coburg 1991 sein Archiv verkauft.

Zu diesem gehörten nach Darstellung des Coburger Tageblatt (27. Juli 1991) auch (handgeschriebene) Partituren von 90% aller Werke von Johann und Josef Strauss in .

Nach Mailers im “Coburger Tageblatt” wiedergegebener Darstellung sei durch sein Archiv in Coburg nun:

eine Strauß-Dokumentaion vorhanden, die in Deutschland jedenfalls einmalig, aber auch im Vergleich mit den bekannten Beständen in Frankreich, England, Schweden und in den Vereinigten Staaten von Amerika ohne Gegenstück ist.

Wien hat zwar mehr Originalmaterial, aber keine derart vollständige Sammlung von Dokumenten und Kompositionen.

Die Mailer-Partituren gelangten aber nicht nach Coburg in die Landesbibliothek (!), sondern nur Kopien der Jahresmappen seines Archivs mit den die Strauss-Dynastie betreffenden alten Zeitungsartikeln.

Die Partituren wurden stattdessen von Prof. Mailer an seinem Wohnort Waidhofen an der Ybbs zum Aufbau der “Strauss Edition-Wien” genutzt.

Eine Rechnung von Prof. Mailer an das Coburger DJSG-Ehrenmitglied (Deutsche Johann Strauss Gesellschaft) Dr. Friedrich Klose für das Aufführungsmaterial des Josef Strauss-Walzer “Frauenwürde” op. 277 belegt dies.

Während die Rechnung für die Notenausgabe oben den Stempel “Strauss-Archiv-Edition Friedrich – Jahn/Gasse 2/6 A-3340 Waidhofen an der YbbS” trägt, erscheint unten auf der Titelseite der noch recht improvisiert aussehenden Notenausgabe (klammergeheftete Computerdruckseiten) schon die Verlagsangabe “Strauss Edition Wien” Copyright 1993 Wien:

Prof. Mailer:

Es beibt Ihnen [Dr. Klose] frei gestellt, in wechem Ausmaß Sie sich an der Abdeckung der Kosten beteiligen. “Copyright 1993-Wien” (!)

1991 Artikel Coburger Tageblatt Ankauf des Mailer-Archivs durch die Lb-Coburg, 1993 “Strauss-Archiv-Edition” Waidhofen/Ybbs, Rechnung von Prof. Mailer an Dr. Friedrich Klose , Titel und S. 1 der Jos. Strauss Walzer “Frauenwürde” “Strauss Edition-Wien”.

Der idealistische Dr. Klose zahlte 2000 von 5623 DM.

Auf der ehemaligen Homepage der “Johann Strauss Gesellschaft Wien” (vor kurzem erneuert) wurde weltweit in mehreren Sprachen um Sponsoren für die “Neue Johann Strauss Gesamtausgabe” geworben. Der Name jedes Sponsors für die Kosten der Druckausgabe eines jeweiligen Johann Strauss-Orchesterwerkes würde auf dem Titel der Ausgabe genannt.

Ein Walzer kostet 6.000 €, eine Polka ……

Die Urheber-Einnahmen dieser fremdfinanzierten wissenschaftlichen Ausgaben fließen an den Verleger und Herausgeber.

In einer der Rechnung für die Ausgabe des Walzers “Frauenwürde” beiliegenden Briefkarte von Prof. Mailer an Dr. Klose nannte Mailer die komplette Finanzierung der “Strauss-Edition” über Sponsoren:

Normalerweise wird die Rechnung vom Sponsor beglichen.

Diese Briefkarte zeigt eine durchschaubare in bemerkenswert hemmungloser Weise verfolgte Strategie Mailers.

Prof. Mailer initiierte mit engster Anbindung an die “Wiener Philharmoniker” die Gründung der “Strauss Edition Wien” (1993) und die unter der Patronanz der “Wiener Philharmoniker” seit 1995 enstehende “Neue Johann Strauss Gesamtausgabe”. 1992 war Mailer zum Präsidenten der “Johann Strauss Gesellschaft Wien” gewählt worden. Mailer war es gelungen, den damaligen Vorstand der “Wiener Philharmoniker”, Prof. Werner Resel (ab MInute 4:00 in Phettbergs Nette Leit Show), für das Amt des Vizepräsidenten der JSG-Wien zu gewinnen, welches Prof. Resel bis heute ausübt.

“Strauss Editons”-Verleger Alexander Hermann war – wie er mir am 20. März 2010 auf dem gemeinsamen Weg zum Geburtstagskonzert Pierre Boulez/Wiener Philharmoniker selber sagte – Instrumentalschüler (Saxophon/Klarinette) des früheren Geschäftsführers der Wiener Philharmoniker, Prof. Peter Schmidl: Ich machte mein Diplom bei Professor Schmidl.

Auf der website der “Verlagsgruppe Hermann” erfährt man, dass sich das 1989 von Alexander Hermann gegründete Label “Edition Contemp Art” als Spezialverlag für Saxophon-Literatur 1992 mit der Veröffentlichung ausgewählter Werke von Josef Strauss unter dem Namen “Strauss Edition Wien” einen völlig neuen Geschäftsbereich erschloss.

In einem Interview des “Waidhofner Kammerorchester” stellte Prof. Mailer anlässlich seiner Moderation der vier Neujahrskonzerte 2002 die Entwicklung gegenüber Ursula Magnes von “Radio Stephansdom” selbst wie folgt dar:

Ich wollte den Erfolg immer für Strauß haben, unabhängig von der Wissenschaft. Verkaufen muss ohnedies der Dirigent.

Wie entstand der Kontakt zu den Wiener Philharmonikern?

Ich hab begonnen die nicht vorhandenen Partituren auszuschreiben! Es sind ja zum Großteil nur Stichvorlagen, welche seinerzeit an den Verleger gingen, erhalten. Also musste man sich auf die Erstausgaben beziehen.

Nach der Erkrankung von Willi Boskovsky, der das Neujahrskonzert von 1955 – 1979 als musikalischer Verkäufer ersten Ranges ohne viel Aufhebens aus der Geigenstimme dirigierte (Josef Strauss “Ohne Sorgen” Boskovsky 1974), wollte sein Nachfolger Lorin Maazel 1980 mehr, und genauer Bescheid wissen. (Josef Strauss “Auf Ferienreisen” Maazel 1984)

Ich hatte das Material und die Partituren.

Herbert von Karajan brauchte niemanden der ihm sagt, wie er dirigieren soll – verwendete aber mein Material. (Johann Strauss “An der schönen blauen Donau” Karajan 1987)

Riccardo Muti bedankte sich sogar brieflich bei mir. Vor seinem ersten Neujahrskonzert 1993 hat er beim Vorspielen der Werke in unserer Wohnung meine Körpersprache genau beobachtet. Im Anschluss meinte er, jetzt sei ihm klar wie die Stücke zu dirigieren seien. (Johann Strauss “Auf der Jagd” Muti 1993)

Wie erweiterte sich Ihr umfassendes Strauß-Archiv? Wo wurden Sie fündig?

Ich habe aus der ganzen Welt Material bekommen, beispielsweise aus Boston.

Ein besonderer Glücksfall war Coburg. Um seine Frau Adele, geb. Deutsch, heiraten zu können, wurde Johann Strauß 1887 Coburger Staatsbürger. Umgeben vom Eisernen Vorhang entdecken sich die Coburger als Straußstadt, und die Landesbibliothek Coburg konnte mit freigestellten Geldmitteln Material ankaufen.

Viel habe ich mit privaten Mitteln, nicht immer zur Freude meiner Familie, zusammengekauft.

Es sind ja leider nicht alle Originalnoten erhalten, oft nur Klavierauszüge.

Manchmal führt der Zufall Regie:

Durch einen aufmerksamen Archivar im österreichischen Rundfunk gelangte ich zu einer Mappe mit Stichvorlagen von Josef und Johann Strauß, also Quellen zweiter Ordnung!

Nach der Erkrenkung von Willy Boskowsky im Jahr 1979 wurde Prof. Mailer von den “Wiener Philharmonikern” als deren Konsulent mit der Programmgestaltung der Neujahrskonzerte betraut.

Nachdem die Neujahrskonzerte der Wiener Philharmoniker 24 Jahre lang höchst erfolgreich vom Konzertmeister der WPh geleitet worden waren, entschloss man sich Dirigenten von Weltgeltung einzuladen. Zunächst dirigierte Lorin Maazel von 1980 – 1986. Dann folgte Herbert von Karajan mit seinem einzigen, legendären Neujahrskonzert zwei Jahre vor seinem Tod.

Seitdem reichten sich Claudio Abado, Daniel Barenboim, Nikolaus Harnoncourt, Mariss Jansons, Carlos Kleiber, wieder Lorin Maazel, Zubin Mehta, Riccardo Muti, Seji Ozawa, Georges Pretre und Franz Welser-Möst auf Einladung der Wiener Philharmoniker den Taktstock weiter.

Prof. Mailer initiierte Internationele Johann Strauss Begegnungen der internationalen Johann Strauss Gesellschaften. Die erste fand 1983 in Wien statt, die zweite 1985 in Stoockholm, die dritte 1987 in Coburg, die vierte 1989 in London. Es wurde so ein bis nach Japan reichendes Vernetzungsgebäude der Strauss-Interessierten und Anhänger geschaffen.

Zunächst alle zwei Jahre, später alle drei fanden ab 1992 die “Coburger Johann Strauss Tage” statt. Hier trafen sich Strauss-Anhänger aus der ganzen Welt. Die Strauss-Forschung war kaum bis nicht repäsentiert.

Die “Johann Strauss Gesellschaft Wien” veröffentlichte anlässlich ihres 70-jährigen Gründungsjubiläums in ihrem Mitteilungsblatt “Wiener Bonbons” eine mehrteilige Darstellung ihrer Geschichte. In Teil IV “Der ungeahnte Aufschwung” (1992-2005) wird die enorme Entwicklung der JSG-Wien unter der Präsidentschaft von Prof. Mailer dargestellt. Das Photo auf der zweiten Seite zeigt Prof. Dr. Clemens Hellsberg, den jetzigen Vorstand der Wiener Philharmoniker, Dirigent Riccardo Muti, Prof. Mailer und Prof. Resel bei der Präsentation der “Neuen Johann Strauss Gesamtausgabe” 1997 im “Herbert von Karajan Centrum” Wien. Am Ende der zweiten und Beginn der dritten Seite wird die Entstehung der NJSGA dargestellt:


Ein Neuanfang einer Johann Strauss Gesamtausgabe wurde geplant. Dank der Wertschätzung und des Ansehens, dass Prof. Mailer bei den Wiener Philharmonikern genoss – 1992 war es ihm gelungen, deren Vorstand, Prof. Werner Resel, für das Amt des Vizepräsidenten der JSG-Wien zu gewinnen – übernahm das Orchester die Patronanz über eine Gesamtausgabe der Werke von Johann Strauss. Man erstellte einen Finanzierungsplan und bemühte sich, Sponsoren zu finden. In Alexander Hermann fand sich ein junger Wiener Verleger, der reges Interesse an der Durchführung dieses Projekts bekundete. 1995 kam es zum Vertragsabschluß mit ihm.

Alexander Hermann hatte bereits 1992 die “Strauss Edititon-Wien” mit der Herausgabe ausgewählter Werke von Josef Strauss nach handschriftlichen Partituren der “Strauss-Archiv-Edition” Waidhoden an der Ybbs in enger Zusammenarbeit mit Prof. Mailer begründet.

Während die ursprünglich im Auftrag der “Johann Strauss Gesellschaft Wien” mit Herausgeber Prof. Dr. Fritz Racek (Leiter der Musiksammlung der Wiener Rathausbibliothek von 1945-1975) begründete “Doblinger Johann Strauss Gesamtausgabe” noch in enger Abstimmung zwischen der Rathausbibliohtek und der JSG-Wien entstand, entsteht die “Neue Johann Strauss Gesamtausgabe” zwar ebenso im Auftrag der JSG-Wien aber nicht mehr in der ehemaligen Abstimmung.

Die JSG-Wien schreibt auf ihrer website: Seit 1995 entsteht die Neue Johann Strauss Gesamtausgabe. Sie ist die erste wissenschaftskritische und authentische Notenausgabe der Werke von Johann Strauss in der Musikgeschichte.

Die von Raceks Nachfolger, Dr. Ernst Hilmar, 1987 gegründete und geleitete “Arbeitsgemeinschaft Johann Strauss Werkverzeichnis”, aus der 1989 das ebenfalls von Hilmar geleitete “Wiener Institut für Strauss Forschung” WISF hervorging, setzt nach Kündigung des Doblinger-Vertrages seitens der JSG-Wien die Herausgabe der “Doblinger Johann Strauss Gesamtausgabe” fort.


Erhebliche Differenzen in der Wiener Strauss-Forschung entstanden auch infolge der Forschungsergebnisse von Prof. Linke, dem Dr. Hilmar ab 1981 uneingeschränkten Zugang zu den in der Wienbibliothek verwahrten in der NS-Zeit abgenötigten bzw. beschlagnahmten großen Strauss-Sammlungen Meyszner und Simon gewährt hatte.

Prof. Linke veröffentlichte seine für die Strauss-Forschung äußerst provozierenden Ergebnisse in seinem 1987 erschienenen Buch “Musik erobert die Welt” (keine Fußnoten, kein Register !).

Mit einem mit “streng geheim” überschriebenen Brief (Januar 1988, maschinenschriftliche Auszüge) an den damaligen 2. Vorsitzenden der “Deutschen Johann Strauss Gesellschaft”, Werner Abel, begann Prof. Mailer, den Vorstand der DJSG gegen ihren Vorsitzenden aufzuwiegeln.

Prof. Mailer schreibt in diesem Brief von einer

Allianz Linke/Hilmar [...] Wir haben so viel zu tun, so große Aufgaben vor uns, daß wir “Linkisches” nicht brauchen können. Hoffentlich wird das auch in der Deutschen Johann Strauß Gesellschaft so gesehen.

In einer auf demselben Blatt notierten Notiz über ein Telefongespräch des DJSG-Vorstandsmitgliedes Inge Röhre mit Dr. Eduard Strauss, Urgroßneffe des Walzerkönigs und Familiensprecher, heißt es bezugnehmend auf Frau Röhres Angriffe gegen Prof. Linke

Lob und Anerkennng – aber aus diplomatischen Gründen nicht offiziell, nur intern.

Scharfer persönlicher Angriff, viel Mut bewiesen. Bei evtl. Publikationen die Gegenstände noch schärfer herausarbeiten.

Mailer wurde es bei Lektüre von Linkes Buch schlecht, Edi ebenfalls.

Kritik aus Wien wird nicht zu scharf sein, können ihn nicht vergraulen, ist ja immerhin Forscher. In Wien nicht glücklich über Linkes Buch.

“Beschwerend (!)” aus Sicht einflussreicher Mitglieder der DJSG kam noch hinzu, dass Prof. Linke in den DJSG-”Flugschriften” (Heft 13/1988) – als weltweit erster (!) – über die 1939 durch eine dreiteilige Artikelserie des antisemitischen Hetzblattes “Der Stürmer” (Herausgeber Julius Streicher) erfolgte “Arisierung” des nach Verständnis der Nürnberger Gesetze “Achteljuden” Johann Strauss und die durch diese Serie efolgte Abnötigung der großen Strauss-Sammlung von Strauss’ Stieftochter, Alice Meyszner, (ausführlich) mit Wiedergabe der kompletten dreiteiligen Artikelserie publizierte.

Der englische Strauss-Forscher und langjährige Präsident der “Johann Strauss Society of Great Britain”, Peter Kemp, erwähnt am Beginn seiner Strauss-Biographie (deutsche Übers. 1987) zwar das auf den Wiener Litfaßsäulen für die “Stürmer”-Serie werbende “Stürmer”-Plakat, geht dann aber nicht näher auf die “Stürmer”-Kampagne ein.

Prof. Linke wusste über die Hintergründe der Sammlung Strauss-Meyszner durch seine durch Dr. Hilmar ermöglichten Forschungen in der “Wiener Stadt- und Landesbibliothek”.

In Wien nannte man die Abnötigung der Sammlung durch den “Stürmer” erstmals 2003 (!): im Katalog der Ausstellung “JOHANN STRAUSS ENT-ARISIERT Die Sammlung Strauss-Meyszner: Impulse für Forschung und Interpretation”.

In der die Ausstellung ankündigenden Meldung der Stadt Wien hieß es weniger konkret:

Nach einer beispiellosen Hetzkampagne der Nationalsozialisten wurden Alice Meyszner-Strauss die ihr gehörigen Materialien aus dem Besitz ihres Stiefvaters Johann Strauss (Sohn) abgenötigt und gelangten so in den Besitz der Stadt Wien.

Im Januar 2002 war die 2001 restituierte Sammlung Strauss-Meyszner von den Rechtsnachfolgern der Erben durch die Stadt Wien für 73 Millionen Schilling (ca. 5,3 Mill. €) erworben worden.

In der Pressekonferenz des Wiener Rathauses zum Ankauf der Sammlung hatte es am 31. Januar 2002 Zur Geschichte der Sammlung Strauss-Meyszner noch geheißen

Die Sammlung wurde in der NS-Ära, am 21. April 1939 “sichergestellt” und als “Geschenk” in das Eigentum der Stadt Wien übertragen.

Zum Inhalt der Sammlung wurde angegeben:

Abgesehen von den bereits genannten Autographen umfasst die Sammlung u.a. Tanzmusikwerke wie die Walzer “Groß-Wien”, “Märchen aus dem Orient” und “Hochzeitsreigen”, sowie eine große Anzahl von Skizzen, wie jene zum unvollendeten Ballett “Aschenbrödel”.

Wie mir Wienbibliotheksmitarbeiter Norbert Rubey Ende Dezember 2009 auf Nachfrage mitteilte, hatte man die in der Wienbibliothek (vor 1975) abseits gelegte nicht inventarisierte “Aschenbrödel”-Mappe erst vor kurzem (2009?) wiedergefunden.

Warum wurden dann bereits Ende Januar 2002 umfangreiche Skizzen zu “Aschenbrödel” – obwohl damals nicht nachweisbar – als zum Inhalt der Sammlung Strauss-Meyszner gehörend vorhanden genannt?

Die veruntreuten “Aschenbrödel”-Autographe waren Bestandteil dieser Mappe.

Wie ich infolge des im September 2011 durch die Wienbibliothek ins Netz gestellten Strauss-Portal ermitteln konnte – ich bin im Besitz der Kopien sämtlicher der LB-Coburg 2007 überlassenen und mir 2008 angebotenen Autographe – stammen zumindest Teile der der LB-Coburg überlassenen und mir angebotenen Autographe aus derselben Veruntreuungsmasse.

Die “Aschenbrödel”-Mappe der Wienbibliothek besteht heute nur noch aus 14 mit zweibuchstabigen Kürzeln versehenen “Teilkonvoluten”.

Der LB-Coburg und mir wurden “Aschenbrödel”-Partiturskizzen aus dem in der “Aschenbrödel”-Mappe nicht mehr vorhandenen/aufgelisteten Teilkonvolut mit der Doppelbuchstabenkennung “FC” überlassen/angeboten! der LB-Coburg überlassene und eine von Dr. Bodendorff angebotene “Aschenbrödel”-Partiturskizze, zweibuchstabiges Kürzel “FC” von selber Hand

Bemerkenswert bezüglich der verschleiernden Maßnahmen seitens der Wienbibliothek: am Schluss des im weiteren Verlauf genannten Artikels der großen Wiener Sozietät Fellner Wartzfeld & Partner Rechtsanwälte GmbH zur Rückholung verschwundener Notenblätter von Johann Strauss Das unvollendete Ballett Aschenbröd[e]l (18. Februar 2011) ist eine “Aschenbrödel”-Partiturskizze mit der “Aschenbrödel”-Teilkonvolut-Kennung “FC” abgebildet!

Diese Partiturskizze trägt die handschriftlichen Paginierungszahlen “67″ (groß Bleistift, J. Strauss) und “3″ (klein rote Tinte, fremde Hand) und ist die erste der von Venator & Hanstein angebotenen lückenlos von 67 bis 100 paginierten Partiturksizzen zum 1. Akt von “Aschenbrödel”:

Enthält einen Partiturentwurf zum 1. Akt des Balletts Aschenbrödel. 24 Systeme. Mit Paginierung 67-100. [...] Mit rotem und blauem Farbstift Korrekturvermerke bzw. Linien, von fremder Hand in roter Tinte die Paginierung 3-28.

Die von Köln nach Wien zurückgeholten “Aschenbrödel”-Skizzen sind bisher nicht in “Strauss-Online” eingestellt. “Aschenbrödel/Ausw. 14 Teilkonvolute” – darunter kein Teilkonvolut mit Kennung “FC”!

Die Kopie der im Artikel von Philipp Haller abgebildeten “Aschenbrödel”-Partiturskizze (pag. 67/3) kann “Fellner Wratzfeld&Partner” nur von der “Wienbibliothek im Rathaus” erhalten haben.

Nachdem man Prof. Linke Ende 1990 aus der “Deutschen Johann Strauss Gesellschaft” heraus intern “signalisiert” hatte, dass er keine Chance zur Wiederwahl als 1. Vorsitzender bei den im März 1991 stattfindenden Vorstandswahlen der DJSG habe, trat er nicht mehr an.

Es wurde dann Konzertmeister Arthur Kulling, der bereits seit 1987 jährlich mit seinem “Alt-Wiener Strauss-Ensemble” in Coburg aufgetreten war, zum 1. Vorsitzenden und der Leiter des Coburger Kulturamtes, Albrecht Tauer, in den neuen Vorstand der DJSG gewählt.

Die für Anfang Juli 1992 fest terminierten, zusammen mit Kulturamtsleiter Abrecht Tauer konzipierten ersten “Coburger Johann Strauss Tage” erhielten infolge des Wechsels im Vorstand der DJSG so ein anderes (nun populistisches) Programm, als ursprünglich von Prof. Linke konzipiert.

“Die Fledermaus” (Heft 3, Mitteilungsblatt des Wiener Institut für Strauss Forschung) berichtete im September 1991 über die Coburger Veränderungen:

Das in der vorigen “Fledermaus” angekündigte Strauss-Symposium in Coburg – im Einvernehmen mit Dr. Jürgen Erdmann und Universitätsprofessor Norbert Linke hatten sich das Wiener Institut für Strauß-Forschung und die Universität Duisburg gemeinsam an der Planung beteiligt; das Projekt wurde von der Deutschen Forschungs-Gesellschaft zur Bezuschussung befürwortet! – findet nicht statt.

Die für Anfang Oktober 1991 geplante “Johann Strauss-Festwoche”, in die es eingebettet war, wird nun vom 3. – 9. Juli 1992 unter de Titel “Coburger Johann Strauss Tage” veranstaltet.

Leider mußte das Symposium einer nicht denselben wissenschaftlichen Anspruch erhebenden Programmgestaltung weichen. (S. 81)

In Coburg hätte nach Vorstellung von Prof. Linke und seitens des von Ernst Hilmar geleiteten “Wiener Institut für Strauss Forschung” neben dem WISF offensichtlich eine weitere (internationale) Strauss-Forschungsplattform entstehen sollen.

Prof. Mailer setzte sich bezüglich Coburg mit “seinen” Vorstellungen durch.


Die folgende Darstellung zeigt die mächtigen Vernetzungen, deren Entstehung und wichtige – wäre es nicht belegbar – kaum zu glaubende Zusammenhänge, u.a. auch das angestrebte große Geschäft mit von Deutschland (Kassel) aus weltweit vertriebenen Leih-Orchestermaterialien – großenteils auch im Ausland erstellter – wissenschaftlicher Notenausgaben.

Nur das deutsche Urheberrecht kennt “Wissenschaftliche Ausgaben”. Deshalb erfolgt die Vermarktung über Deutschland.

wikipedia “Schutz Wissenschaftlicher Ausgaben” :
Dieses Leistungsschutzrecht gewährt dem Verfasser einer wissenschaftlichen Edition eines an sich gemeinfreien Werkes oder Textes dieselben Rechte wie dem Schöpfer eines Werkes im urheberrechtlichen Sinne, mit dem Unterschied, dass anstelle der Regelschutzfrist eine kürzere Schutzfrist gilt [25 Jahre]. Es wurde 1965 in Deutschland eingeführt.

Das teure Orchester-Leihmaterial der im Autographendiebstahlsfall (autographe Partiturskizzen zu Johann Strauss’ unvollendetem Ballett “Aschenbrödel”) betroffenen “Strauss Edition Wien” wird über den Verlag Alkor/Bärenreiter (Kassel) vertrieben, ebenso das Notenmaterial für das nun von Sir Simon Rattle vorgestellte rekonstruierte Finale der 9. Bruckner.

Im Falle des Verwendens der “Strauss-Editions”-Ausgabe “Aschenbrödel” (Orchesterleihmaterial Alkor) würde man – wie sich infolge der veruntreuten Autographe gezeigt hat – eine teilweise andere Musik als die von Johann Strauss komponierte spielen. Das Orchester-Leihmaterial wird trotz Kenntnis der Mängel unverändert angeboten.

Hier regieren offensichtlich nicht musikwissenschaftliche sondern kommerzielle Interessen.

Verleger Alexander Hermann formuliert die Qualitätsansprüche seiner “Strauss Edition Wien” auf seiner website:

Die Neue Johann Strauss Gesamtausgabe und die Neuausgaben Josef, Eduard und Johann Strauss Vater sind wissenschaftlich kritische Neuausgaben auf höchstem editorischen Niveau und nach zum Teil neu entwickelten wissenschaftlichen Methoden.

Der abgedruckte Notentext ist so weit wie möglich den Hauptquellen entsprechend wiedergegeben, jedoch mit den für notwendig erachteten Berichtigungen und Ergänzungen. Bei der Bewertung der Quellen orientiert sich die Strauss Edition Wien an den bisher vorliegenden Ergebnissen der Straussforschung ebenso wie an der von ihr selbst durchgeführten Quellenforschung, wobei alle weltweit auffindbaren zeitgenössischen Quellen berücksichtigt werden. Hauptquellen sind die wenigen Autographe, die Stichvorlagen und Erstdrucke von Orchesterstimmen oder Partituren.

Herr Hermann müßte die “Aschenbrödel”-Ausgabe zurückziehen.

Die Wiener Staatsoper verwendete für ihre “Aschenbrödel”-Produktion 1999 das hauseigene – auch nicht Strauss’ Willen letztlich wiedergebende – Uraufführungsmaterial von 1901 (2. Vollendungsfassung von Josef Bayer), welches zur Wiener Erstaufführung (1908) erworben wurde.

Choreograph Renato Zanella veränderte 1999 die ohnehin nicht authentische Werkwiedergabe zusätzlich durch Einfügen einer weiteren neuen Rolle: Johann Strauss selbst. Dieser spielt auf einem Leierkasten seinen Walzer “An der schönen blauen Donau”.

Hiermit griff Zanella eine bis heute unbeantwortete Frage auf:
Laut Szenar des Librettisten Kollmann sollte auch der 1867 geschriebene Walzer “An der schönen blauen Donau” im ersten Akt von einem Werkelmann [Leierkastenspieler] als Rundtanz gespielt werden (Peter Kemp booklet der Weltersteinspielung National Phiharmonic Orchestra Richard Bonynge, Decca). Strauss soll sich anfangs geweigert, aber schließlich nachgegeben haben; allerdings legte der Verlag, dessen Eigentum der “Donauwalzer” damals war, ein Veto ein. Im 1900 erschienenen Klavierauszug begnügte man sich mit den ersten vier Takten des Walzers und schrieb darüber Der Werkelmann spielt den Walzer “An der schönen blauen Donau”.

Was wurde damals gespielt? Wurde überhaupt ein Teil des “Donauwalzers” gespielt? Hat Strauss seinen “Donauwalzer” für “Aschenbrödel” wirklich für Drehorgel bearbeitet?

Der bedeutende Strauss-Forscher Prof. Eberhard Würzl ging in seinem 1992 in “Die Fledermaus” (Mitteilungsblatt 4 des damals von Ernst Hilmar geleiteten “Wiener Institut für Strauss Forschung” WISF) veröffentlichten Artikel “Die aschgraue Donau Eine Berichtigung” dieser Frage nach.

In den alten handschriftlichen Orchesterstimmen der Hofoper hatte Würzl keine musikalischen Hinweise gefunden.

Dieser Artikel von Prof. Würzl ist für die Aufklärung der “Aschenbrödel”-Veruntreuung von hoher Bedeutung.

Gegen Ende seines Beitrages schreibt Würzl:
Es darf wohl angenommen werden, dass Strauss seine berühmsteste Schöpfung nicht einem Werkelmann, sondern dem Orchester anvertrauen wollte. Ob die Neufassung der “Blauen Donau” (sozusagen “Die aschgraue Donau”) von Strauß noch vollendet werden konnte, ist ungeklärt. [...] Dies und vieles andere soll künftigen Forschungen vorbehalten bleiben.

Zum Abschluss folgt Würzls Erklärung, dass es nur darum ging seine Fehlleistung von 1989 einzugestehen und den wahren Sachverhalt soweit wie möglich darzustellen.

Hiermit bezog sich Würzl auf seine im 1989 erschienenen “Katalog der Sammlung Hans P. Wertitsch in der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliotek” gemeinsam mit Prof. Mailer (feuilletonistischer Teil) veröffentlichten wissenschaftliche Studie über die von ihm im Artikel “Die aschgraue Donau eine Berichtigung” 1992 besprochenen Skizzen, welche er im Wertitsch-Katalog der Entstehungszeit des Walzers op. 314 “An der schönen blauen Donau” – dem Jahr 1867 – zugegeordnet hatte.

Der Nachweis der richtigen Zuordnung war Ernst Hilmar zwischen 1989 und 1992 gelungen.

Würzl schrieb 1992 hierüber in seinem Artikel:
So bedeutend dieses Ergebnis für die Strauß-Forschung ist, so peinlich ist es für den Autor des folgenden Beitrags. [...] Einem Strauß-Forscher, der ernstgenommen werden will, hätte dies nicht passieren dürfen. So bleibt ihm nun nichts anderes übrig, als eine Wiedergutmachung in Form der vorliegenden Publikation. Sein besonderer Dank gilt Ernst Hilmar für dessen selbstlose kollegiale Hilfe.

2008 wurden mir als damaligem Vorsitzenden der “Deutschen Johann Strauss Gesellschaft” neben 52 weiteren autographen Seiten sämtliche autographen Partiturskizzen von Strauss’ “Aschenbrödel-Donauwalzer”-Bearbeitung (!) vom deutschen Musikwissenschaftler Dr. Werner Bodendorff – nach Dr. Hilmars Suspendierung 1994 dessen engster wissenschaftlcher Mitarbeiter – für die DJSG zum Kauf angeboten.

Nach Rückholung der von Bodendorff 2010 beim Kölner Autkionshaus Venator & Hanstein zur Versteigerung eingereichten Autographe nach Wien im Frühjahr 2011 – das Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Köln gegen Dr. Bodendorff wegen des Verdachts der Hehlerei wurde im Dezember 2010 eingestellt – wurden von einem Computer aus der Österreichischen Nationalbibliothek in den wikipedia-Artikel Bodendorffs angebliche Verdienste um die Rückholung eingestellt:
In den Jahren 2009 und 2010 erwarb sich Bodendorff besondere Verdienste um die Rückstellung veruntreuter Autographe von Johann Strauss aus den Beständen der Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus. Zu erwähnen ist hier ein von ihm in Augsburg aufgefundenes Konvolut von Skizzenblättern aus dem Ballett “Aschenbrödel”.

Nach Entdecken dieser Darstellung wurden diese Sätze aus dem wikipedia-Artikel entfernt und der Vorgang kommentiert.

Gegenüber der Staatsanwaltschaft Köln hatte sich Dr. Bodendorff 2010 eingelassen, er habe die von ihm bei Venator & Hanstein eingereichten Autographe 1998, 1997 ggf. früher von einer ihm unbekannten männlichen Person bei der Auflösung eines Nachlasses einer Wohnung in der Augsburger Altstadt erworben.

Bei seinem Angebot 2008 hatte sich Bodendorff auf die “Donauwalzer”-Skizzen bezogen:
Bei mir zu Hause liegen einige Strauß-Autographe, die ich gerne veräußern möchte. Es handelt sich hierbei um mehrere mit Bleistift geschriebene Partiturskizzen, unter anderem auch vom berühmten Thema des Donau-Walzers und anderen (Operetten-)Werken. Ob es sich bei dem in der Partitur großzügig angelegten Thema um eine Frühfassung handelt oder ob diese in eine andere Komposition hätte mit einfließen sollen, kann ich nicht sagen.

Ihm als im Editieren zahlreicher wissenschaftlicher Schubert-Ausgaben (Carus-Verlag) erfahrenem Musikwissenschaftler hätte auffallen müssen, dass sich die von ihm angebotenen “Donauwalzer”-Skizzen von der auf ihnen angebrachten zweifachen handschriftlichen Paginierung (Johann Strauss und fremde Hand) lückenlos in die Seiten 67-100 des von ihm angebotenen Konvoluts einreihen.

Somit konnte sich die Frage ob Frühfassung des “Donauwalzers” oder beabsichtigter Bestandteil für eine andere Komposition für Bodendorff eigentlich gar nicht stellen.

Für Prof. Würzl gab es 1989 diese Frage bezüglich der Wertitsch-”Donauwalzer”-Skizzen nicht. Er ordndete sie der Entstehungszeit des “Donauwalzer” zu. Dann wurde Würzl von Ernst Hilmar eines besseren belehrt.

Mit seiner Frage der Zuordnung der von ihm angebotenen “Donauwalzer”-Skizzen berührt Bodendorff – sehr ungeschickt – höchstwahrscheinlich den Kern des “Aschenbrödel”-Falles.

Diese “Aschenbrödel”Partiturskizze (Schluss des ersten Teils des ersten Walzers von “An der schönen blauen Donau”) aus den von der Wienbibliothek zwischen 1989 und 1992 erworbenen vier Blättern “Aschenbrödel”-Donauwalzer-Skizzen der großen Sammlung des sehr bedeutenden Musikautographensammlers Hans Peter Wertitsch ist passgenau zu den von Bodendorff angebotenen “Donauwalzer”-Skizzen. Anstelle der von Strauss auf den Wertistch-Skizzen persönlich vermerkten “nöthigenfalls Einschaltung” gehören die von Bodendorff angebotenen mit 72 -79 von Strauss paginierten Seiten. Die von Strauss mit 68 – 71 paginierten Seiten reihen sich vor die Wertistch-Skizze.

Die bis 20.08 [!] nicht nachgewiesene Original-Bearbeitung des “Donauwalzers” für Leierkasten und Orchester wird mit zur Überführung der Täter führen.

Die originale “Aschenbrödel-Donauwalzer-Berbeitung” für Drehorgel und Orchester (10 Seiten) und weitere 52 Seiten Skizzen zu “Aschenbrödel” befanden sich im November 2009 bei Ernst Hilmar in Klagenfurt. Von hier führte Hilmar die unter Denkmalschutz stehenden veruntreuten Autographe ohne Ausfuhrbewilligung widerrechtlich nach Deutschland zu Bodendorff aus. Dieser reichte sie bei 2010 Venator & Hanstein zur Versteigernung ein.

Hilmar musste wie kein Zweiter über diese gestohlenen “Aschenbrödel”-Autographe wissen, im Besonderen über die “Donauwalzer”-Bearbeitung.

Als ich Wienbibliotheksmitarbeiter Norbert Rubey im Dezember 2009 fragte, warum man in der “Aschenbrödel”-Angelegenheit erst so spät tätig geworden sei, antwortete er mir, dass man die auf Anordnung des früheren Musiksammlungsleiters Prof. Dr. Fritz Racek seinerezeit in der Bibliothek beisetegelegte “Aschenbrödel”-Mappe erst kürzlich (2009?) wiedergefunden habe.

Auf meinen Einwand, dass Dr. Hilmar doch bereits 1994 suspendiert worden sei, meinte Rubey: Dr. Hilmar wurde nicht wegen Verlusten sondern wegen Anschaffungsproblematiken suspendiert.

Die “Österreichische Nationalbibliothek” und die “Wiener Stadt- und Landesbibliothek” haben wiederholt bedeutende Musikautographe von Hans Peter Wertitsch erworben.

Bezüglich der Wertitsch-”Donauwalzer”-Skizzen darf/muss man nach einer Erklärung solch haargenauer Passung mit den veruntreuten “Aschenbrödel-Donauwalzer”-Manuskripten fragen.

Der mit Wertitsch befreundete Hilmar und der mit Hilmar befreundete Verleger und Musikantiquar Dr. h.c. Hans Schneider/Tutzing sollen Hans Peter Wertitsch beim Erwerb der Musikautographe beraten haben.

In ihrem Geleitwort zum Katalog der Sammlung Wertitsch ging die Generaldirektorin der “Österreichischen Nationalbibliothek”, Dr. Magda Strebl, ausführlich auf Wertitsch besonderen Verdienste und dessen sehr umfangreiche und hoch bedeutende Musikautographensammlung ein. Zur Eröffnung des von Wertitsch initiierten, organisierten und finanzierten “Internationalen Symposium Musikautographe” (Wien, 5.-8. Juli 1989) im Prunksaal der ÖNB wurde der 502 Seiten umfassende Katalog der Sammlung Wertitsch (Schneider/Tutzing) der Öffentlichkeit vorgestellt.

In welcher Gestalt mag das Ballett “Aschenbrödel” in einer neuen wissenschaftlichen, dem wirklichen Willen von Strauss entsprechenden Ausgabe erscheinen und klingen? Der Titel des Ballettes erhält in diesem Fall – auf das Werk bezogen – seine ureigene Bedeutung.

Zur Erarbeitung der angebotenen Partitur um das Jahr 2000 waren sämtliche 611 Seiten autographe Skizzen und weitere wichtige Quellen für den Herausgeber noch nicht zugänglich. Deshalb schrieb Herausgeber Prof. Michel Rot im Revisionsbericht:
Der Strauss’sche Nachlaß zu Aschenbrödel muß als verschollen gelten.

Am Ende des Vorwortes seiner Partitur “resumiert” Prof. Rot:

Mit der vorliegenden Rekonstruktion der Urfassung von “Aschenbrödel” ergibt sich die letzte Möglichkeit, ein bedeutendes Werk von Strauss zur Uraufführung zu bringen. [...] Mit besonderem Dank an Herrn Prof. Franz Mailer für die uneingeschränkte Möglichkeit zur Einsichtnahme in seine umfangreiche Forschungsarbeit.

Für den Theater- und Konzertbesucher ist in der Regel die Intensität seines Erlebnisses entscheidend.

Nikolaus Harnoncourt wurde mit seinem 1953 von ihm und seiner Frau Alice gegründeten “Concentus Musicus Wien” über seine bis 1987 vom ihm vom Cello aus geleiteten Interpretationen von barocken und vorbarocken Werken zum Inbegriff der (lebendigen) historischen Werktreue.

Inzwischen erstreckt sich der Prozess der musikalischen Auseinandersetzung und historischen Werktreue von Harnoncourt bis hin zu Operetten und romantischer Oper (“Carmen”, die meistgespielte Oper der Welt).

Hierbei wurde die “Verlagsgruppe Hermann” ein verlässlicher Partner.

Manuel Brug bezieht sich in seinem “Carmen”-Artikel “Die beliebteste Oper der Welt” auf die Originalfassung, wie sie Ende der Siebzigerjahre auf dem Edinburgh Festival durch Claudio Abbado vorgestellt wurde. Mit Plácido Domingo als verletzlichem Macho und der hinreißenden Teresa Berganza.

Über spektakuläre Produktionen mit Dirigenten und Orchestern/Theatern von Weltgeltung, basierend auf wissenschaftlichen Neuausgaben, werden Ausgaben der Verlagsgruppe Hermann in den Markt eingeführt: Im Magazin “Takte” der Verlage Bärenreiter/Alkor erfolgt dann eine Bewerbung dieser wissenschaftlichen Ausgaben – oft vom Herausgeber Michal Rot selbst.

Damit der Leser nicht völlig den Glauben an das Gute verlieren muss, möchte ich an dieser Stelle zwei Aussagen des großen Pianisten Arthur Rubinstein und des Psychiaters Sigmund Freud wiedergeben. Mir geben derartige Betrachtungen eine zweite Luft.

Rubinstein: Man darf mit Musikern nur über Geld und mit Bankiers nur über Musik sprechen.

Freud: Das Großartige des Humors liegt in der Unverletzlichkeit des Ichs

Der Humor der Operette führt uns in der Betrachtung nun fort:

Nikolaus Harnoncourt trägt auch einen wesentlichen Anteil an der seit den 1990er Jahren eingesetzten Neu/Wiederentdeckung der Operette.

Hier sind im Besonderen – neben der Produktion von Offenbachs “La Belle Helene” am Opernhaus Zürich (1994) und der mit Prof. Linke erarbeiteten konzertanten Aufführung des “komplettierten Zigeunerbaron” im Wiener Konzerthaus (1994) – auch die “Fledermaus”-Koproduktion (1999/2000 Wiener Festwochen – Opernhaus Zürich) und die der Offenbach-Operette “La Grande-Duchesse de Gerolstein” – Bericht des Schweizer Fernsehen (2003/2004 styriate Graz – Opernhaus Zürich) zu nennen. In die Zeit um den Jahrtausendwechsel fallen auch die zwei mit Prof. Mailer konzipierten von Harnoncourt geleiteten Neujahrskonzerte der Wiener Philharmoniker (2001/2003).

Über Harnoncourt als Strauss-Dirigent äußerte sich Prof. Mailer 2002 im Interview gegenüber Ursula Magnes:

Nikolaus Harnoncourt ist zweifellos ein Mann mit eigenem Willen. Dass er ein Strauß-Dirigent ist, glaubt er wahrscheinlich selber nicht. Aber er macht alles sehr gut – oft anders als ich es kenne.

Auf den Seiten 14 und 15 des Bärenreiter/Alkor-Magazins “Takte” 2/2003 findet man Herausgeber Rots Beschreibung seiner Gerolstein-Ausgabe mit Verweis auf die Koproduktion.

Prof. Rot schreibt hierin: Keine Frage also, dass die Grande Duchesse de Gérolstein eine Kritische Neuausgabe verdient hat. Gemeinsam mit Nikolaus Harnoncourt, der sie in der Koproduktion von Graz und Zürich dirigiert, fiel die Entscheidung zur Publikation der so genannten „endgültigen – oder dritten – Pariser Fassung“ des Werkes.

Der Leitartikel der übernächsten Ausgabe von “Takte” (2/2004) trägt den Titel “Operetten im Urtext”.

Dieser mehrseitige (für die wissenschaftlichen Operetten-Ausgaben des Alkor-Verlages grundlegende) Artikel beschreibt neben anderen wissenschaftlichen Operettenausgaben die in Zusammenhang mit der “Fledermaus”-Koproduktion (Harnoncourt/Flimm) entstandene wissenschaftliche “Fledermaus”-Ausgabe (Michael Rot, Verlagsgruppe Herrmann: “Strauss Edition Wien”), die für die “Gerolstein”-Koproduktion (Harnoncourt/Flimm) entstandene wissenschaftliche Ausgabe (Michel Rot, Verlagsgruppe Hermann: “Edition Meisterwerke”) und auch die wissenschaftliche Ausgabe der Johann Strauss-Operette “Der Carneval in Rom” (Michael Rot, “Strauss Edition Wien”), erarbeitet 2004 im Auftrag der “Staatsoperette Dresden” für deren “Wiederentdeckung” dieses Werkes.

Die von der “Strauss Edition Wien” (alleiniger Herausgeber: Michael Rot) im Auftrag erstellten wissenschaftlichen Ausgaben unbekannter Johann Strauss-Operetten werden mit Johann Strauss-Operetten-Wiederentdeckungen der Staatsoperette Dresden in den Markt eingeführt.

Auch im Opernbereich ist Prof. Rot für die “Verlagsgruppe Hermann” als Herausgaber der “Edition Meisterwerke” bemerkenswert aktiv:

So entstand 2005 für die “Carmen”-Produktion Nikolaus Harnoncourts bei der “styriate” Graz eine wissenschaftliche Ausgabe Prof. Rots, obwohl mit der Ausgabe von Robert Didion/Josef Heinzelmann (1992, Schott, von Arte übertragene Produktion der Deutschen Staatsoper Daniel Barenboim) bereits eine aktuelle wissenschaftliche Ausgabe dieser Oper vorlag.

Harnoncourts Gründe für die Anregung zur Neuausgabe Prof. Rots erfährt man auf der Seite Kulturservice des Landes Steiermark:

Warum nimmt sich Nikolaus Harnoncourt, der große Neudeuter der Musik Mozarts, der Opern Monteverdis, neuerdings auch Musik der deutschen Romantik, gerade in seinem Festival einer Oper an, die jeder kennt, Bizets „Carmen“, der vermutlich meistgespielten Oper der Welt?

Gerade deshalb, weil jeder glaubt, „Carmen“ zu kennen, weil das populäre und unbestrittene Meisterwerk scheinbar so vertraut ist, ist es für Harnoncourt spannend, die ganze Sache einmal gründlich zu hinterfragen.

Für seine Grazer Produktion traut Harnoncourt keiner der gängigen Carmen-Editionen, auch nicht der „Kritischen Neuausgabe“ von Fritz Oeser [s. "B 2 Herausgaben Opern" 1964 Alkor Edition Kassel], sondern er hat für seine erste „Carmen“ gemeinsam mit dem Wiener Verlag Alexander Hermann eine völlig neue Edition erarbeitet, die natürlich auf Bizets französischer Urfassung basiert.

Vom Deutschlandfunk wurde hervorgehoben, dass diese Harnoncourt-Produktion vor allem durch ihre musikalische Qualität überzeugte und bemerkt: Etliche Noten hat der Perfektionist Harnoncourt umgeschrieben, da Chor und Orchester schlichtweg überfordert waren.

Harnoncourt wurde in Bühne 6/2005 wiedergegeben:

Ich habe zuerst gedacht, diese Oper würde viel gespielt, da müsse es eine ordentliche Patitur geben. Dabei stimmt das alles überhaupt nicht zusammen,es gibt von jeder Nummer mehrere verschiedene Fassungen; da muß man herausfinden, warum das so ist. [...] Die Partitur schaut direkt grotesk aus [...] Wir haben gleich alles neu gemacht, mit dem Wiener Verlag Hermann, der auch die Neujahrskonzerte und die Johann Strauss Geamtausgabe betreut. Jetzt haben wir eine tolle Partitur, in der alle Versionen drin sind.

Zu Beginn des aktuellen Werbefilms der “styriate” (2010) folgen im Anschluss an betont lockere Momentaufnahmen Harnoncourts kurze Ausschnitte aus der Gerolstein- und Carmen-Produktion: Magic Moments with music in June and July A Home Game for Nikolaus Harnoncourt

Wie bei “Carmen” liegen auch von “La Grande-Duchesse de Gerolstein” inzwischen jeweils zwei wissenschaftliche Ausgaben vor – neben der 2003/2004 erschienenen der Verlagsgruppe Hermann die ebenfalls 2003/2004 mit Editio princeps-Schutz § 71 UrhG erschienene über Boosey & Hawks vermarktete Ausgabe der Offenbach Edition Keck (OEK).

Nikolaus Harnoncourt ist einer der Hauptförderer des Musikwissenschaftlers, Dirigenten und Publizisten Benjamin Gunnar Cohrs, einer der vier Vollender des Bruckner 9 Finales.

Benjamin Gunnar Cohrs’ große Angst vor der Vernichtung von Manuskripten zum “Finalsatz” der unvollendeten 9. Sinfonie Anton Bruckners durch Dr. Hilmar wirft nun auch Fragen für Sir Simon Rattle auf.

Harnoncourt selbst hat in zwei Konzerten 1999 (Wien, Wiener Symphoniker) und 2002 mit den Wiener Philharmonikern im Rahmen der Salzburger Festspiele ausführlich die Konzeption des Finalsatzes erklärt und ausschließlich das interpretiert, was Bruckner selbst hinterlassen hat. Er verwendete dazu die von John Alan Phillips herausgegebene Dokumentation des Fragments. Fehlende Takte oder Stimmen wurden also keinesfalls ergänzt, sondern einfach weggelassen. Somit konnte das Publikum im Verlauf dieser „musikalischen Werkstattführung“, wie Harnoncourt seinen Versuch selbst nannte, einen völlig unverfälschten Eindruck des gewaltigen Torsos gewinnen. Anschließend wurden die ersten drei Sätze aufgeführt. (Quelle wikipedia “9. Sinfonie Bruckner”)

Ebenfalls Angst, in diesem (selben) Fall aber vor erheblicher Peinlichkeit, lässt die Wiener Rathausbibliothek die Causa um ihren ehemaligen leitenden Mitarbeiter seit 18 Jahren nicht klären. Diesbezüglich bemerkenswert ist ein im Februar 2011 von einer großen Wiener Rechtsanwaltssozietät offensichtlich auf Bestellung (Wienbibliothek?) erstellter Artikel zur Rückholung der veruntreuten Strauss-Autographe. Durch diesen (bewusst?) sehr fehlerhaften Artikel wird die Wienbibliothek – nachdem die meisten der veruntreuten Strauss-”Aschenbrödel”-Autographe wieder in der Wienbibiliothek sind (Pressekonferenz vom 3. Februar 2011) – reingewaschen.

Die Wienbibliothek erstattete im Fall [...] niemals Anzeige, wenn ihr etwas gestohlen worden war.

Hierzu äußerte sich die Direktorin der „Wienbibliothek im Rathaus“, Dr. Sylvia Mattl-Wurm, gegenüber Musikwissenschaftler Dr. Michael Lorenz am 6. Mai 2009: Wenn wir Anzeige erstatten, ist das ja für die Bibliothek peinlicher als für Hilmar!

Näheres über den (von der Wienbibliothek verheimlichten) wirklichen Umfang der Verluste, die Nichtanzeigen und die Untätigkeit in M. Lorenz: “Johann Strauss auf Irrfahrt – ein paar notwendige Anmerkungen”; nicht nur Johann Strauss, auch Franz Schubert!; weitere Komponisten und auch Anton Bruckner?

Warum bemühte die große Wiener Sozietät “Fellner Wratzfeld&Partner Rechtsanwälte GmbH” im Februar 2011 bezüglich der Rückholung der verschwundenen Strauss-Autographe nach Wien ihren in der Sache viel zu wenig kundigen Rechstanwaltsanwärter Mag. jur. Philipp Haller mit einem Artikel, in welchem Herr Haller u.a. die Nichterstattung einer polizeilichen Anzeige seitens der Wienbibliothek als sich in diesem Fall “bewehrte Vorgehensweise” darstellt?

Philipp Haller “Rückholung verschwundener Notenblätter von Johann Strauss / Das Ballett Aschenbröd[e]l”:
Anfang Februar 2011 präsentierten Stadtrat Mailath-Pokorny und Vertreter der Wienbibliothek der Öffentlichkeit die lange Zeit verschwundenen Teile der Skizzen zum unvollendeten Ballettstück Aschenbröd[e]l von Johann Strauss. Diese waren Mitte der 1990er Jahre aus der Wienbibliothek spurlos verschwunden. Interne Untersuchungen innerhalb der Wienbibliothek blieben ohne Ergebnis. Man vermutete zwar, dass die Skizzen gestohlen wurden, zeigte den Diebstahl jedoch nicht an, um ein allfälliges Wiederauftauchen auf dem Kunstmarkt – wie es häufig der Fall ist – nicht zu vereiteln. Diese Vorgehensweise hat sich in dem Fall bewehrt. [...] Auf welche Weise sich die Skizzen nach Köln und Coburg verirrt haben, wird sich wohl nicht mehr mit Sicherheit feststellen lassen. Wichtig ist jedoch, dass sich ein Stück österreichischer Musikgeschichte wieder in Wien befindet. Wien, am 18. Februar 2011 Philipp Haller

Der Artikel – mit dem Logo der Sozietät auf jeder Seite – erfährt durch die Veröffentlichung im Bulletin 2011/1 der 2009 gegründeten “Forschungsgesellschaft Kunst und Recht” eine wissenschaftliche Legitimierung. Hiermit diskreditiert sich die Forschungsgesellschaft. Mit dieser Veröffentlichunh sieht man wohl den überaus peinlichen Fall als abgeschlossen (siehe auch Kommentar).

Benamin Gunnar Cohrs, ein Mitglied des vierköpfigen Autorenteams des vollendeten Bruckner-Finale (1985-2006/revised 2010), vermutet seit Jahren, dass sich fehlende Finale-Autographen beim mutmaßlichen Veruntreuer der Johann Strauss-Autographe befinden, und befürchtet die Vernichtung der Manuskripte, wenn dies öffentlich bekannt wird. Für wie bedeutend hält Cohrs diese Manuskripte, deretwegen er umgehend – in Kenntnisnahme der aufgenommenen staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Veruntreuer und dessen angeblicher Geständigkeit – die Wienbibliothek aufsuchte, um dort über seine Vermutung zu informieren? Wienbibliotheksmitarbeiter Norbert Rubey bat Cohrs um absolute Verschwiegenheit. Die Angelegenheit würde so still gehandhabt, dass nicht einmal die “Österreichische Nationalbibliothek” hiervon wisse. – Es sei bemerkt, dass beide Ermittlungsverfahren – in Wien und Köln – trotz angeblicher Geständigkeit (telefonische Auskunft von Norbert Rubey 20. April 2010) Ende 2010 eingestellt wurden.

Bei vorhandener Überzeugung des Mitvollenders Cohrs von der Existenz des Bruckner 9-Finale-Manuskript-Fehlbestandes bei Ernst Hilmar dennoch Aufführungen der “komplettierten” unvollendeten 9. Bruckner durch die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle in Berlin und New York im Februar 2012. Zu früh?

Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker stellten am 7., 8., und 9. Februar 2012 in Berlin die “komplettierte” 9. Bruckner vor – Digital Concert Hall – KonzertausschnittBut, as Simon Rattle says, “everything that is strange about this finale is 100% Bruckner”.

2003 erschien in der Reihe “Musik-Konzepte” das Heft „Bruckners Neunte im Fegefeuer der Rezeption“ (Autoren und Anzahl der Artikel: Benjamin Gunnar Cohrs 7 u. Vorwort, John Alan Philipps 3, Constantin Floros 1, Hartmut Krones 1, Cornelis van Zwol 1, Franz Zamazal 1, Manfred Wagner 1, Nikolaus Harnoncourt 1)

Im Verlauf meiner Darstellung wird die ähnliche Vorgehensweise einer teilweise hypothetisierenden Rekonstruktion – wie bei der Vollendung des Bruckner-Finalsatzes – im Fall der Rekonstruktion des unvollendeten Johann Strauss-Ballettes „Aschenbrödel“ mit den Worten von Michael Rot in seiner 2002/2003 erschienenen wissenschaftlichen “Aschenbrödel”-Partitur beschrieben. (Neue Johann Strauss Gesamtausgabe Serie I, Bühnenwerke, Werkgruppe 3, Ballett, Bd. 1, Preis 475,- €)

Es muss die Frage nach der wissenschaftlichen Zuverlässigkeit eines solchen Weges gestellt werden, zumal im Fall der Rekonstruktion “Aschenbrödel” gravierende Mängel zu nennen und Fragen zu beantworten sind.

Zu “Aschenbrödel” existieren sehr zahlreiche autographe Skizzen (Wienbibliothek) – laut 1948 erstellter Bestandsliste der Sammlung Strauss-Meyszner 611 Seiten. Diese Autographe standen allerdings bei der Erarbeitung der Rekonstruktion um das Jahr 2000 nicht zur Verfügung.

Die 504 Seiten umfassende wissenschaftskritische Partitur dieser “Rekonstruktion der Urfassung” “Aschenbrödel” fußte – was Autographen anbelangt – auf ganzen vier Takten (!) einer einzigen faksimiliert erhaltenen Partiurskizze (Abb. in Erich W. Engel: Johann Strauss und seine Zeit, Wien 1911, S. 341).

Benjamin Gunnar Cohrs und John Alan Philipps schreiben zu ihrer Rekonstruktionsmethode in “Musik-Konzepte” 120, 121, 122 (“Einführung in die erhaltenen Quellen zum Finale” S. 22 f.):

Die musikforensischen Quellenforschungen machten es möglich, unter Kenntnis und sorgfältiger Berücksichtigung von Bruckners Kompositionstechniken die musikalische Substanz der verlorenen Bogen des Endstadiums der Partitur hinreichend sicher zu rekonstruieren. Bis zum Abbruch der Partitur ist, wie das Übersichtsprotokoll zeigt, für nur sehr wenige Takte überhaupt kein Material mehr vorhanden; es handelt sich dabei [...] ingesamt um gerade einmal 27 Takte eines weitgehend gesicherten Verlaufs von wenigstens 558 Takten Musik.

Die Rekonstruktion und spätere Ausinstrumentierung der verlorengegangenen Bogen folgte – ebenso wie die Ausarbeitung der Coda anhand der Entwürfe – einem Synthese-Verfahren, dem Bruckners kompositions-inhärente Prozesse zugrund liegen, namentlich a) die für ihn so wesentlichen Verfahren der Mutation von Motiven durch kontrapunktische Techniken sowie des ‘Herankomponierens’ an bestimmte wichtige formale Zielpunkte durch motivische Herausbereitung, b) die systematische Verwendung der metrischen Ziffern zur Kontrolle der Gewichtung der Takte innerhalb des Periodenbaus, c) Bruckners ausgiebige Verwendung von Sequenzierungen und kontrapunktischer Techniken, d) seine Tendenz, blockartige Strukturen beizubehalten, die oft durch ostinate Rhythmen geprägt sind, sowie e) in der Ausarbeitung von Details der axiomatische Vergleich mit zahlreichen Parallelstellen im Spätwerk Bruckners.

Hierzu möchte ich anmerken: In der Abweichung vom Erwarteten offenbart sich das Genie.

In seinem im folgenden verlinkten Referat (Ausschnitt) “Musikautographe als Belegstücke zum ‘Musikland Österreich’ ” meint Ernst Hilmar zum Aussagewert von Musikautographen:

Der reproduzierende Akt bei der Wiedergabe eines Kunstwerkes ist naturgemäß eben ein höchst subjektiver, und das hat auch seine Reize, vor allem dann, wenn wir von einer ‚sehr lebendigen‘ Interpretation sprechen. Gewiß wird des öfteren – auch heute dabei ‚übers Ziel geschossen‘, und der Notentext, der ja in vielen Fällen durch wissenschaftlich-kritische Ausgaben belegt ist, in einer etwas zu „freien Weise“ ausgelegt. Mit besonderem Ernst ausgestattete Interpreten gehen hingegen oft den anderen Weg und mißtrauen sogar den Gesamtausgaben, und zuweilen nicht zu Unrecht. Für diese ist oft nur die Einsicht in das Autograph des Rätsels Lösung. Damit kommen wir zum tatsächlichen ideellen Wert der Musikautographe als Belegstücke.

Ohne die Arbeiten an den Gesamtausgaben in Mißkredit bringen zu wollen, kann der dort in der Regel nach den Originalquellen abgedruckte Text das Notenautograph keineswegs ersetzen. Denn die eigenhändige Niederschrift eines Komponisten ist – sagen wir es so – die einzig verbindliche Konstante im ästhetischen Wandel, dem ein Kunstwerk unterworfen ist. Darüber hinaus schafft nur das Autograph eine gewisse Affinität zum Komponisten. Aus der Art der Niederschrift gewinnen wir Einblicke, die uns kein noch so vollendeter Druck vermitteln kann. Der Autor läßt uns in gewissem Sinne teilnehmen am Kompositionsprozeß, erklärt uns gleichsam die Anlage seines Manuskripts, markiert mögliche Schwierigkeiten und zeigt uns durch den Duktus seiner Handschrift sogar seine emotionelle Seite bei der Niederschrift.

Dieser Eindruck ist unverrückbar und muß bestimmend werden für jede Form der Interpretation, sei sie nun wissenschaftlich oder auf die Praxis orientiert. So bleibt eben das Autograph jene Quelle, die die Basis für das Werkverständnis schafft; es ist ebenso Brücke zur Vergangenheit wie es wegweisend wird für jede Art von gegenwärtiger und zukünftiger Beschäftigung mit einem Komponisten und dessen Werk.

Hier ein Ausschnitt aus Ernst Hilmars – berücksichtig man die Veruntreuung der Autographe – zynischem Referat über die Bedeutung von Musikautographen auch für das „Musikland Österreich“, gehalten auf dem „Internationalen Symposium Musikautographe“ Wien 1989 und abgedruckt im von Ernst Hilmar redigierten 1990 erschienenen “Bericht” des Symposium (Schneider/Tutzing).

2010 war die Rolle Hilmars als Leiter der Musiksammlung der Wienbibliothek (1975-1994) Gegenstand staatsanwaltlicher Ermittlungen.

Eine zum Verständnis der tieferen Zusammenhänge nötige umfangreiche Nebendarstellung von Vorgängen und Zusammenhängen bemerkenswerter Brisanz:

Dass die von Hilmar propagierte Einsichtnahme in das Autograph bei für die historische Werktreue ihrer Interpretationen bekannten Dirigenten – vielleicht wegen deren künstlerischen Beschäftigungsumfanges – manchmal auch etwas zu kurz kommen kann, schilderte mir Wienbibliotheksmitarbeiter Norbert Rubey 2006, als er mir das in der Wienbibliothek verwahrte Partiturautograph der “Fledermaus” (ursprünglich Sammlung Strauss-Meyszner) und darin besonders die Musikhandschriftenanteile von Johann Strauss (oft nur die Harmonisierung der Bläser) und Richard Genee (viele der Gesangs- und Streicher- bzw Bläserstimmen, oft das Partiturgerüst und Genees Blaustift-Korrekturen von Strauss’ Harmonisierungen) sehr ausführlich zeigte.

Der 1873/1874 (UA “Die Fledermaus” 5.4.1874) im Komponieren von Operetten noch sehr unerfahrene Johann Strauss erhielt bei seinen ersten neun Operetten kompositorische Hilfe seines langjährigen musikalischen Mitarbeiters und Librettisten Richard Genee (1. Operette “Indigo und die vierzig Räuber” bis zur 9. “Eine Nacht in Venedig”; “Die Fledermaus” war die dritte von insgesamt 15 Operetten; außerdem eine Oper – Ritter Pasman – und ein unvollendetes Ballett – “Aschenbrödel”). Prof. Linke hierüber in seinem Buch “Musik erobert die Welt” publiziert.

Laut Rubey habe Nikolaus Harnoncourt anlässlich der Koproduktion der “Fledermaus” 1999/2000 – Ausschnitt Finale 1. Akt (Regie Jürgen Flimm), als Harnoncourt die Bibliothek zwecks Einsichtnahme in das “Fledermaus”-Autograph aufsuchte, “keine 10 Minuten hineingeschaut”.

In Zusammenhang mit dieser Koproduktion erschien 1999 die dritte wissenschaftliche “Fledermaus”-Partitur (Hans Swarowsky 1968, Fritz Racek 1974, Michael Rot 1999), diesmal im Rahmen der “Neuen Johann Strauss Gesamtausgabe”.

Bereits 1974 war im Rahmen der “Doblinger Johann Strauss Gesamtausgabe” eine von Prof. Dr. Fritz Racek – von 1945 bis 1975 Leiter der Musiksammmlung der Wiener Rathausbibliothek und Vorgänger Dr. Hilmars – herausgegebene “Fledermaus”-Partitur erschienen. Racek war laut Rubey der Erste, der in Revisionsberichten die Musikhandschriften-Anteile Genees nannte (“Eine Nacht in Venedig”, 1970, “Die Fledermaus”, 1974).

Norbert Rubey sagte mir an diesem Vormittag im April 2006, dass Raceks “Fledermaus”-Partitur fehlerfrei sei und es keiner neuen bedurft habe. Michael Rots Partitur (NJSGA) sei fehlerhaft gewesen. Die Fehler seien inzwischen korrigiert worden.

Zur Verlässlichkeit der 2002/2003 im Rahmen der NJSGA erschienenen wissenschaftlichen “Aschenbrödel”-Partitur (Vorwort s. 2. Absatz: “Johann Strauss hat sein einziges Ballett unvollendet hinterlassen. Der Nachlass ist verschollen.”), sei angemerkt, dass viele der inzwischen wieder aufgetauchten veruntreuten nicht inventarisierten “Aschenbrödel”-Partiturskizzen eine andere Musik wiedergeben, als die von Bayers Vollendungsfassung und der Rot’schen-Partitur von 2002/2003 (s. Deutsche Johann Strauss Gesellschaft Mitteilungsblatt 37 “Neues Leben” 2010 S. 25 – 28)

Michael Rot und Alexander Hermann ist dies inzwischen bekannt. Die Ausgabe wird wie bereits bemerkt, trotzdem weiter angeboten. Die 2010/2011 neu gestaltete website der Verlagsgruppe Hermann gibt bezüglich ihrer “Aschenbrödel”-Partitur mit “2006″ ein falsches Erscheinunsgdatum an (s. unten “2006″, richtig 2002/2003). Warum?

Ein Nicht-Kundiger kann nicht wissen, dass die zahlreichen veruntreuten “Aschenbrödel”-Manuskripte teilweise eine andere Musik als die in der wissenschaftskritischen Partitur der “Neuen Johann Strauss Gesamtausgabe” aufscheinende zeigen.

Gleich nach Erscheinen unseres Mitteilungsblattes 37 rief mich Alexander Hermann an und beklagte sich über meinen Artikel. Hermann ging es bei seiner Beschwerde aber nicht um die fehlerhafte “Aschenbrödel”- Partitur – meinen Hinweis darauf tat er lapidar ab – sondern ausschließlich um meine Darstellung der Vermarktung der “Neuen Johann Strauss Gesamtausgabe” (s. S. 19) über das “Neujahrskonzert der Wiener Phiharmoniker”. Ich bot Verleger Hermann an, seine Position in unseren im Frühjahr 2011 erscheinenden “Telegrammen 1/2011 DJSG” darzustellen. Hermann nahm diesen Vorschlag an, meldete sich dann aber bei mir nicht mehr.

Der Initiator und Mitbegründer dieser 2. Johann Strauss-Gesamtausgabe und langjährige Konsulent der “Wiener Philharmoniker” bei ihren Neujahrskonzerten, Prof. Franz Mailer, sagte mir 2003 zuhause bei sich in Waidhofen/Ybbs: Die Wiener Philharmoniker spielen bei ihren Neujahrskonzerten ausschließlich aus Material der Strauss-Edition [Wien]. Hiermit genießt die “Strauss Edition Wien” bei den Philharmonikern eine Monopolstellung. In Anbetracht der weltweit enormen Zuschauerzahlen der “Neujahrskonzerte” sicherlich auch ein nicht unerheblicher finanzieller Aspekt.

Verlagsgruppe Hermann:

Dafür wurden vom Herausgeber Michael Rot Editionsrichtlinien erstellt, die dem wissenschaftlichen Standard des ausgehenden 20. Jahrhunderts entsprachen. 1993 traf der Verlag erste Vorbereitungen zur Herausgabe der Orchesterwerke von Johann Strauss in einer historisch kritischen Gesamtausgabe unter dem Titel Neue Johann Strauss Gesamtausgabe in Zusammenarbeit mit der Johann Strauss Gesellschaft – Wien und unter der Patronanz der Wiener Philharmoniker. Die Erweiterung des Repertoires um die Bühnenwerke wurde mit der kritischen Ausgabe der Operette „Die Fledermaus“ im Jahre 1999 zum 100. Todestages des Komponisten vorgenommen. 1997 konnte als Vertriebspartner vorerst der Bärenreiter Verlag, Kassel sowie die Agentur Alkor Edition, Kassel gewonnen werden, die bis heute exklusiv den Weltvertrieb durchführt. Mittlerweile steht die Fertigstellung der Orchesterwerke von Johann Strauss kurz vor dem Abschluß und gilt die Weiterführung der Bühnenwerke als zentrales Vorhaben der Strauss Edition Wien.

Im Vorstand des 1989 aus der von Ernst Hilmar 1987 gegründeten “Arbeitsgemeinschaft Johann Strauß-Werkverzeichnis” hervorgegangenen an der Wienbibliothek angesiedelten “Wiener Institut für Strauss-Forschung” waren 1990 die vorderen Wiener Strauss-Forscher mit Verleger und Antiquar Dr. h.c. Hans Schneider/Tutzing noch alle harmonisch vereint (Vorstandsauflistung). Der jetzige Leiter der Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus, Dr. Thomas Aigner, und auch Norbert Rubey waren damals schon dabei.

Die JSG-Wien unter Vorsitz von Franz Mailer trat 1993 an den Verlag Doblinger heran und forderte die Herausgabe sämtlicher Johann Strauss-Orchesterwerke bis zum Strauss-Jubiläumsjahr 1999. Doblinger sah sich hierzu nicht imstande. Daraufhin kündigte die JSG-Wien den seit 1967 bestehenden Vertrag mit Doblinger und begründete die “Neue Johann Strauss Gesamtausgabe”.

Das geforderte Ziel der Veröffentlichung sämtlicher Orchesterwerke bis 1999 (Kündigungsgrund gegenüber Doblinger) ist bis heute nicht erreicht, da die “Strauss-Edition” Ende der 1990er Jahre auch mit der Herausgabe von Johann Strauss-Operetten begann. Zusätzlich baute Alexnder Hermann ab 200 die “Edition Meisterwerke” auf.

Hierzu heißt es auf der website der “Verlagsgruppe Hermann”:

Den kritischen Anforderungen und dem hohen Qualitätsanspruch verpflichtet, erweiterte der Verlag unter dem dafür gegründeten Label Edition Meisterwerke das Repertoire um ausgewählte Kompositionen. Der Verlag setzt sich neue Anforderungen und erstellt weiterführende Richtlinien, die eine Darstellung aller Fassungen eines Werkes in einer Partitur ermöglichen.

Mittlerweile erfaßt der Katalog nicht nur zeitgenössische Werke österreichischer Komponisten und zahlreiche Werke der Strauss-Dynastie sondern auch Kammermusik, Orchestermusik und vor allem Bühnenwerke des internationalen Repertoires.

Alleiniger Herausgeber aller dieser seit 1993 in wissenschaftskritischen Partituren erschienenen Werke – Ausnahme Walzer “Frauenwürde” (Ernst Istler) – ist Prof. Michael Rot.

Für die “Verlagsgruppe Hermann” hat Prof. Rot als Herausgeber der „Strauss-Edition“ und der „Edition-Meisterwerke“ von 1993 bis heute wissenschaftskritische Ausgaben von über 400 Johann Strauss (Sohn)-Orchesterwerken, des Balletts „Aschenbrödel“ und der Johann Strauss-Operetten: „Die Fledermaus“, „Der Zigeunerbaron“, „Eine Nacht in Venedig“, „Der lustige Krieg“, „Der Karneval in Rom“, „Das Spitzentuch der Königin“, „Prinz Methusalem“ und der Oper „Ritter Pásmán“ erarbeitet – (die bereits edierten Werke von Johann Strauss-Vater, Josef und Eduard Strauss nicht mitgezählt) – daneben im Rahmen der „Edition Meisterwerke“ kritische Partiturausgaben von Bizets „Carmen“, Puccinis „Tosca“ und „Madame Butterfly“, Mussorgskijs „Boris Godunow“, Tschaikowskys „Pique Dame“, Verdis „Falstaff“ und Offenbachs „Großherzogin von Gerolstein”.

Wenn man sich vergegenwärtigt, dass zum Erstellen einer wissenschaftskritischen Ausgabe das kritische Gegenlesen jedes Tones eines Werkes unter Sichtung sämtlicher relevanter Quellen und Einbezeihung von wichtiger Sekundärliteratur gehört, so drängt sich die Frage auf, wie von Michael Rot eine Wissenschaftlichkeit bei derart vielen Ausgaben gewährleistet werden konnte.

Das “Wiener Institut für Strauss-Forschung” setzt unter der wissenschaftlichen Leitung von Norbert Rubey – Rubey ist übrigens bereits seit 1990/1987? noch unter Hilmar für die wissenschaftlichen Projekte des WISF verantwortlich – die 1967 begonnene “Doblinger Johann Strauss Gesamtausgabe” fort.

Die einst vereinte Wiener Johann Strauss-Forschung ist seit gut 20 Jahren zerstritten.

Ernst Hilmar war – neben seinen Initiativen in der Schubert-Forschung – auch ein Motor der Strauss-Forschung. Nach seinem Ausscheiden (Suspendierung) ging es mit der Strauss-Forschung bis heute merklich zurück. Das WISF war/ist das einzige Johann Strauss-Forschungsinstitut der Welt. Ernst Hilmar war für das WISF und auch für das “Internationale Franz Schubert Institut” bemerkenswert erfolgreich im Gewinnen von Sponsoren.

Zwar veranstaltet das WISF seit 2004 jährlich die “Tanz-Signale” mit wissenschaftlichem Symposium. Brisanten wichtigen Themen geht man aber aus dem Weg, wie im vergangenen Jahr zum Thema “Frau Johann Strauss Die Familie Strauss, die Frauen und ihr Wirken“:

Die 1939 von den Nazis in Wien so furchtbar behandelte Stieftochter/ev. leibliche Tochter von Johann Strauss, Alice Strauss (Alice Epstein, Alice Meyszner), der durch eine dreiteilige Artikelserie des antisemitischen Hetzblattes “Der Stürmer” (mit Angabe des Namens und der vollen Adresse, Auflage 500.000) ihre von ihrer Mutter Adele 1930 geerbte Strauss-Sammlung abgenötigt wurde, behandelte man auf diesem Symposium, obwohl ich Norbert Rubey im Vorfeld diebezüglich angeschrieben hatte, nicht.

Am 8. Juni 1939 erschien nicht nur die erste Folge der “Stürmer”-Serie “Jüdische Erbschleicher / Juden und der deutsche Walzerkönig Johann Strauß / Die Machenschaften der Jüdin Meyszner-Strauss / Eine erbärmliche Talmuderei”, sondern auch der Artikel “Erinnerungsstücke an den Wiener Walzerkönig / Nicht alle haben einen würdigen Platz” in der nationalsozialistischen (österreichischen) “Volks-Zeitung”. Dies belegt, dass es sich nicht nur um eine Aktion des “Stürmer” handelte. Auch die “Volks-Zeitung” berichtete wie der “Stürmer” über Alice Meyszners Forderung beim Gausippenamt Wien auf Anerkennung der Vaterschaft von Johann Strauss (“Der Stürmer” 1939 Nr. 23 S.2).

Die Arisierung des “Achteljuden” Johann Strauss über die öffentliche Abnötigung der Sammlung Strauss-Meyszner begann während der 6. “Reichstheater-Festwoche” (Wien 4.- 11. Juni 1939) mit der “Stürmer”-Kampagne. Die “Reichstheater-Festwoche” stand unter der Schirmherrschaft von Goebbels. Adolf Hitler besuchte am 10. Juni (Tag vor dem 75. Geburtstag Richard Strauss’) die Wiener Erstaufführung von dessen Oper “Friedenstag”. Am 11. Juni berichtete die Volks-Zeitung über den unerwarteten Besuch Hitlers: “Adolf Hitler ehrt Wiens Kunst”

Am Tag vor Erscheinen der ersten Folge der “Stürmer”-Artikelserie zeigte die Wiener Staatsoper am 7. Juni in einer Festvorstellung den “Deutschen Walzerkönig” Johann Strauss mit einer arischen Neufassung seiner – letzten zusammen mit Richard Genee auch musikalisch erarbeiteten – Operette “Eine Nacht in Venedig”.

Mit einer Plakataktion des “Stürmer” auf Wiener Litfaßsäulen (Plakatgröße Din A 1) war zuvor für die “Stürmer”-Serie geworben worden.

Im 1996 erschienenen Katalog „Zur Geschichte der Wiener Operette“ des Wiener Antiquariats „Inlibris – Marktführer in Österreich – wurde ein Splitternachlass Eduard Strauss II angeboten. In der Objektbeschreibung wird auf Prof. Würzl (er schuf die Melodie für das “Lied von Gerechtigkeit”, die Hymne der “Österreichischen Freiheitsbewegung” Bezug genommen. Würzl wurde Ende 1938 Mitglied der vom Klosterneuburger Augustiner Chorherrn Roman Karl Scholz gegründeten und geleiteten “Österreichischen Freiheitsbewegung” – auch “Klosterneuburger Gruppe”. Die Widerstandsgruppe wurde 1940 durch den von der Gestapo eingeschleusten Burgschauspieler Otto Hartmann verraten. Roman Karl Scholz wurde 1944 auf dem Schafott wegen “Hochverrats” hingerichtet.

Laut Prof. Würzl seien im Eduard Strauss-Splitternachlass angebotene Unterlagen ein weiteres Indiz für die Gesinnung Josefs [Dr. Josef Strauss 1907-1988] und der endgültige Beweis dafür, dass die vom ‘Stürmer’ angezettelte Hetzkampange, die schließlich zur Beschlagnahmung des bei Johanns Stieftochter Alice verbliebenen Nachlaßteiles führte, erst durch ihn ermöglicht wurde. Es war Josef Strauss, der zum Nachteil seiner eigenen Verwandten Briefe der manchmal vielleicht allzu geschäftstüchtigen Adele dem “Stürmer” zur Veröffentlichung übergeben hatte.

Zum Splitternachlass Eduard Strausss II gehörte auch eine abgebildete maschinenschriftliche Abschrift eines kurz nach dem Zweiten Weltkrieg geschriebenen Briefes der Jüdin Rita Lichtental aus Wien an die Mutter von Eduard Strauss II und Dr. Josef Strauss, in welchem Rita Lichtental Cäcilie Strauss daran erinnert/vorwirft, dass die Familie Strauss die jüdische Tante von Frau Lichtental als die “verfl… Nazi kamen aus unseren eigenen Haus aus unserer jahrelangen Wohnung ohne Erbarmen herausjagten, als Dank dass Sie seit dem Jahre 1935 keinen Zins zahlten und wir sogar Ihre Betriebskosten zahlen mußten. Sie behaupten Ihr Sohn Josef sei kein Nazi gewesen / [...].

Aus der Sammlung Strauss-Meyszner, die Alice Meyszner am 19. Juni 1939 der Stadt Wien “schenkungsweise” (laut “Aufnahmeschrift”) übergab, wurden die in der Wiener Rathausbibliothek verwahrten nicht inventarisierten “Aschenbrödel”-Manuskripte veruntreut.

Über Alice Meyszner siehe auch am Ende dieser Abhandlung: “Ralph Braun stellte das originale Kochbuch der ‘Familie’ Strauss vor”. – “Kochbuch für Alice Strauss Weihnachten 1887″

“Ernst Hilmar: Zweierlei Strauss-Forschung?: Franz Mailer auf der einen – das WISF und Norbert Rubey auf der anderen Seite

1994 letzte Veröffentlichung des Johann Strauss-Experten Ernst Hilmar in der “Fledermaus” (Mitteilungen 7/8 März 1994)

Über die Divergenzen zwischen den Wiener Strauss-Forschungsschienen und wissenschaftliche Mängel bei Franz Mailer schrieb Ernst Hilmar kurz vor seiner Suspendierung:

Zweierlei Strauss-Forschung?

Strauß-Kenner und alle jene, die an Hintergrundwissen interessiert sind, könnten beim Studium der jüngsten Literatur, ob nun eigenständig oder als Beiheft zu CD-Einspielungen erschienen, in Verlegenheit geraten. Denn sie werden sich ähnlich die Frage stellen müssen, was worauf basiert und wessen Ausführungen man Glauben schenken darf. Zu unterschiedlich sind die Informationen und solche, die als ‘Ergebnisse’ der Forschung verkauft werden.

Im folgenden kann nur anhand einiger Textpassagen aufgezeigt werden, daß es mit der Kommunikation der derzeitigen Straußforscher offensichtlich nicht zum Besten steht. Wie uneinig man sich auch immer sein mag, der Leser (und Benützer) hat ein Anrecht auf Fakten, die als gesichert gelten.

Es wurde die Form des Spaltensatzes gewählt, um durch Gegenüberstellung der jeweiligen ‘Forschungsergebnisse’ deren Divergenzen besser vor Augen führen zu können. [...]

Da sich durch die Arbeiten des Wiener Instituts für Strauß-Forschung am Strauß-Elementar-Verzeichnis (SEV) immer mehr herausstellt, daß sämtliche überlieferte Daten zu überprüfen sind und keine der herkömmlichen bzw. in der Literatur tradierten Darstellungen zu Leben und Werk des Komponisten unbesehen übernommen werden können, wäre es zu wünschen und überdies an der Zeit, daß die Strauß-Forscher und alle jene, die sich mit den einschlägigen Fragen beschäftigen, in Zukunft näher zusammmenrückten. Damit wäre dem gesamten Wissens- und Wissenschaftszweig ein großer Dienst erwiesen.

Fußnote: Gerüchteweise soll in Wien in Kürze eine dritte Strauß-Institution auf Vereinsbasis gegründet werden. Die Tendenz geht offensichtlich weiterhin nicht in Richtung Zusammenarbeit, sondern hin zur Aufsplitterung nach dem Motto ‘chacun à son goût’.

In Anbetracht des “Aschenbrödel”-Falles offenbart der 1994 veröffentlichte Artikel des als mutmaßlicher Veruntreuer geltenden ehemaligen Musiksammlungsleiters Dr. Hilmar über “Zweierlei Strauss-Forschung?” in Wien bezüglich der bis heute bestehenden zwei verfeindeten Wiener Strauss-Forschungsschienen und der an der Wienbibliothek angesiedelten Strauss-Forschung des “Wiener Institut für Strauss Forschung” weitere Aussageebenen.

Während Prof. Michael Rot, der für die Erarbeitung seiner “Aschenbrödel”-Partitur auch sämtliche um 2000 in der Wienbibliothek vorhandenen (katalogisierten) “Aschenbrödel”-Quellen (auch aus der Sammlung Strauss-Meszner) herangezogen hatte, im Revisionbericht und Vorwort der Partitur schreibt, dass der “Strauss’sche Nachlaß zu Aschenbrödel als verschollen gelten” muss und nur eine einzige erhaltene (faksimilierte) Partiturskizze bekannt sei, behauptet Wienbibliotheks-Direktorin Dr. Mattl-Wurm in der “Österreichischen Musikzeitschrift” im September 2010, dass das “sogenannte Aschenbrödel-Konvolut” der Wienbibliothek 1994 mit 480 Seiten” gezählt worden sei.

Michael Rots wohl mit suggerierender Intention so bezeichnete “rekonstruierte Urfassung 1899″, wobei es streng genommen keine “Urfassung” gab und geben kann, da Strauss das Werk unvollendet und seine Skizzen ungeordnet hinterlassen hatte, besteht im Kern aus der Rekonstruktion der 1. Vollendungsfassung von Josef

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